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Ratschläge zur Geldanlage
October 31, 2016

Fondsgebundene Lebensversicherungen – wie gut sind sie wirklich?

Pro Jahr investieren ca. 800.000 deutsche Sparer in fondsgebundene Lebensversicherungen. Können sich so viele Menschen irren? Bei Ipanema Capital legen wir Wert auf evidenzbasiertes Anlegen, daher wollen wir hier die tatsächlich realisierten Renditen von fondsgebunden Lebensversicherungen auf den Prüfstand stellen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: durch zu hohe Kosten kommen beim Endanleger letztendlich nicht einmal die Hälfte der Rendite an. Fondsgebundene Lebensversicherungen sind nur für den Vertrieb bzw. die Versicherungen attraktiv, für Anleger gibt es deutlich bessere Lösungen.

Was sind fondsgebundene Lebensversicherungen?

Bei der klassischen Lebensversicherung liegt der Garantiezins im Neugeschäft ab 2017 bei 0,9% (aktuell 1,25%). Der Garantiezins bestimmt, welche Rendite Lebensversicherer ihren Kunden maximal fest zusagen dürfen und womit diese nach Abzug der Abschluss- und Verwaltungskosten sicher rechnen können. Da es wegen der anhaltenden Niedrigzinsen immer schwieriger wird, diese zu erwirtschaften, wurde der Garantiezins schon mehrfach gesenkt. Für Altverträge ändert sich aber nichts.

Deswegen sind Versicherungen im Neugeschäft schon lange von der klassischen Lebensversicherung abgerückt. Es werden heute primär Versicherungen ohne Garantiezins angeboten. Eins der wichtigsten Produkte in diesem Segment sind fondsgebundene Lebensversicherungen, wo das Risiko der Kapitalanlage anders als bei den klassischen Policen ausschließlich der Verbraucher trägt. Schon jetzt ist jede sechste Lebens- und Rentenversicherung eine auf Fondsbasis.

Wenn weniger als die Hälfte der Rendite beim Kunden bleibt

Grundsätzlich ist die Idee einer fondsgebundenen Lebensversicherung sinnvoll. Es zwingt den Verbraucher über einen festgelegten Sparplan über die Zeit hinweg Vermögen aufzubauen. Fondspolicen sind damit nichts anderes als ein Fondssparplan im Versicherungsmantel. Der Versicherungsnehmer bekommt für das Geld, das er regelmäßig einzahlt, eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen, die dann bis zum Ende der Laufzeit in seinem Depot liegen. Falls ihm vorzeitig etwas zustößt, zahlt die Versicherung eine Todesfallleistung an seine Hinterbliebenen aus.

Fondsgebundene Lebensversicherungen werben gerne damit, dass man hier an den langfristigen attraktiven Renditen der Aktienmärkte partizipieren kann. Doch davon kommt beim Versicherungsnehmer nicht viel an.

Die Autoren des Map-Report, einer in der Versicherungsbranche bekannten Studienreihe, haben untersucht, welche Renditen die Endanleger letztlich erzielten. Bei 12 Jahren Vertragslaufzeit mit monatlicher Einzahlung hatte der durchschnittliche deutsche Versicherungsnehmer eine Jahresrendite von 2% erzielt und bei 30 Jahren von 3%. Zum Vergleich: ein Aktienindex, der weltweit anlegt, wie zum Beispiel der MSCI All Country World Index, hatte im gleichen Zeitraum eine fast drei Mal so hohe Jahresrendite vorzuweisen. Selbst eine Anlage in konservative 10-jährige deutsche Staatsanleihen hätte eine deutlich höhere Rendite gebracht.

Was läuft also schief? Ganz einfach: die Kosten sind bei den fondsgebundenen Lebensversicherungen viel zu hoch. Mehr als die Hälfte der Rendite bleibt bei der Versicherung bzw. dem Vertrieb. Der Anleger, der eigentlich das Risiko trägt, bekommt weniger als die Hälfte. Der jüngste Map-Report errechnet Effektivkosten für fondsgebundene Lebensversicherungen von bis zu 3,5% bis 4%, um die das Kundenvermögen bei einigen Versicherern Jahr für Jahr geschmälert werden. Deshalb kritisieren Verbraucherschützer die fondsgebundenen Versicherungen schon seit Jahren als völlig überteuert.

„Betrifft mich nicht – ich habe nämlich eine fondsgebundene Rentenversicherung“

Ein teurer Irrtum. Das Grundprinzip ist gleich, egal ob es sich um eine fondsgebundene Lebensversicherung oder fondsgebundene Rentenversicherung handelt. Das Grundproblem bleibt damit ebenfalls gleich: enttäuschende Renditen wegen viel zu hoher Kosten. Stiftung Warentest hatte einmal 58 Tarife von 11 Versicherten überprüft – aber nur in 3 Fällen konnte das Qualitätsurteil “Gut” vergeben werden. Warum? Zitat: “Das mäßige bis schlechte Abschneiden ist über­wiegend auf hohe Kosten der Versicherung zurück­zuführen.”

„Ja, aber was ist mit den Steuervorteilen?“

Eins der Hauptargumente, die vom Vertrieb für fondsgebundene Lebensversicherungen angeführt werden, sind die steuerlichen Vorteile. Sicherlich sind diese zu berücksichtigen, aber letztlich sind dies oft nur Nebelkerzen! Wenn, wie oben gezeigt, fondsgebundene Lebensversicherungen über die letzten 12-30 Jahre nur 2-3% jährliche Rendite brachten, also weniger als die Hälfte als eine Alternativanlage in Indexfonds (ETF), dann wird dieser Unterschied durch die Steuererleichterung des Halbeinkünfteverfahrens auch nicht wettgemacht.

Merke: Eine Anlage sollte immer primär daraufhin untersucht werden, ob sie das optimalen Rendite-Risiko Verhältnis für einen bietet. Wer dagegen Anlagen zuerst aus steuerlicher Sicht betrachtet, der begibt sich aufs Glatteis. Wieviel Milliarden wurden in Steuersparmodelle gesteckt (Immobilien in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung, geschlossene Fonds, etc), die letztlich mit hohen Anlegerverlusten endeten? Zudem kann niemand vorhersagen, wie sich das Steuerrecht in der Zukunft entwickelt und welche Anlageformen vom Gesetzgeber wie gefördert werden.

Zusammenfassung

In 2015 haben die deutschen Lebensversicherer 827,000 fondsgebundene Kapitalversicherungen verkauft. Haben sich die Sparer hiermit vertan?  Kann gut sein, denn diese Anlageprodukte blieben in der Vergangenheit weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Aufgrund der Kostenstruktur von fondsgebundenen Lebensversicherungen und Rentenversicherungen ist es wenig wahrscheinlich, dass sich das Bild in der Zukunft bessern wird.

Wir stellen immer wieder fest, dass Anleger die Kostenseite sträflich vernachlässigen. Zwar kann niemand vorhersagen, wo der DAX in ein paar Jahren stehen wird, aber man kann die Kosten beeinflussen. Es gibt deutlich günstigere Anlagealternativen: Indexfonds (sogenannte ETF) sind die kostengünstigste Form des systematischen Vermögensaufbaus. Deswegen verwenden wir Indexfonds als Grundbausteine bei der Geldanlage.

Tipp: Wer die Hinterbliebenen im Todesfall absichern möchte, sollte dies über eine Risikolebensversicherung tun. Es ist besser und billiger, eine Risikolebensversicherung getrennt von einem Sparprodukt abzuschließen.