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Ratschläge zur Geldanlage
October 26, 2015

Geschlossene Fonds: „die schlechteste Geldanlage der Welt“

Was viele Anlegern vielleicht nicht wissen: in den meisten europäischen Ländern ist es verboten, geschlossene Fonds an Privatanleger zu verkaufen. Was hat die Gesetzgeber in Frankreich oder Großbritannien dazu bewogen, Privatanleger vor dieser Art von Investment zu schützen? Warum fordert die Verbraucherzentrale für Deutschland auch ein Verbot des Vertriebs geschlossener Fonds? Sollte es nicht zum Nachdenken anregen, wenn eine Studie der Stiftung Warentest ergab, dass nur 6% (!) der untersuchten geschlossenen Fonds ihre Gewinnprognosen einhielten, aber 69% (!) zu Verlusten führten?

In diesem Kommentar erläutern wir was geschlossene Fonds sind und worin deren wesentliche Probleme bestehen.

Wenn Sie geschlossene Fonds in Ihrem Depot vorfinden, sollten Sie sich fragen, ob diese wirklich Ihnen oder doch mehr Ihrem ‚Berater‘ nutzen (saftige Provision). Wir zeigen Ihnen gerne, wie der Vermögensaufbau nach modernen Standards erfolgen sollte.

Was ist ein geschlossener Fonds?

Geschlossene Fonds sind in Deutschland beliebte Anlageprodukte. Jährlich werden Milliarden von Anlegergeldern investiert. Was verbirgt sich hinter dem Begriff? Wie der Name „geschlossener Fonds“ vermuten lässt, werden die Anteile nur angeboten, bis das vorher festgelegte Kapital des Fonds beschafft wurde, dann wird der Fonds geschlossen. Im Gegensatz zu Publikumsfonds gibt es keinen geregelten Zweitmarkt. Das Kapital in einem geschlossenen Fonds ist daher oft langfristig gebunden (oft 10-20 Jahre).

Geschlossene Fonds bezeichnet dabei nur den rechtlichen Mantel, es können sich dahinter verschiedene Investitionen in Sachwerte verbergen: Bürogebäude, Seniorenwohnanlagen, Schiffsbeteiligungen, Venture Capital Beteiligungen, Medienfonds, Windparkfonds, Flugzeugfonds, Waldfonds, Containerfonds, Infrastrukturfonds. Die Aufstellung ist nicht abschließend.

Was sind die wesentlichen Probleme geschlossener Fonds?

Neben den üblichen unternehmerischen Risiken wie Insolvenz (Totalverlust), Schlüsselpersonenrisiko, Wertverlust des Anlageobjekts oder Währungsrisiko, die geschlossene Fonds mit anderen Anlageformen wie Aktien oder Unternehmensanleihen teilen, bestehen noch ganz spezielle Risiken, die eine Anlage in geschlossenen Fonds für die meisten Privatanleger eigentlich uninteressant machen sollten. Dazu gehören:

  • Für Privatanleger ist es praktisch unmöglich, die Qualität von geschlossenen Fonds zu beurteilen. Das gilt übrigens auch für den durchschnittlichen Finanzberater. Welcher Privatanleger liest sich wirklich ein hundertseitiges Prospekt durch und versteht welche Risiken dem Geschäftsmodell des Fonds innewohnen? Selbst wenn das Urteil zum Emissionszeitpunkt positiv und fundiert war, können während der oft langen Laufzeiten die Fonds zwischenzeitlich ins Strudeln geraten. Nur dann kann man den Schaden nur schwer begrenzen, weil die Fondsanteile praktisch illiquide sind. In den meisten Fällen erfahren aber die Anleger von einer Schieflage zu spät, da die laufenden Informationspflichten nicht ausreichend sind.
  • Für Privatanleger ist es ebenfalls fast unmöglich, die Qualität des Emissionshauses zu beurteilen. Gerade bei Fonds mit langer Laufzeit, dauert es oft über 10 Jahre bis ein Anleger merkt, wie die Qualität des Emissionshauses und des Fondsmanagers einzuschätzen ist. In letzter Konsequenz investieren Anleger oft ohne Referenzen (track record). Kaum ein Großanleger wie Versicherungen oder Pensionskassen würde ohne einen nachprüfbaren Leistungsausweis investieren – aber viele Privatanleger gehen letztlich blind mit ihrem Vermögen in diese Anlageprodukte ohne irgendwelche Vergangenheitsdaten zu haben, auf die sie ihre Entscheidungen stützen könnten. Nicht umsonst wird dieser Bereich auch als ‘grauer Kapitalmarkt’ bezeichnet – warum sich Anleger davon allein nicht schon abschrecken lassen ist schwer verständlich.
  • Die Börse fehlt als Kontrollmechanismus. In Deutschland haben viele Anleger Berührungsängste bei allem was mit dem Thema Börse zu tun hat. Dabei wird vergessen, dass die Börse nicht nur ein Handelsplatz ist, um bestehende Anteile problemlos weiterzuverkaufen, sondern dass sie auch eine wichtige Kontrollfunktion ausübt. Jedes Unternehmen oder Publikumsfonds, das an einer Börse gelistet wird, unterliegt viel strengeren Auflagen als ein geschlossener Fonds und zugleich auch einer intensiven Beobachtung durch professionelle Anleger. Sicherlich gibt es auch an der Börse Betrugsfälle, aber deutlich weniger als bei geschlossenen Fonds. Anleger sollten sich fragen, warum die größten Anlagebetrugsfälle in letzter Zeit in Deutschland wie S&K oder Wölbern Invest alle bei geschlossene Fonds stattfanden?

