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Ratschläge zur Geldanlage
February 20, 2017

Festgeld hat bessere Rendite als Mehrheit der Aktien

Eine gerne zitierte Anlegerweisheit besagt, dass Aktien langfristig eine bessere Rendite bieten als Festgeld. Stimmt das überhaupt oder handelt es sich hier nur um einen irreführenden Verkaufsspruch der Finanzbranche? Das Ergebnis einer empirischen Studie über die letzten 90 Jahre wird Sie wahrscheinlich überraschen. Festgeld hatte eine bessere Rendite als die Mehrheit der Aktien! Wie kann das sein und was bedeutet das für uns Anleger?

Des Rätsels Lösung

In einer wissenschaftlichen Studie wurden Aktien von 1926 bis 2015 mit 1-Monats-Festgeld verglichen. Das faszinierende Ergebnis war, dass tatsächlich Festgeld eine höhere Rendite erbrachte als die Mehrheit der Aktien…. Wer aufmerksam mitliest, der hat vielleicht bemerkt, dass die Betonung hier auf „die Mehrheit der Aktien“ liegt. Genauer gesagt hatte im betrachteten Zeitraum Festgeld eine bessere Rendite als 58% aller Aktien geliefert.

Die Studie offenbarte weitere faszinierende Ergebnisse:

  • Die kompletten Gewinne des Aktienmarktes kamen nur von 4% aller gelisteten Aktien
  • Die Hälfte aller Gewinne des Aktienmarktes kamen sogar nur von 0,3% aller gelisteten Aktien

Der Aktienmarkt ist nicht Normalverteilt. Es ist nicht so, dass die Hälfte der Aktien Gewinner und die andere Hälfte Verlierer sind. Vielmehr ist der Aktienmarkt stark unverteilt in dem Sinne, dass die meisten Aktien entweder Verluste oder nur geringfügige Gewinne vorweisen und dagegen ein nur sehr kleiner Teil hohe Gewinne bringen.

Warum ist das so wichtig?

Die extreme Verteilung von nur wenigen Gewinnern und vielen Verlieren zeigt, wie bedeutsam es ist, breit diversifiziert zu sein. Es erklärt auch, warum aktiv gemanagte Fonds in mehr als 90% aller Fälle über einen längeren Zeitraum schlechter als der Gesamtmarkt abschneiden – einfach, weil sie nicht ausreichend diversifiziert sind. Wer in den letzten 10 Jahren Facebook, Google, Apple und Amazon verpasste, der liegt eben Meilenweit hinter dem US Index S&P 500.

Dies ist das Paradox bei der Vermögensanlage: Aktien als Anlageklasse sind zwar ein unverzichtbarer Bestandteil, aber Anleger sollten Einzelaktien meiden wie der Teufel das Weihwasser, da sie sonst nie die notwendige Diversifikation erreichen. Wir empfehlen deswegen die Anlage über sehr breit gestreute Fonds. Nur so lassen sich mit akzeptablem Risiko die Mehrrenditen des (Gesamt!) Aktienmarktes gegenüber Festgeld realisieren.

Um letzte Unklarheiten aufzuräumen: für alle Menschen, die einen langfristigen Wertzuwachs nach Abzug der Inflation anstreben, gibt es keine Alternative zur (breit diversifizierten) Aktienanlage. Wer den DAX Ende 1995 kaufte und bis Ende 2016 gehalten hätte, der würde trotz Finanzkrise (2008) und Platzen der Internetblase (2000) eine jährliche Rendite von 8,1% vorweisen können – deutlich mehr als bei Festgeld. Für große Pensionskassen sind Aktien daher auch die bedeutendste Komponente. Die entscheidende Frage für Sie ist damit wie hoch der Aktienanteil in Ihrer persönlichen Vermögensanlage sein sollte – wir erläutern Ihnen das optimale Verhältnis gerne in einem ausführlichen Gespräch.