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Ratschläge zur Geldanlage
May 16, 2017

Das Aktienrisiko richtig einschätzen

Auch wenn zunehmend Privatanleger die Notwendigkeit von Aktien als Teil einer langfristigen Vermögensanlage akzeptieren, so ist dennoch die Sorge vor einem Crash stets präsent. Dies ist verständlich und man sollte das Risiko auch nicht kleinreden. Doch statt mit trockenen Zahlen für oder gegen Aktien zu argumentieren, wollen wir hier einfach graphisch zeigen, wie groß die Verlustphasen relativ zu den Gewinnphasen in der Vergangenheit waren. Manchmal sagen Bilder mehr als 1000 Worte…

Was ist wichtiger – Ausnahme oder Regel?

Die folgende Graphik zeigt die Gewinnphasen (blau) des US Aktienmarktes von 1903 bis 2016 im Vergleich zu den Verlustphasen (orange). Verlustphasen im Sinne eines Crashs liegen vor, wenn Aktien mehr als 20% verlieren.

USA2

Nehmen wir den letzten Crash von 2008/2009: Aktien fielen um 49%. Fürwahr ein dramatisches, wenn nicht gar traumatisches Erlebnis!

Aber wenn wir uns die Graphik in ihrer Gesamtheit ansehen, dann verblasst der Crash von 2008/2009 relativ zu den Gewinnphasen. Es wird deutlich, dass die blauen Gewinnphasen die orangenen Verlustphasen weit überwiegen:

  • der durchschnittliche Börsenaufschwung dauerte 8,1 Jahre und stieg um 387%
  • der durchschnittliche Börsencrash dauerte 1,5 Jahre und endete mit einem Verlust von 35%

Blau ist auch die Farbe Europas

Aber ist die USA eine Ausnahme? Wie sieht das Bild in Großbritannien und Kontinentaleuropa aus? Die Daten reichen nicht so lange zurück, aber grundsätzlich ist das Ergebnis ähnlich… die Gewinnphasen / blau überwiegen auch hier.

UK2

Europe ex UK2

Was lernen wir daraus?

Nur 14% aller Deutschen besitzen Aktien bzw. Aktienfonds. In den USA liegt die Zahl bei über 50%. Vor dem Hintergrund der Nullzinslandschaft läßt sich die Frage der Altersvorsorge aber nicht zufriendenstellend ohne ein Aktienengagement beantworten. Daher vielleicht hier noch einmal die 5 wichtigsten Erkenntnisse zum Thema Aktienrisiko zusammengefasst:

  1. Langfristig überwiegen bei Aktien die Gewinnphasen die Verlustphasen deutlich
  2. Aktiencrashs kommen immer wieder vor – aber sie sind dennoch die Ausnahme
  3. Die Angst vor einer Korrektur ist damit zwar verständlich, aber die wirkliche Gefahr für Anleger besteht doch darin, an einer Aufschwungphase nicht zu partizipieren
  4. Niemand kann zuverlässig jeden Kurseinbruch vorhersagen. Diversifikation mit Anleihen ist dabei der einzig vernünftige Weg, um die Volatilität im Depot auf das gewünschte Maß zu reduzieren. Die richtige Aufteilung des Gesamtvermögens in die Anlageklassen Aktien und Anleihen ist daher DIE zentrale Entscheidung bei der Vermögensplanung.
  5. Aktien sind für Anleger mit einem kurz-bis mittelfristigen Anlagehorizont (unter 3-5 Jahren) ungeeignet, da es meistens ein paar Jahre dauert, bis die Verluste aus einer Korrektur am Aktienmarkt wieder aufgeholt werden