Keine Daseinsberechtigung wegen zu hoher Kosten und schwer kalkulierbarer Risiken

Sicherlich gibt es wie überall Licht und Schatten. Nicht alle geschlossenen Fonds werden zum Glück wie S&K oder Wölbern Invest enden. Dennoch sollten Privatanleger vor dem Kauf von geschlossenen Fonds die folgenden grundsätzlichen Punkte beachten:

  • Hohe Kosten zehren Anlegergewinne auf. In der Vergangenheit lag die durchschnittliche Provision bei über 10%. Dass dies einen gewaltigen Interessenkonflikt für den Vertrieb bedeutet, muss wohl nicht extra erläutert werden.
  • Kein Sparer benötigt so riskante Produkte. Für die meisten Anleger reichen die folgenden Anlageklassen: Anleihen, Immobilien und Aktien. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: die meisten geschlossenen Fonds sind riskanter als Aktien! Hier liegt der größte Fehler – Anleger halten Aktien für zu riskant und investieren dann in geschlossene Fonds ohne zu realisieren, dass sie sich damit viel höheren Risiken aussetzen.

Was sagt die Stiftung Warentest?

Die Finanzzeitschrift „Finanztest“ aus dem Hause Stiftung Warentest, hat über 1000 geschlossene Fonds seit 1972 untersucht und ist zu dem traurigen aber wenig überraschenden Ergebnis gekommen, dass nur 6% aller geschlossenen Fonds die ursprünglichen Gewinnprognosen erfüllt hatten. Weitere 25% verfehlten zwar ihre Prognose, schrieben aber zumindest Gewinne. Unglaubliche 69% der untersuchten Fonds bescherten ihren Anlegern Kapitalverluste. Man muss sich dies auf der Zunge zergehen lassen: 69% aller untersuchten geschlossenen Fonds führten zu Verlust – und das obwohl Anleger dafür im Schnitt 10-20% Agio zahlen mussten. Der Vertrieb machte sich reich, der Anleger schaut in die Röhre.

Dabei ist es nicht so wichtig worin geschlossene Fonds eigentlich anlegen. Investoren werden geködert mich Schlüsselwörtern wie ‘Anlegen in Sachwerte’, aber auch die beliebten Immobilienfonds erlitten laut Zeitschrift Finanztest in 57% der Fälle einen Verlust.

Was sagt Presse?

Das Urteil in der Finanzpresse ist ebenfalls eindeutig. Das Handelsblatt bezeichnete einmal geschlossene Fonds als „die schlechteste Geldanlage der Welt“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Handelsblatt

Zusammenfassung

Die Politik ist in Deutschland gefordert, Privatanleger effektiver zu schützen. Zwar sieht das neue Kapitalanlagegesetzbuch mehr Bürokratie und Überwachung vor, aber das ist alles keine Garantie, dass sich die Ergebnisse verbessern werden. In letzter Konsequenz bleibt nach unserer Meinung dem Privatanleger nichts anderes übrig, als um das Thema ‘geschlossene Fonds’ einen großen Bogen zu machen.

http://www.dasinvestment.com/investments/fonds/news/datum/2015/09/14/nur-6-prozent-geschlossener-fonds-erfuellen-ihre-gewinnprognose/

http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/fonds-etf/geschlossene-fonds-die-schlechteste-geldanlage-der-welt/4060454.html

FAZ 6. Oktober 2015, Seite 25 “Die umweltfreundliche Entsorgung von 100 000 Euros”, Volker Looman

 

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