Research

Ratschläge zur Geldanlage
March 1, 2016

5 Lehren aus 15 Jahren in London und Hongkong

Vor der Gründung von Ipanema Capital arbeitete ich 15 Jahre in London und Hongkong bei Credit Suisse im institutionellen Aktien- und Anleihegeschäft. Hier sind 5 Lehren aus dieser Zeit, die Ihnen hoffentlich helfen die Finanzbranche besser zu verstehen. Wir zeigen Ihnen gerne konkrete Lösungen, wie sie diese Lehren optimal bei Ihrer Vermögensanlage umsetzten können.

Vertraue nicht der Werbung und schon gar nicht der 1-3 Jahresperformance

Es ist ein Irrglaube, dass Fonds von Kunden GEkauft werden. Fonds werden aktiv VERkauft und am Anfang des Verkaufs steht oft die Werbung. Wie sonst soll ein Kunde bzw. Berater auf ein Produkt aufmerksam werden? Studien haben gezeigt, dass Fonds, die beworben wurden, im Schnitt rund 20% mehr an Mittelzuflüssen verbuchten als vergleichbare Fonds ohne Werbung.

Doch jetzt kommt die eigentlich spannende Frage: welche Wertentwicklung hatten Fonds VOR dem Erscheinen der Werbung und welche DANACH? Es wird wenig überraschen, dass die Wertentwicklung DAVOR besser war als die der Wettbewerber und des Vergleichsindex, denn die Fondsgesellschaften schicken beim Kampf um die Gunst der Kunden ihre besten Pferdchen ins Rennen. Studien zeigen aber, dass der klare Vorsprung der beworbenen Fondsprodukte NACH der Werbung meist nicht mehr feststellbar ist. Es gibt sogar Daten, die einen negativen Effekt zeigen.

Damit ist das Geschäftsmodel vieler Fondsgesellschaft auch leicht verständlich: man lege 10 unterschiedliche Fonds auf, einer davon wird nach dem Zufallsprinzip schon gut laufen. Für diesen Fonds wird dann viel Werbung betrieben und Anlegergelder eingesammelt. Nach weiteren 1-3 Jahren liegt wieder ein anderer Fonds gut da, und das gleiche Spiel wiederholt sich. Die Dummen sind dabei die Anleger, weil jedes Mal für hohe Kosten, mit Verlaub gesagt, eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Anleger müssen sich im klaren sein, dass eine gute Vergangenheits-performance KEINE Garantie für eine attraktive zukünftige Performance bietet (das Gegenteil ist sogar der Fall!*).

Komplexität ist von Übel und Intransparenz hilft nie dem Kunden

Die Finanzbranche will auch Geld verdienen, das ist ihr gutes Recht. Das Geld muss nur von irgendwo her kommen, und am Anfang steht nun einmal der Anleger.

Anleger werden gegen hohe Kosten von Finanzprodukten weniger Widerstand leisten, wenn die Gebühren geschickt versteckt sind. Wie geht dies am Einfachsten? Indem man das Anlageprodukt kompliziert gestaltet, weil kaum ein Privatanleger ernsthaft ein Produktprospekt mit 100 Seiten durchliest bzw. vollständig versteht. Daher gilt: Hände weg von esoterischen und komplexen Anlageprodukten. Volatilitäts-Fonds? Risk-Parity-Fonds? CDS-ETF? Smart beta Indexfonds? Dachfonds? Strukturierte Produkte? Besser 3x überlegen, ob man diese Produkte als Anleger wirklich braucht.

Anleger sollten primär in drei Kategorien investiert sein: Aktien, Anleihen, Immobilien. Erst wenn man hier optimal sein Vermögen angelegt hat, kann man darüber nachdenken, welche weiteren Möglichkeiten es noch gibt. Aber um ehrlich zu sein, in den meisten Fällen gibt es außer der Notwendigkeit der Finanzberater sich zu profilieren, keinen Grund in andere esoterische Anlagen zu investieren.

Banker sind überbezahlt? Wahrscheinlich, aber das wahre Problem liegt woanders

Die Bankenbranche steht aufgrund vieler Verfehlungen am Pranger. Hohe Gehälter und Boni sind dabei besonders im Mittelpunkt der Kritik. Nun kann man sich fragen, ob hier die Öffentlichkeit sich nicht das falsche Ziel ihrer Angriffe herausgesucht hat, denn die Banker sind gerade dabei von den Mitarbeitern der Fondsgesellschaften als bestbezahlte Arbeiter in der Finanzbranche abgelöst zu werden! Nur die hohen Gehälter in der Anlagebranche werden aber letztlich aus den Taschen der Anleger bezahlt. Doch wofür? Langfristig sind über 80% aller aktiven Fonds schlechter als der Vergleichsindex und in diesem Licht gesehen, macht die hohe Bezahlung sehr wenig Sinn.

Zahlen gefällig?  Laut Financial Times ist das durchschnittliche Gehalt bei globalen Fondsgesellschaften auf $263.000 gestiegen. An der Spitze stehen dann Fondsmanager wie Richard Woolnough von M&G, der in 2013 GBP 17,5 Mio verdiente. Fürwahr ein fürstliches Gehalt, das letztlich die Fondskäufer bezahlen.

