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Ratschläge zur Geldanlage
September 15, 2014

Deutsche Staatsanleihen bei 1% – was bedeutet dies für den Anleiheanteil im Depot?

Deutsche Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit fielen im August und im September 2014 auf ein nie dagewesenes Tief von unter 1%. Zeit sich über die Gewichtung von Staatsanleihen im Portfolio Gedanken zu machen. Hier betrachten wir drei Aspekte:

(1) Bewertung: Nach Inflation, Steuern und Transaktionskosten ist die Rendite einer 10 jährigen deutschen Staatsanleihe, die bis Laufzeitende gehalten wird, wahrscheinlich negativ.

(2) Zukünftige Portfoliorendite: Ein ausgewogenes Depot mit 50% Aktien und 50% deutschen Staatsanleihen wird in der Zukunft eine deutlich niedrigere Rendite aufweisen als in der Vergangenheit. Wenn deutsche Staatsanleihen nur noch 1% Rendite bieten, dann wird die wahrscheinliche Gesamtrendite eines 50/50 Portfolios auch nur noch bei ca. 3-4% pro Jahr liegen können. Anleger, die eine höhere Wertsteigerung anstreben, sollten daher von Standardportfolios Abschied nehmen und gerade bei bisher populären Mischfonds Änderungen vornehmen.

(3) Portfoliokonstruktion: Der optimale Anleiheanteil im Portfolio ist heute nach unserer Meinung geringer als gemeinhin angenommen wird. Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass Anleihen stets eine sinnvolle Diversifikation darstellen. Es wird allgemein davon ausgegangen, dass Anleihekurse steigen wenn Aktien fallen. Diese Annahme war zwar in den letzten Jahren korrekt, aber es stimmt eben nicht über längere Zeiträume! Von 1966 bis 1997 war genau schon einmal das Gegenteil der Fall. So sind in diesem Zeitraum Aktien und Anleihen zusammen gestiegen bzw. gefallen. Wir halten eine Rückkehr in ein Szenario wie 1966 bis 1997 für möglich und in diesem Falle sollte der Anteil von Anleihen in einem effizienten Portfolio deutlich geringer sein.

Wie sich ein attraktives Portfolio zusammenstellen lässt, das auf genau Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist, erklären wir Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch. Sie können uns erreichen unter info@ipanema-capital.com

Interessiert an mehr Informationen zu diesem Thema? Es folgt eine ausführlichere Erläuterung zu den drei oben genannten Punkten.

Bewertung: woher, wohin?
Zu Beginn des Jahres lag die Verzinsung einer 10 jährigen deutschen Staatsanleihe noch bei 1,9%. Am 1. September fiel die Rendite auf nur noch 0,88%. Die meisten Marktkommentatoren wie die Analysten der Deutschen Bank, Commerzbank, etc. sind für dieses Jahr von steigenden Zinsen ausgegangen. Aber auch wir sind zugegebenermaßen von dieser Bewegung überrascht, hatten wir doch zuletzt am 18. Juni (siehe hier) noch bei 1,4% Rendite deutsche Staatsanleihen für unattraktiv befunden. Wer daran zweifelt, dass die Zinsen noch weiter fallen könnten, muss sich aber nur die Schweiz oder Japan ansehen, wo 10 jährige Staatsanleihen im August bei 0,5% notierten.

Dennoch halten wir das Rendite-Risiko Profil weiterhin für asymmetrisch, d.h. wenig attraktiv. Als Privatanleger muss man noch Inflation (1%), Steuern (25% + Soli) und Transaktionskosten abziehen um auf die wirkliche Nettorendite zu kommen, die dann in den meisten Fällen wohl im negativen Bereich liegen wird. Ob deutsche Staatsanleihen noch ein geeigneter Baustein zum Vermögenserhalt darstellen, ist damit fragwürdig – von einer Vermögensmehrung ganz zu schweigen.

