Research

Ratschläge zur Geldanlage
October 25, 2016

Die wichtigste Nachricht für Anleger in diesem Monat

Anlegen ist kein Buch mit sieben Siegeln. Großanleger wie Pensionskassen zeigen seit Jahren, wie man nach modernen Maßstäben erfolgreich vorgeht. Wenn also der größte Staatsfonds der Welt, mit fast €800 Mrd. an verwalteten Geldern, daran denkt, seine Anlagestrategie zu ändern, ja, dann sollten Privatanleger vielleicht hellhörig werden.

Auswege aus dem Nullzinsumfeld

Ich hatte selbst 15 Jahre bei Credit Suisse in London und Hongkong Großanleger betreut und dabei sehen können, was funktioniert und was nicht. Der Staatliche Pensionsfonds Norwegens ist der größte Anleger der Welt und nach meinem Dafürhalten auch einer der am besten gemanagten Fonds. Daher verwenden wir für Kunden deren Anlagestrategie als Ausgangspunkt: wer deutlich davon abweicht, ohne triftige Gründe, der macht wahrscheinlich etwas falsch.

In den Medien wurde am 18. Oktober 2016 berichtet, dass ein möglicher Strategiewechsel bevorsteht. Die Regierung Norwegens hatte eine Kommission beauftragt, sich darüber Gedanken zu machen, wie der Fonds in Zukunft aufgestellt werden sollte, um auch im Niedrigzinsumfeld noch attraktive Renditen zu erzielen. Die wichtigste Empfehlung der Kommission war den Aktienanteil von derzeit ca. 60% auf 70% anzuheben und im Gegenzug den Anleiheanteil zu verringern.

Die Kommission schreibt „ein höherer Aktienanteil erhöht die erwartete Rendite… aber wird auch zu mehr Volatilität und Risiko führen. Die Mehrheit [der Kommission] ist der Meinung, dass dieses Risiko akzeptabel ist.“ Die grundsätzliche Aussage, dass der einzige Ausweg aus dem Niedrigzinsumfeld nur über eine höhere Aktienquote geht, ist korrekt. Die damit verbundene höhere Volatilität ist der Preis den man dafür zu zahlen bereit sein muss. Es gibt keine Wundermittel oder Abkürzungen beim Anlegen. Die norwegische Zentralbank, die den Pensionsfonds verwaltet, wird im Dezember auf die Vorschläge der Kommission antworten.

Ist das jetzt ein klares Zeichen um heute Aktien zu kaufen?

Nein. Niemand hat eine Kristallkugel, auch die Norweger nicht. Dies wäre auch ein Missverständnis: bei der Vermögensanlage geht es nicht darum, zu erraten, wo in einem Jahr die Aktien, Zinsen oder Währungen stehen, sondern darum, die Vermögensaufteilung (neudeutsch: asset allocation) mit seinen persönlichen Zielen in Übereinstimmung zu bringen.

Im Falle des Norwegischen Pensionsfonds ist das Ziel eine 4% Entnahme pro Jahr ohne Kapitalverzehr. Heute sind fast 40% des Fonds in Anleihen – Staatsanleihen bieten aber nur eine Rendite von 0%-2%. Damit kann der Fonds, sowie wie er heute aufgestellt ist, sein Ziel nicht erreichen. Eine strategische Neuausrichtung ist die logische Konsequenz.

Bei Privatanlegern sollte es genauso sein: an der Vermögensanlage sollte nur etwas geändert werden, wenn sie nicht mehr im Einklang mit den Zielen steht, aber nicht, weil die Finanzmärkte ein paar Prozent hoch- oder runtergehen.

Wie sieht Ihre Vermögensaufteilung im Vergleich aus?

Wir hören von Privatanlegern häufig, dass sie gerne ähnliche Renditen wie die „Großen“ hätten – das ist möglich, doch es setzt zunächst voraus, dass Privatanleger eine ähnliche Vermögensaufteilung (asset allocation) wählen. Die Vermögensaufteilung entscheidet mehr als alles andere über die langfristige Rendite.

Ob die gleiche Vermögensaufteilung in Ihrem individuellem Fall richtig wäre, kann man nicht pauschal beurteilen, sondern dies ergibt sich erst nach einer eingehenden Analyse Ihrer finanziellen Situation und ihrer Ziele. Wenn Ihre Ziele nicht so anspruchsvoll sind, d.h. wenn sie keine 4% Entnahme bei Kapitalerhalt anstreben, dann muss auch die Aktienquote nicht so hoch sein. Umgekehrt ist es heute rein rechnerisch schlichtweg unmöglich auch nur annähernd Richtung 4% Rendite für das Gesamtvermögen zu kommen, wenn die Aktienquote weit unter 50% liegt.

Haben Sie den Überblick über die Aufteilung Ihres Vermögens? Können Sie damit Ihre persönlichen Ziele erreichen? Wenn Sie hierzu Fragen haben, wir helfen Ihnen gerne weiter.

 

*** Update: 1.12.2016 ***

Am 1.12.2016 hat die Norwegische Zentralbank auf die Anfrage der Kommission geantwortet. Die Norwegische Zentralbank empfiehlt den Aktienanteil auf 75% anzuheben – sogar noch etwas höher als von der Kommission vorgeschlagen.