Der Wunsch nach etwas Besonderem oder Hedgefonds als Statussymbol

Der Wunsch seine gesellschaftliche Stellung zu zeigen ist ein sehr menschliches Phänomen. Auch beim Anlegen suchen Investoren das „Besondere“, Ewas das aus dem alltäglichen Angebot heraussticht. Erfindungsreich wie die Finanzbranche nun Mal ist, bietet sie vermögenden Privatkunden gegen hohe Gebühren Zugang zu „exklusiven Produkten“ wie Hedgefonds an, die der breiten Masse nicht zur Verfügung stehen. Hedgefonds sind weniger stark regulierte Anlagegesellschaften, die in Aussicht stellen, risiko-adjustiert eine deutlich bessere Rendite zu erwirtschaften als die Standard-Publikumsfonds, die jeder Kleinanleger bei seiner Bank kaufen kann. Diese Hoffnung auf eine bessere Rendite lassen sich Hedgefonds sehr teuer bezahlen. Private Equity Fonds fallen letztlich in die gleiche Kategorie.

Doch wie sieht die Realität aus? Beim Anlegen gilt nicht, dass man eine bessere Rendite erhält, nur weil man den Fondsmanager besser bezahlt! Im Gegenteil, je mehr man zahlt, umso weniger bekommt man zurück. In 2015 erzielte der HFRX Global Hedge Fund Index -3,6% und für den 10 Jahreszeitraum zuvor nur +0,7% p.a. Selbst Festgeld hätte mehr gebracht. Hedgefonds sind geeignet um bei einer Cocktailparty mit seiner Zugehörigkeit zu einem exklusiven Club anzugeben, aber nicht um eine gute Rendite zu erzielen.

Wenn Warren Buffett, der wohl erfolgreichste Anleger der Welt mit einem geschätzten Vermögen fast $70 Mrd., in seinem letzten Willen verfügt, dass 90% des Geldes in kostengünstigen Aktienindexfonds anzulegen seien, dann sollten Anleger davon Notiz nehmen, egal zu welcher Einkommensgruppe sie gehören. Indexfonds (ETF) mögen als langweilig erscheinen, aber sie sind für die meisten Anleger dennoch der optimale Grundbaustein für die Vermögensanlage. Niedrige Kosten sind bei der Vermögensanlage langfristig durch nichts zu schlagen, denn wie jeder Unternehmer weiß, im Einkauf liegt der Gewinn.

Aktivität wird überschätzt

Würden Sie einen Fondsmanager oder Vermögensverwalter bezahlen, der sein Portfolio lange Zeit unverändert lässt? Der nichts kauft oder verkauft? Genau das ist das Problem der Branche: Fondsmanager und Vermögensverwalter müssen ständig ihren Anlegern und Gesellschaftern Rechnung ablegen und können es sich nicht erlauben, einmal nichts zu tun. Dabei wäre es oft am besten, das Portfolio nicht anzurühren.

Warren Buffett, der erfolgreichste Anleger der Welt, betont häufig, dass das Nichtstun ein wesentlicher Beitrag zu seinem Anlageerfolg war:

  • Inaktivität erscheint uns als intelligentes Verhalten.
    („Inactivity strikes us as intelligent behavior“).
  • Lethargie, grenzend an Faulheit, bleibt der Eckpfeiler unseres Anlagestils.
    („Lethargy bordering on sloth remains the cornerstone of our investment style“)

Aber nicht nur ein langfristiger Anlager wie Warren Buffett spricht sich für Inaktivität aus. Einer der berühmtesten Trader des frühen 20. Jahrhunderts, Jesse Livermore, sagte einmal:

  • Es war nie mein Denken, dass mir das große Geld machte. Es war immer mein Herumsitzen.
    („It was never my thinking that made the big money. It was always my sitting.“)

Haben Sie Geduld und schauen sie sich nicht jeden Tag ihr Depot an, weil dies nur zu unnötiger Aktivität verführt. Den meisten Investoren ist am besten damit gedient, wenn sie (1) eine Anlagestrategie festlegen, (2) die richtigen Anlagen auswählen und (3) diese ein- oder zweimal im Jahr kontrollieren.

Quelle:

* Wie viele Studien zeigen, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Vergangenheitsperformance und der zukünftigen Performance – nur leider ist dieser 180 Grad anders als es sich die meisten Anleger vorstellen. Je besser die Vergangenheitsperformance, desto schlechter die zukünftige Outperformance! Der von Fondsberatern und Privatanlegern beliebte Ansatz, Fonds nach der Vergangenheitsperformance auszuwählen, entbehrt somit jeder empirischen Grundlage und ist kontraproduktiv.

Anbei eine interessante Studie vom Februar diesen Jahres, die untersucht, was die Vergangenheitsperformance über die Zukunft aussagt.

“The harm in selecting funds that have recently outperformed”, Cornell – California Institute of Technology

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2732060

 

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