Bund 10y - Stand 2014 09 12

Zukünftige Portfoliorenditen
Ein traditionelles, ausgewogenes Portfolio besteht aus 50% Anleihen und 50% Aktien. Nimmt man die optimistische Annahme an, dass deutsche Aktien das gleiche wie in den letzten >100 Jahren rentieren (8%) und setzt 1% für Anleihen an, dann erhält man nur 4,5%. D.h. ein Portfolio, das ein Großteil der meist aktienscheuen Deutschen wohl als riskant ansehen würde, bietet nur eine bescheidene langfristige Gesamtrendite.

Die verwendete Aktienrendite würden wir jedoch anzweifeln. Die richtige Vorgehensweise wäre nicht die Renditen der letzten 100 Jahre zu nehmen, sondern zu sehen, um wieviel in der Vergangenheit Aktien Anleihen übertroffen haben (die sog. Risikoprämie). Nimmt man die historische Prämie von Aktien zu Staatsanleihen von 5,3% in Deutschland (1900-2013), dann kommt man heute nur auf 6,3% erwartete zukünftige Aktienrendite und 3,7 % Gesamtportfoliorendite für ein 50/50 Depot, weil 1% x 50% + 6,3% x 50% = 3,7% . Vor Steuern, Inflation und Kosten wohlgemerkt.

Daraus folgt: man darf die Vergangenheitsrenditen nicht in die Zukunft fortschreiben. Die zukünftigen Renditen eines 50/50 Portfolios werden deutlich niedriger sein. Wer eine höhere Rendite sucht, muss von diesem traditionellen Portfolio Abstand nehmen. Wir zeigen Ihnen gerne wie.

Portfoliokonstruktion – Anleihen richtig einsetzen
Anleihen haben 2 Funktionen in einem Portfolio. Rendite und Stabilität. Die Rendite von Staatsanleihen ist wie oben gezeigt in einem Bereich angelangt, den man inzwischen fast als „vernachlässigbar“ bezeichnen kann. Was bleibt also von der 2. Funktion von Anleihen? Ein Anleger nimmt Anleihen in sein Portfolio auf, weil er sich davon Stabilität verspricht. Dies basiert auf der Annahme, dass Anleihen sich unabhängig vom Aktienmarkt entwickeln. Gemeint damit ist, dass Anleihen steigen wenn Aktien fallen (und umgekehrt). Mathematiker reden hier von Korrelation – also dass Anleihen negativ mit Aktien korreliert sind. So oder so ähnlich steht es in vielen Werbebroschüren für Investmentprodukte. Nur leider ist es falsch. Die Korrelation von Anleihen und Aktien ist im Zeitablauf nämlich nicht stabil. Es gibt Zeiten, wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig steigen bzw. fallen und es gibt Zeiten, wenn sie sich unterschiedlich entwickeln. Die folgende Graphik zeigt, dass die Korrelation zwischen 1966 bis 1997 positiv war und von 1998 bis 2014 negativ.

Correlation DB 2

Die Folgen für die Portfoliokonstruktion sind immens, wenn sich die Korrelation wieder ändern sollte. Wenn Anleihen und Aktien wieder positiv korreliert sein werden, wie es ja bereits von 1966-1997 einmal der Fall war, dann ist ein 50/50 Portfolio viel riskanter als Anleger gemeinhin denken. Anleihen würden dann deutlich weniger Portfoliodiversifikation bieten als in der jüngsten Vergangenheit.

Analysen haben gezeigt, dass der optimale Anleiheanteil um 10% fallen sollte, wenn die Korrelation auf 0 steigt und sogar um 25 Prozentpunkten wenn die Korrelation wieder auf 0,40 steigt.

Risk adjusted efficient portfolio

Warum sollte die Korrelation wieder steigen? Weil wir für 2014/2015 die gleichen Entwicklungen erwarten, die bereits einmal in 2003-2007 zu beobachten waren – damals kam es auch zu einer steigenden Korrelation:

  • Wirtschaftliche Erholung in den USA
  • Fallende Arbeitslosenzahlen in den USA
  • Zinswende in den USA (Ende QE3 in 2014 und langsam steigende Zinsen in 2015)

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