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Ratschläge zur Geldanlage
April 5, 2016

Festgeld als Alternative zu Rentenfonds?

Rentenfonds (und auch Mischfonds mit hohem Anleiheanteil) werben gerne mit guter Vergangenheitsperformance. Anleger sollten sich davon nicht täuschen lassen – der Einmaleffekt fallender Zinsen führte in vergangenen Jahren zu hohen Kursgewinnen*. Dies lässt sich aber nicht wiederholen, da die Zinsen inzwischen nahe Null angekommen sind.  Die Zukunft dieser Fonds sieht also trübe aus, insbesondere da bei vielen Fonds die Kosten höher sind als die Anleiherendite im Portfolio. Was sollten Anleger also heute mit ihren Rentenfonds machen? Sind Festgeldkonten eine sinnvolle Alternative?

Bei ca. 65% aller Staatsanleihen sind die Zinsen unter 1%

Wie niedrig die Zinsen weltweit sind, zeigt folgende Graphik. Heute haben ca. 65% aller weltweiten Staatsanleihen eine Verzinsung UNTER 1,0% und ca. 30% weisen sogar eine NEGATIVE Verzinsung auf. Das Problem der Niedrigzinsen gibt es also nicht nur in Deutschland!

JPM

Aktuelle Beispiele für die Verzinsung von 10-jährigen Staatsanleihen:

  • Schweiz -0,4% (richtig gelesen, MINUS 0,4%)
  • Japan -0,1%
  • Deutschland 0,1%
  • selbst Italien nur 1,2% und Spanien 1,4%.

Eigentlich sollten sichere Rentenfonds in keinem Anlagerdepot fehlen. Jahrzehntelang stützten sich Anleger auf ihre stetige Wertentwicklung, die für Stabilität im Depot sorgte. Doch was Lange als Gewissheit galt, ist heute überholt. Rentenfonds haben noch eine Stabilitätsfunktion, aber realer Wertzuwachs nach Kosten, Inflation und Steuern ist kaum noch möglich.

Festgeld ist nur bedingt eine Alternative

Bei vielen Banken ist inzwischen die Verzinsung des Festgeldes höher als die von Rentenfonds. In den Medien wird daher vielerorts empfohlen, auf Festgeld statt auf Rentenfonds zu setzen. Wir sehen diese Aussage aber recht kritisch und würden dies maximal für kleinere Beträge empfehlen. Es gibt einige wesentliche Unterschiede zwischen Festgeld und Rentenfonds:

  • Sicherheit: Der Anlegerschutz ist vom Gesetzgeber bei einem Festgeldkonto anders geregelt ist als bei einem Depot mit Rentenfonds. Wer sich Sorgen über die Solidität der Banken macht, der ist mit Rentenfonds besser aufgehoben.
  • Liquidität (tägliche Verfügbarkeit): Bei Festgeld hat der Anleger für eine bestimme Laufzeit keinen Zugriff auf sein Konto, während ein Rentenfonds täglich veräußerbar ist
  • Gesamtrendite: Es gibt durchaus Szenarien, in denen Rentenfondsanleger trotz der niedrigen Zinsen aufgrund von Kursgewinnen besser am Schluss dastehen als Festgeldanleger. So wären im Falle einer sich beschleunigenden Deflation Rentenfonds eine bessere Anlage als Festgeld.

Welcher Anleihefonds ist nun der richtige?

Der optimale Anleihefonds hilft dem Anleger sein individuelles Ziel zu erreichen. Da aber jeder Anleger andere Vorstellungen darüber hat, welche Funktion mit dem Anleiheanteil in seinem Depot verbunden ist, gibt es auch (leider) nicht den einen perfekten Rentenfonds. Die Aufgabe für uns als Vermögensverwalter ist es, zunächst einmal Ihnen zu helfen, die Erwartungen richtig zu definieren. Ist Ihr Primärziel:

  • Inflationsschutz?
  • Währungsrisiken vermeiden?
  • Schutz vor einem Auseinanderfallen des Euros?
  • Gegengewicht zu fallenden Aktienkursen?
  • Laufende Erträge?

