Research

Ratschläge zur Geldanlage
January 11, 2017

Die 3 interessantesten Studien für Anleger

Gerade die Finanzbranche lebt davon, komplexe Themen mit einfach verständlichen Stories zu ersetzen. Das typische Beratungsgespräch dauert nur wenige Minuten und da scheinen detaillierte Zahlen erstmal hinderlich. Verkauft wird in der Finanzbranche leider nur zu oft über Emotionen und Storytelling.

Wir wollen hier einen Kontrastpunkt setzen. Wer statt Geschichten lieber Fakten hört, der wird vielleicht an den folgenden drei wissenschaftlichen Studien Interesse finden. Für uns waren diese drei Studien die Highlights in 2016. Wer sich nur die Zusammenfassung durchliest, wird bereits ein besseres Verständnis vom Anlegen gewinnen. Wer ein weiterführendes Interesse an den Themen hat, kann im Link das Originaldokument einsehen oder einfach mit uns darüber sprechen.

1. ETF sind schlecht für Anleger

Ergebnis der Studie: Bei fast 8.000 Privatanlegern in Deutschland wurde untersucht, wie sich die Verwendung von kostengünstigen Indexfonds (ETF) auf die Performance auswirkte. Die Studie zeigte, dass Anleger mit ETF durchschnittlich pro Jahr um ca. 1-2% schlechter abschnitten als Anleger ohne ETF.

Was das für Sie bedeutet: Nachdem Warren Buffett und auch wir ständig Indexfonds (ETF) als optimalen Grundbaustein für die Geldanlage herausstellen, sollen auf einmal ETF schlecht für Anleger sein? Ja, denn es kommt beim Anlegen nicht primär auf die Produkte an, sondern auf das Verhalten! Die Studie hat gezeigt, dass Privatanleger bei ETF zwei Kardinalfehler begehen. Zum einen wird planlos ständig gekauft und verkauft und zum anderen wählen Anleger ETF mit zu geringer Diversifikation (wir haben hierzu bereits in der Vergangenheit etwas geschrieben). Do-it-Yourself funktioniert leider bei den meisten Privatanlagern nicht, selbst wenn Anleger auf optimale Produkte wie ETF zurückgreifen können. ETF steht für ‘Exchange Traded Fund’, leider wird es von vielen Privatanlegern als ‘Excessively Traded Fund’ missverstanden, wenn nicht gar missbraucht. Wer keine langfristige Strategie für sein Vermögen besitzt, der wird auch mit ETF nicht glücklich werden.

Link zur Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2022442

2. Kleine Fonds sind besser als große Fonds

Ergebnis der Studie: die Performance von Fonds ist besser, je kleiner die Fonds sind. Die Studie analysierte 16.000 Fonds in 35 Ländern über 25 Jahre.

Was das für Sie bedeutet: Berater empfehlen gerne Fonds Flaggschiffe. Damit gehen die Berater scheinbar weniger Risiken ein und die Produkte sind bekannt. Leider ist die Performance hier in den meisten Fällen enttäuschend. Anleger täten im Interesse Ihrer zukünftigen Performance gut daran, die Megafonds kritisch zu betrachten. Kleine Fonds haben Vorteile! Aber Privatanleger sollten nur kleinere Fondsprodukte wählen, wenn Sie sich hier auskennen. Wer sich aber mit der Fondsanalyse nicht ständig beschäftigt – und ganz ehrlich, das gilt wohl für fast jeden Privatanleger – der ist mit breit diversifizierten Indexfonds besser bedient.

Link zur Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2801930

3. Fluch des Gewinners

Ergebnis der Studie: Fondsmanager, die bei Morningstar den begehrten Preis „Fondsmanager des Jahres“ gewinnen, weisen in den darauffolgenden Jahren eine enttäuschende Performance auf.

Was das für Sie bedeutet: Seien Sie bei der Werbung der Finanzbranche generell vorsichtig. Titel wie „Fondsmanager des Jahres“ hören sich zunächst einmal toll an, aber sie spiegeln sich nicht in besseren zukünftigen Resultaten wider. Genauso verhält es sich beim Verweis auf die 3 Jahresperformance – in letzter Konsequenz heißt dies doch oft nichts anderes, als dass die Anlagen im Fonds inzwischen teuer sind.

Link zur Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2732363

 

… wie es der Titel verspricht, wollten wir es eigentlich bei 3 Studien belassen. Aber wir können dennoch nicht einen Hinweis auf eine weitere Untersuchung unterlassen. Die folgende Studie vom Dezember mag humorvoll klingen, hat aber einen ernsthaften Hintergrund. Viel Spaß!

4. Fondsmanager, die einen Sportwagen fahren, haben eine schlechtere Performance

Ergebnis der Studie: Fondsmanager, die einen Sportwagen fahren, gehen in ihrem Fonds auch höhere Risiken ein. Die höheren Risiken führen aber in den meisten Fällen nicht zu besserer Performance. Im Gegensatz dazu haben Fondsmanager, die einen Minivan fahren, eine niedrigere Volatilität im Fonds.

Was das für Sie bedeutet: Können Sie sich noch an die Anlage-Betrüger von S&K erinnern, die sich gerne vor teuren Sportwagen fotografieren liesen? Man sollte natürlich nicht alles verallgemeinern, aber die Studie sagt im Kern, dass die Wahl des Autos ein weiteres Persönlichkeitsmerkmal darstellt, das einen statistisch nachprüfbaren Zusammenhang mit der Performance und dem Risiko des Fonds hat.

Link zur Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2882983

 

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