Research

Ratschläge zur Geldanlage
January 27, 2017

3 Lehren aus 2016

Erfahrung macht klug – daher lohnt sich immer ein Blick zurück auf das vergangene Jahr. Was konnten wir aus dem letzten Jahr lernen? Hier sind die drei wichtigsten Lehren für uns.

1. Die größten Fonds enttäuschten wieder einmal

Anleger kaufen gerne große und bekannte Fondsprodukte. Es ist stets einfacher, etwas Bekanntes zu wählen, als sich für etwas Unbekanntes zu entscheiden. Beratern geht es ähnlich, denn es ist besser konventionell im Mittelmaß zu liegen, als sich dem Risiko auszusetzen, unkonventionell zu scheitern. Folge: Anleger strömen in die großen Fonds und merken dabei nicht, wie unbefriedigend das Ergebnis ist. Die FAZ hatte vor ein paar Tagen eine Liste der 10 beliebtesten Fonds Deutschlands veröffentlicht. Die Wertentwicklung im letzten Jahr lag zwischen -4,7% und +7,3%. Der Durchschnitt in 2016 lag bei recht bescheidenen +2,9%.

Geht es besser? Ein einfaches ETF Portfolio bestehend aus 60% globalen Aktien und 40% globalen Anleihen konnte in 2016 eine Rendite von +8% vorweisen und wäre damit wieder einmal die attraktivere Wahl gewesen. Erst recht unter Berücksichtig des Risikos, da die höhere Rendite mit einem geringeren Aktienanteil erreicht wurde als bei vielen der hier vorgestellten Fonds.

FAZ

Wir verwenden übrigens keinen dieser Fonds bei unseren Kunden. Dafür sorgen bereits die hohen Gebühren der hier angebotenen Fonds. Wir akzeptieren keine Fonds mit über 1,0% Gebühren. Übrigens beinhalten die in der Tabelle genannten Gebühren nicht alle Fondskosten, d.h. echte Gesamtkosten von 2%-4% sind nichts Ungewöhnliches. Wer glaubt, bei einer derartigen Kostenstruktur im aktuellen Niedrigzinsumfeld nach Steuern und Inflation noch einen realen Wertzuwachs erwirtschaften zu können, der ist und bleibt ein unverbesserlicher Optimist.

Merke: Wer Fonds angeboten bekommt mit dem Kommentar „dies seien die Flaggschiffe der Branche“, der sollte vorsichtig sein. Größe an sich ist bei Fonds kein Qualitätskriterium! Hohe Kosten übrigens auch nicht.

2. Kursgewinne kommen meistens in kurzen und unvorhersehbaren Schüben

Das Jahr begann gleich mit einem Paukenschlag: der Januar verzeichnete den schlechtesten Jahresbeginn an den Aktienmärkten seit 1930. Der DAX endete Januar mit 8,8% im Minus. Danach erholten sich die Märkte etwas und von Januar bis November lag der Kursverlust nur noch bei -1,5%. Aber im Dezember legte der DAX einen Schlussspurt von +8,4% hin und schloss das Jahr mit +6,9%. Mehr als 100% der Jahresrendite erfolgte also in nur einem einzigen Monat!

Das ist aber nicht so ungewöhnlich. Historisch ist im besten Monat des Jahres die Rendite durchschnittlich bei +10%, während sie im Rest des Jahres bei fast 0% liegt. Wer also gerade diesen einen Monat verpasste, weil er ständig versuchte den Markt zu timen, der liegt unwiderruflich hinten.

Merke: Anlegen ist wie Joggen – Durchhalten ist alles. Wer Markt-timing betreibt, begibt sich aufs Glatteis. Kurzfristig lassen sich Kursbewegungen leider nicht vorhersagen.

3. Crash Propheten waren die größten Verlierer

Gewinner in 2016 waren wie immer die Anleger, die einen guten Anlageplan weitestgehend unverändert ließen. Verlierer in 2016 waren wieder einmal alle diejenigen Anleger, die auf Crash Propheten hörten und in Panik zum falschen Augenblick das Handtuch warfen. Kostproben:

  • Royal Bank of Scotland sagten im Januar 2016 einen totalen Zusammenbruch voraus und empfahlen „alles zu verkaufen“.
  • Star-Investor George Soros warnte im Januar 2016 vor einer unmittelbar bevorstehenden Finanzkrise.
  • UBS sagte im August einen unmittelbaren kräftigen Kurseinbruch voraus – aber die Aktienmärkte sind seitdem fast kontinuierlich bis ans Jahresende gestiegen.

Merke: Sicher – irgendwann werden Kurse auch wieder einmal deutlich fallen. Aber Crash Propheten, die jedes Jahr den Weltuntergang prognostizieren, machen ungefähr so viel Sinn wie eine kaputte Uhr, die 2x am Tag die Uhrzeit richtig anzeigt.