Research

Ratschläge zur Geldanlage
January 11, 2014

Aktiv gemanagte Fonds oder ETFs – welche Anlageform eignet sich am besten

Es liegt im Naturell des Menschen gewinnen zu wollen, sei es beim Sport oder beim Investieren. Gewinnen beim Investieren heisst, einen Vergleichsindex wie den DAX zu schlagen. Viele Anleger wählen daher einen aktiv gemanagten Fonds in der Hoffnung, damit einen Index zu übertreffen. Die Alternative wäre einen passiven Indexfonds (sog. ETF) zu kaufen, mit dem man zumindest die Marktrendite sicher erhält. Es gibt aber kein entweder-oder, beide Ansätze haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

 Index ETFAktives Fonds
Kosten+ niedriger
+ transparenter
- höher
- versteckte Kosten
Performance+ geringer tracking error- nur wenige besser als Index
Dauer der Outperformance+ geringer tracking error- nur sehr wenige besser als Index über 3 Jahre
Chance zur Outperformance- keine+ möglich
Liquidität/Handelbarkeit+ intra-day- 1x täglich
Transparenz+ Alle Positionen bekannt- Nur 4x im Jahr Liste der Top Holdings veröffentlicht

Die Frage der enttäuschenden Performance der meisten aktiven Fonds verdient eine besondere Betrachtung, schliesslich verleitet die (naïve) Annahme “Fondsmanager sind Profis” zur Vermutung, dass die Mehrheit doch den ‘Markt’ (d.h. einen Vergleichsindex wie den DAX oder Dow Jones) übertreffen sollte. Aber eine wissenschaftliche Studie nach der anderen zeigt das gleiche traurige Bild: im Schnitt sind ¾ der aktiv gemanagten Fonds SCHLECHTER als der Vergleichsindex. Schlimmer, von den erfolgreichen Fondsmanagern eines Jahres verbleiben weniger als 5% unter dem besten Viertel in den zwei Folgejahren (siehe Studien in Anhang)

Die Ursachen für die enttäuschende Performance ist im wesentlichen in den folgenden zewi Punkten zu finden

  • Die Gesamtheit aller Fonds ist schlussendlich der ‘Markt’. Aber Fonds verursachen Kosten wie Trading und Verwaltungsgebühren, z.B. für die Fondsgeschäftsführung, das Portfoliomanagement, Wirtschaftsprüfer und Betriebskosten, sowie sonstige Gebühren wie Depotbankgebühren. Zieht man diese Kosten ab, bleibt einem zwangsläufig weniger als die Marktrendite. Schätzungen zufolge betragen die Kosten für aktives Management ca. 2% pro Jahr (dazu kommen nochmals die Vertriebskosten, die die Endkunden tragen wie Ausgabeaufschlag und zunehmend eine erfolgsabhängige Vergütung).
  • Aufgrund des Karriererisikos des Fondsmanagers sind viele Fonds dem Index sehr ähnlich. Dadurch ist ein grösseres Scheitern ausgeschlossen, genauso aber auch wie eine bessere Performance (insbesondere nach Abzug der Kosten).

Wegen der unbestreitbaren Kosten- und Performancevorteile vertritt Ipanema Capital die Meinung: ETFs so weit wie möglich, aktive Fonds so wenig wie nötig. Als Konsequenz ergibt sich daraus eine Core-Satellite-Strategie. Dabei wird das Portfolio aufgeteilt in eine passiv gemanagte Kernkomponente und eine Satellitenkomponente, die aus einem oder mehreren Positionen mit sehr aktiven Fondsmanagern besteht. Das genaue Verhältnis zwischen Kern und Satelliten im Depot ergibt sich aus Ihrer Risikoneigung.

Aber wir sind nicht dogmatisch. Es gibt viele Fälle, wo aktives Fondsmanagement Sinn machen kann:

  1. Segmente im Kapitalmarkt, die nicht sehr effizient sind und wo sich aktives Fondsmanagement lohnen kann. Beispiel High Yield Anleihen und Schwellenländer Aktien.
  2. ETF sind meistens, aber eben nicht immer kostengünstiger als aktive Fonds. High Yield ETFs zum Beispiel kosten mindestens 0,5% p.a. Dazu muss man noch die Preisspanne zwischen Ankauf und Verkauf rechnen, so dass die ETF Gesamtkosten hier bei mindestens 0,7% liegen.
  3. Fonds mit viel Freiheit bei Anlageentscheidungen (keine Benchmarkorientierung), gutem langfristigen track record und überzeugendem Investmentprozess. Leider einfacher gesagt als getan, weil gerade in Europa die Fondsmanager sehr häufig die Fondsgesellschaft wechseln.
  4. Die Benchmark auf dem ein ETF aufbaut, macht manchmal wenig Sinn. Beispiel: Im Index für Brasilien ‘Ibovespa’ sind fast 40% des Index in 2 Unternehmen aus dem volatilen exportorientierten Rohstoffsektor; in Anleihe Benchmarks dominieren häufig Durationsrisiken
  5. Strategien, die von ETFs nicht abgedeckt werden wie z.B. globale Wachstumsaktien oder vermögensverwaltende Fonds.

Die Frage „aktives Fondsmanagement“ oder billiger passiver Index-ETF ist wichtig, aber Anleger dürfen darüber ein übergeordnetes Problem nicht vergessen – nämlich ob die Anleger die richtige Strategie gewählt haben um langfristig investiert zu bleiben. Zuviele Anleger reagieren kurzfristig und emotional, d.h. sie verkaufen ein Investment, wenn die Performance zuletzt enttäuschte und kaufen ein Investment, dass zuletzt gut gelaufen ist. Folge: hohe Handelskosten, man rennt dem letzten Trend hinterher und verfolgt keine konsequente Strategie. Bevor das Problem „aktiv oder passiv“ gelöst wird, sollten sich viele Anleger überlegen, ob sie überhaupt eine passende Anlagestrategie haben und die Disziplin, diese umzusetzen.

Wir helfen Ihnen gerne weiter – Sie können uns erreichen unter info@ipanema-capital.com.

Der Autor betreute viele Jahre in London und Hong Kong aktive Fondsmanager.

Quellen:
http://blog.newconstructs.com/wp-content/uploads/2013/07/spiva-us-year-end-2012.pdf
http://blog.newconstructs.com/wp-content/uploads/2013/07/persistence-scorecard-july-2013.pdf
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/aktive-versus-passive-fonds-fondsmanager-sind-faul-12204703.html

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen.