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Ratschläge zur Geldanlage
April 6, 2017

Die Rolle von ETF in der Vermögensverwaltung

Noch immer scheuen viele Anlageberater Indexfonds (ETF) wie der Teufel das Weihwasser. Wer aber immer nur die gleichen traditionellen Fondsprodukte wie schon in der Vergangenheit empfiehlt, trotz deren objektiver Schwächen, der wird zum Teil des Anlageproblems statt zur Lösung der Anleger beizutragen. Die Vorteile von Indexfonds gegenüber traditionellen aktiv gemanagten Fonds sind unbestreitbar:

  • ETF weisen eine bessere langfristige Performance als die Mehrheit der aktiven Fonds auf
  • ETF haben niedrigere Kosten
  • ETF bieten eine größere Transparenz (Inhalt zu 100% bekannt)

Beratungsqualität leidet unter falschem Bezahlmodell

Der Grund für die Verweigerungshaltung der Branche gegenüber ETF ist einfach: ETF Anbieter zahlen keine Provisionen an den Berater. ETF-Verweigerer stellen damit aber ihre finanziellen Interessen über die des Kunden. Anleger, die Fondsprodukte mit hohen Provisionen kaufen, sollten sich ernsthaft fragen, wem diese traditionellen Fonds mehr nutzen – ihnen oder doch dem Vertrieb?

Warum Anlagen wählen mit nur 1% Erfolgschance?

Ich verwende für meine private Geldanlage und die meiner Familie selbst hauptsächlich ETFs. Ich arbeitete 15 Jahre in London und Hongkong in einer globalen Investmentbank und konnte direkt sehen was wirklich funktioniert und was nicht. Die Vorteile von ETF sind eindeutig (wie hier und hier und hier mehrfach beschrieben) – es ist daher selbstverständlich, dass wir für Kunden die Vermögensverwaltung im Wesentlichen auf ETF aufbauen. Vielleicht machen folgende zwei Beispiele unsere Entscheidung deutlicher: über die letzten zehn Jahre entwickelten sich 98,3% der aktiv verwalteten globalen Aktienfonds schlechter als der enstprechende Vergleichsindex. Bei US Aktienfonds waren sogar 99,2% der aktiv gemanagten Fonds schlechter als der Index. Bei Anleihefonds sieht es übrigens nicht viel besser aus.

Berater und aktiv gemanagte Mischfonds – keine gute Kombination?

Die Realität der Finanzberatung in Deutschland sieht leider in den meisten Fällen so aus: „Berater“ – oder sollte man nicht besser Verkäufer sagen? – vermitteln ihren Kunden hauptsächlich aktiv gemanagte Mischfonds. 8 der 10 größten Fonds in Deutschland sind daher Mischfonds. Doch dies ist eine extrem unbefriedigende Lösung aus Kundensicht. Zum einen ist die Performance der meisten Mischfonds enttäuschend relativ zu einem einfachen 50:50 Aktien:Anleihe ETF Portfolio, wie der folgende aktuelle Vergleich von Morningstar zeigt (weitere Informationen zu diesem Thema auch hier):

MStar 2

Zum anderen geben Berater, die Mischfonds empfehlen, damit die Verantwortung über die Vermögensaufteilung ab. Jede wissenschaftliche Studie zum Thema Anlegen kommt aber zum gleichen Ergebnis: die richtige Vermögensaufteilung (neudeutsch „asset allocation“) ist für über 80% der langfristigen Portfolioperformance verantwortlich. Der Wert eines guten Beraters bemisst sich also danach, wie optimal er die persönlichen Ziele eines Kunden in einen Portfoliokontext übersetzt. Wer jedoch als Berater Mischfonds empfiehlt, der verliert die Kontrolle über die Vermögensaufteilung und macht damit nur deutlich, dass er eigentlich wenig zur Problemlösung der Anleger beizutragen hat.

Zusammenfassung

Wer für sich selbst anlegt oder einen Berater bzw. Vermögensverwalter zu Hilfe nimmt, der sollte im eigenen Interesse darauf achten, dass ETF als Grundbausteine der Geldanlage Verwendung finden. Wie wir bei der ETF Auswahl vorgehen, erläutern wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch.