Research

Ratschläge zur Geldanlage
December 20, 2016

Ausblick auf 2017

Nachdem unsere Analyse zur Bedeutung der Wahl Donald Trumps viel Diskussionen ausgelöst hat, wollen wir hier unseren darauf aufbauenden Ausblick für 2017 geben. Wir gehen von einen Paradigmenwechsel aus – also Änderungen in der Anlagelandschaft, die weit über das aktuelle Jahr hinausgehen. Einige der Trends waren bereits vor der US Präsidentschaftswahl im Gange, aber Donald Trumps Wirtschaftspolitik beschleunigt den Veränderungsprozess. Die Quintessenz ist eine wieder ansteigende Inflationsrate und höhere Zinsen. Dies ist aber eine andere Welt, als diejenige, die Anleger in den letzten beiden Jahrzehnten gewohnt waren.

Hier sind unsere 10 wichtigsten Punkte:

  1. Die Regierungen in den USA, UK, Japan und Kanada (weniger in Europa) verabschieden sich von der Sparpolitik und wenden sich einer expansiveren Fiskalpolitik zu. Folge: die Wirtschaft in diesen Ländern wird, zumindest in 2017, stärker wachsen als noch vor kurzer Zeit angenommen.
  2. Da sich die USA bereits in einem fortgeschrittenen Stadium des Wirtschaftszyklus befindet, mit niedriger Arbeitslosigkeit und nahezu voller Kapazitätsauslastung, wird die expansive Fiskalpolitik einen Anstieg der Inflationsrate bewirken. Die Geldpolitik wird (zumindest in den USA) weniger locker sein und die kurzfristigen Zinsen werden sukzessive angehoben.
  3. Der Populismus breitet sich weiter aus. Das bedeutet ein Zurückdrehen der Globalisierung und damit weniger Immigration und weniger Freihandel.
  4. Die Kombination von strikterer Geldpolitik, expansiver Fiskalpolitik und Populismus bedeutet ein vorläufiges Ende des jahrzehntelangen Bull-Markts in Anleihen. Die Zinsen am langen Ende werden weiter steigen, Anleihepreise werden weiter unter Druck bleiben.
  5. Der Wirtschaftszyklus wird stärker, aber kürzer. Damit ist gemeint, dass das Wirtschaftswachstum in 2017 höher als erwartet ausfallen wird, aber die US Notenbank wird dafür auch früher wieder auf die Bremse treten müssen.
  6. Bei den Aktien werden die Gewinner der letzten Jahre die Verlierer der nächsten Jahre sein. Konkret heißt das, dass Anleger bei den bisher so beliebten „Qualitätsaktien“, Dividendenaktien und “low-volatility” Aktien vorsichtig sein sollten. Eine gute Vergangenheitsperformance ist irreführend als Auswahlkriterium, wenn ein Paradigmenwechsel stattfindet. Wir befinden uns im Übergang zur letzten Phase dieses Börsenzyklus und hier sollte der Schwerpunkt auf anderen Sektoren und Faktoren liegen als während der ersten 8 Jahre.
  7. Unternehmensanleihen werden zwar durch höhere Zinsen unter Druck kommen, aber kurzfristig erfahren sie eine Unterstützung durch einen weiterhin günstigen Kreditausfallzyklus.
  8. Der Aufwertungsdruck des US Dollar bleibt bestehen. Expansive Fiskalpolitik und striktere Geldpolitik waren in der Vergangenheit Auslöser einer starken Währung. Kann sich noch jemand an die starke D-Mark nach dem Mauerfall erinnern, als hohe Staatsausgaben für den Osten der Republik von steigenden Zinsen begleitet waren? Die Vorzeichen für den US Dollar sind heute ähnlich.
  9. Schwellenländeranlagen sind zwar günstig bewertet, aber historisch bot ein starker US Dollar ein schwieriges Umfeld. Außerdem ist unklar, wie sehr Donald Trump seine Drohungen zur Einschränkung des Freihandels wahrmachen wird. Trumps wiederholt kritische Töne auch nach der Wahl an die Adresse Chinas lassen einen deutlichen Richtungswechsel in der Handelspolitik befürchten. Chinas relative Stärke wird überbetont – ein Land mit derart hohem Handelsüberschuss und Verschuldung ist verletztlich. Ein Weniger an Freihandel wir allen schaden, aber es wird China mehr schaden als den USA.
  10. Gibt es überhaupt noch Optimisten für die Zukunft Europas? Es fällt schwer an das Überleben des Euros und den Zusammenhalt der EU zu glauben angesichts abnehmenden politischen Willens und weiter zunehmender Zentrifugalkräfte. So berechtigt die Zweifel langfristig sind, so sehr darf man jedoch nicht übersehen, dass sich Europa aktuell in einem zyklischen Aufschwung befindet. Man hört fast nur schlechte Nachrichten, aber wussten Sie, dass Ende 2016 die Eurozone die niedrigste Arbeitslosenquote seit 7 Jahren zu verzeichnen hatte? Europa weist ebenfalls einen großen Handelsüberschuss mit den USA auf und wird damit von der stärkeren Erholung der amerikanischen Wirtschaft profitieren. Die europäischen Aktienindizes haben zudem eine hohe Gewichtung im Finanzsektor, sowie im Industrie- und Materialsektor – genau diese Sektoren sind historisch in Zeiten steigender Inflation, Zinsen und Wachstum gut gelaufen. Auch in 2017 wird Angst kein guter Ratgeber sein.

 

Wir wünschen unseren Lesern frohe und entspannte Weihnachten und
ein gesundes, produktives und kreatives Jahr 2017!

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