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Ratschläge zur Geldanlage
March 15, 2016

Die unerwarteten Lehren aus den Anlagestrategien von US Uni-Stiftungen

Welcher Privatanleger träumt nicht davon, die Anlagestrategien von milliardenschweren Stiftungsfonds amerikanischer Elite-Universitäten wie Yale, Harvard oder Stanford nachzuahmen? Doch diese können sich ein Heer von exzellenten Mitarbeitern leisten und haben Zugang zu Anlagen, die den meisten Privatanlegern verwehrt bleiben. Die WirtschaftsWoche schrieb dazu „Die Vermögensverwalter der Universitätsstiftungen sind seit langem dafür bekannt, mit ihrem Anlagemix überdurchschnittlich hohe und vor allem ungewöhnlich zuverlässige Renditen zu erzielen – selbst dann, wenn die Kapitalmärkte von Krisen gebeutelt werden.“ (1)

Angesichts dieser Lobpreisung werden viele Privatanleger verzweifeln… Doch VORSICHT – Anleger sollten sich nicht von großen Namen beeindrucken lassen. Vor allem sollten Anleger aufhören, an Märchen zu glauben, wenn doch die Fakten das Gegenteil zeigen. Denn die Wahrheit sieht ganz anders aus: Privatanleger können mit einfachsten Mitteln die gleichen Renditen oder oft sogar bessere Renditen erzielen als der Durchschnitt der berühmten Stiftungsfonds. Wir zeigen Ihnen hier wie.

Realität versus Hype

Jedes Jahr veröffentlicht die Vereinigung der US Uni-Stiftungen die Performancezahlen. (2) Privatanleger können also schwarz-auf-weiß nachprüfen, wie gut das Vermögen wirklich investiert wurde. In der folgenden Tabelle werden die 5 und 10 Jahres-Performancezahlen der US Uni-Stiftungsfonds nach Größte aufgelistet. Am Ende der Tabelle befindet sich ein einfaches Portfolio zum Vergleich, das nur aus drei Publikumsfonds des größten US Fondsmanagers Vanguard besteht (40% US Aktien, 20% Aktien außerhalb der USA und 40% Anleihen). (3)

Ergebnis:

  • Über die letzten 5 Jahre hätte ein einfaches Portfolio von Publikumsfonds, dass von US Privatanlegern gekauft werden kann, die US Stiftungen leicht übertroffen
  • Über die letzten 10 Jahre hätte das einfache Portfolio alle geschlagen bis auf die größten Stiftungen (mehr als $1Mrd Vermögen). Der Unterschied ist aber dennoch klein mit nur 0,4% pro Jahr
Größe des Stiftungsvermögens5 Jahresperformance10 Jahresperformance
> $1 Mrd10,4%7,2%
$501Mio - $1Mrd9,9%6,7%
$101Mio - $500Mio9,5%6,2%
$51Mio - $100Mio9,4%5,9%
$25Mio - $50Mio9,8%5,6%
Unter $25Mio10,6%6,0%
Vanguard Publikumsfonds10,7%6,8%

Was der Vergleich zeigen sollte

Für Privatanleger ergeben sich folgende Schlussfolgerungen

  1. Privatanleger können ähnliche Ergebnisse wie die großen Stiftungen erzielen. Profis haben eigentlich kaum noch Vorteile – so investieren diese stark in alternativen illiquiden Anlagen und liegen dennoch oft hinter dem Ergebnis einfacher Publikumsfonds, die täglich handelbar sind. Im Anlagegeschäft gibt es heute derart viel Konkurrenz, dass es selbst den besten Anlegern der Welt immer schwerer fällt, nach Kosten den Aktienmarkt über längere Zeit zu schlagen. Selbst einem berühmten Anleger wie Warren Buffett gelingt dies immer seltener (siehe hier).
  2. Privatanleger sollten gegenüber den Medien kritischer sein. Es gibt keine Geheimrezepte beim Anlegen. Es gibt keine Abkürzungen. Aussagen wie von der WiWo, wonach die Uni-Stiftungen zuverlässige Resultate selbst in Krisenzeiten erbringen könnten, sind nicht nur irreführend, sondern falsch. In der Finanzkrise, also von Mitte 2008 bis Mitte 2009 betrug der durchschnittliche Verlust der Uni-Stiftungen -18,7%. (4)
  3. Weniger ist mehr: Aktien und Anleihen (evtl. noch Immobilien) sind als Vermögensanlagen ausreichend. Finger weg von Rohstoffen, geschlossenen Fonds und sonstigen undurchsichtigen Anlagen. Exotische Anlageprodukte mit hohen Gebühren sind unnötig für Privatanleger und dienen nur dazu, dem Finanzvertrieb die Taschen zu füllen.
  4. Der Weg zum Anlegeerfolg ist recht prosaisch: persönliche Ziele definieren, den Anlagemix danach ausrichten, Kosten niedrig halten und schließlich Emotionen außen vor lassen. Das hört sich einfach an, ist aber alles andere als leicht, denn welcher Anleger hatte nicht während der Börsenturbulenzen im Januar und Februar daran gedacht Teile seines Depots zu verkaufen?

Ist Ihre Vermögensaufstellung geeignet, die gleichen Ergebnisse zu erzielen? 

Für die meisten Privatanleger wären die langfristigen Renditen der US-Stiftungen höchst erstrebenswert. Wie dieser Artikel zeigen sollte, können auch Privatanleger auf ähnliche Ergebnisse kommen. Doch in den meisten Fällen weicht die Anlagestrategie weit vom Optimum ab. Wir zeigen Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch, wie Sie Ihr Vermögen besser anlegen können.

 

Quellen:

(1) http://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/anlagestrategie-der-us-eliteunis-viel-geld-viel-risiko/11388748-1.html

(2) http://www.nacubo.org/Research/NACUBO-Commonfund_Study_of_Endowments/Public_NCSE_Tables.html

(3) http://awealthofcommonsense.com/2016/02/bogle-vs-golitath/  -> eigentlich ist der Vergleich nicht ganz korrekt, denn das Vergleichsportfolio bestehend aus drei Vanguard Publikumsfonds ist mit 60% Aktien und 40% Anleihen relativ defensiv aufgestellt gegenüber der typischen Asset Allocation einer US Uni-Stiftung, wo die Verteilung eher 80% zu 20% beträgt. D.h. bei einer wirklich übereinstimmenden Asset Allocation würde der Renditevorteil des Vanguard Portfolios noch einmal deutlich höher sein und die Leistung der vielgerühmten Stiftungsfonds in einem noch schlechteren Licht erscheinen lassen.

(4) http://www.nacubo.org/Documents/EventsandPrograms/2013EMF/NACUBO-CommonfundSurveyReview.pdf

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