Welcher Rentenfonds für Sie optimal ist, hängt davon ab, wie Sie diese Frage beantworten bzw. gewichten.

Anlageerfolg hat viel mit Psychologie zu tun – oder der wichtigste Grund für Rentenfonds im Depot

Es ist kein Geheimnis, dass für uns bei dem aktuellen Zinsniveau keine Begeisterung für Rentenfonds aufkommt (siehe hier und hier). Auch der größte Staatsfonds der Welt, die Norwegische Pensionskasse, hat mehrfach in der jüngsten Vergangenheit sich dahingehend geäußert, dass man den Anleiheanteil reduzieren will (siehe hier). Dennoch sollten in den meisten Fällen Privatanleger einen bestimmten Anteil ihres Vermögens in Rentenfonds investiert lassen. Aus einem einfachen Grund: Anleihen schützen den Anleger vor sich selbst! Rentenfonds sind eine Absicherung dafür, dass Anleger wegen zu hoher Volatilität in ihrem Depot zum falschen Zeitpunkt einen guten langfristigen Anlageplan über den Haufen werfen. Auch wenn der wohl erfolgreichste Anleger der Welt, Warren Buffett, möglicherweise Recht hat mit seinem letzten Willen, wonach 90% des Vermögens in Aktien investiert werden sollen und nur 10% in Staatsanleihen, für die meisten Privatanleger bedeutet dies zu viel Risiko. Eine Vermögensaufteilung mit einem Anleiheanteil reduziert zwar die langfristige Rendite, aber sie erhöht gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit des langfristigen Erfolges, weil die geringeren Schwankungen Anleger davon abhalten, Fehler zu begehen.

Zusammenfassung

Wer auf Stabilität Wert legt, für den macht der richtige Rentenfonds weiterhin Sinn. Dabei sollten Anleger Rentenfonds mit kurzen Laufzeiten eher vermeiden – hier sind fast überall die Renditen negativ. Ebenso sollten Anleger nicht blind auf die höheren Zinsen von Unternehmensanleihefonds ausweichen. Die Aufgabe von Anleihen im Depot ist es ja gerade für Stabilität zu sorgen und Unternehmensanleihen haben die Unart, gerade dann zu fallen, wenn auch Aktien schwächeln (siehe 2008 und Januar 2016). Deswegen ergänzen sich Aktien und Unternehmensanleihen in einem Portfolio weniger gut als Aktien und Staatsanleihen.

Egal welchen Anleihefonds Sie aussuchen, grundsätzlich gilt: da die Verzinsung zurzeit auch bei den besten Rentenfonds gering ist, müssen Anleger auf der Kostenseite doppelt aufmerksam sein. Ausgabeaufschläge oder erfolgsabhängige Gebühren sollten automatisch K.O. Kriterien sein.  Sonst kommen nicht Sie auf Ihre Rendite, sondern die Banken und Fondsgesellschaften.

Anlegen ist kein Buch mit sieben Siegeln. Großanleger wie Pensionskassen stehen vor exakt den gleichen Problemen wie Privatanleger auch. Ein Blick auf deren Anlagestrategien hilft zu verstehen, welche sinnvollen Alternativen es gibt. Wir zeigen Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch wie sich institutionelle Anleger heute positionieren und wie Sie dies für sich umsetzen können.

 

* Warum steigen Anleihekurse, wenn Zinsen fallen? Schuld ist die Finanzmathematik. Angenommen eine Anleihe kommt mit einem Kupon von 4%, der zu diesem Zeitpunkt auch dem marktüblichen Zins entspricht. Fällt danach der Marktzins unter 4%, so ist natürlich diese Anleihe „mehr“ wert, weil man damit ja einen Kupon von 4% bis ans Laufzeitende erhält. Andere Anleger sind deswegen bereit, für diese Anleihe mehr zu zahlen, d.h. der Anleihekurs steigt.

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