Research

Ratschläge zur Geldanlage
September 15, 2016

Geschlossene Fonds: Lehren aus dem Absturz des DS-Fonds Nr. 129 von Dr. Peters

Emissionshäuser brachten in der Vergangenheit viele geschlossene Flugzeug-Fonds auf den Markt. Das Bild eines modernen Airbus 380 ist durchaus beeindruckend. Die dicken Hochglanzprospekte wohl auch, denn ca. 2.600 Anleger investierten vor rund 10 Jahren fast €100 Mio. in den „DS-Fonds Nr. 129“ des Emissionshauses Dr. Peters, der einen Airbus A380 an die Singapore Airlines geleast hatte. Doch jetzt hat die Fluglinie bekannt gegeben, dass sie den Leasingvertrag, der in 2017 ausläuft, nach Ablauf der zehnjährigen Mietlaufzeit nicht verlängern wird. Es ist damit fast ausgeschlossen, dass die Anleger ihren Einsatz bis dahin wieder komplett herausbekommen oder sogar eine positive Rendite erzielen werden. Herbe Verluste sind praktisch vorprogrammiert.

Doch der aktuelle Mieterausfall des DS-Fonds Nr.129 könnte kein Einzelfall bleiben. Dr. Peters hat insgesamt 9 Airbus A380 in verschiedenen Fonds, an denen sich ca. 25.000 Anleger mit rund 750 Millionen Dollar beteiligt hatten.

Was ist schiefgelaufen und was können Anleger daraus lernen?

Hintergrund

Das ehemalige Prestigeprojekt von Airbus, der A380, verkauft sich schon seit Jahren nicht gut. Keine einzige neue Netto-Bestellung für den A380 konnte Airbus im Jahr 2015 verbuchen. Das Problem: die Fluggesellschaften können die hohen Sitzplätze nicht vernünftig auslasten. Auf der anderen Seite stehen hohe Kosten, die aus ihrer Konstruktion mit 4 Triebwerken resultieren. Das Flugzeug ist deswegen schwer im Gebrauchtmarkt zu einem guten Preis unterzubringen.

Bei der Frage „was ist schiefgelaufen“ wollen wir aber weniger auf die betriebswirtschaftlichen Probleme abstellen, als der Frage nachgehen, was läuft eigentlich mit geschlossenen (Flugzeug-) Fonds schief?

Was sind die Probleme von geschlossenen Fonds?

Geschlossene Fonds verstoßen gegen alle vernünftigen Regeln des Anlegens. Es folgt eine kurze Liste an trivialen Grundsätzen:

1. Wer das Risiko reduzieren will, der muss streuen

Doch die meisten geschlossenen Fonds investieren nur in ein einziges Objekt. Auch wenn es sich um ein noch so schönes Flugzeug handelt, das Klumpen Risiko bei einer einzigen Anlage ist extrem. Die einzige Anlage wurde dazu noch an eine einzige Fluglinie geleast. Der Markt für solche Mega-Flugzeuge ist sehr klein. Es ergibt sich eine sehr hohe Abhängigkeit.

2. Nie in illiquide Anlagen investieren

Vermögensanlagen sollten täglich verfügbar sein, denn die Lebenssituation kann sich immer ändern. Was geschieht. wenn der Anleger das Geld wider Erwarten braucht, was passiert, wenn die Beteiligung, was häufig genug der Fall ist, aus dem Ruder läuft?

3. Wenn schon in illiquide Anlagen, dann soll man dafür wenigstens entlohnt werden

Als der Fonds aufgelegt wurde, rentierte eine 10-jährige deutsche Staatsanleihe bei ca. 4,5%.  Eine Unternehmensanleihe guter Bonität bei ca. 6%. Eine dem Risiko entsprechende Rendite für diesen geschlossenen Fonds hätte unter Berücksichtigung aller Umstände in der Nähe von 10% liegen müssen. Doch die zu erwartende Rendite bei diesem Fonds betrug… niemand konnte es zum Emissionszeitpunkt zuverlässig sagen, denn dafür hätte man prognostizieren müssen, was der Airbus A380 in 10 Jahren auf dem Gebrauchtmarkt wert ist.

4. Nie riskante Anlagen „auf Pump“ kaufen

Kein vernünftiger Mensch käme auf den Gedanken, Aktien auf Kredit zu kaufen. Doch genau das geschieht bei den meisten geschlossenen Fonds! Diese sind wie Aktien unternehmerische Beteiligungen, nur gibt es kaum geschlossene Fonds mit Barzahlung. Die Emissionshäuser nehmen zeitgleich mit der Einzahlung der Beteiligungssumme auch Schulden auf, Anleger haben überhaupt keine Wahl.

5. Auszahlung ist nicht gleich Rendite

Das Emissionshaus Dr. Peters stellt eine prospektgemäße Auszahlung in Höhe von 7,25% in Aussicht. Doch Vorsicht! Auszahlung hat nichts mit Rendite zu tun. Man sollte sich nicht über eine Auszahlung freuen, die einem über die Kreditaufnahme und evtl. künstlich niedrige Tilgung zufließt…

Zusammenfassung

Ich habe nie für mich privat einen geschlossenen Fonds gekauft. Selbstverständlich haben ich daher auch nie für meine Kunden einen geschlossenen Fonds gekauft. Die Probleme der Branche sind nicht erst seit heute bekannt. In den meisten europäischen Ländern ist der Vertrieb von geschlossenen Fonds an Privatleute daher zu recht verboten.

Tatsache ist doch, dass geschlossene Fonds in Durchschnitt über 10% Innenprovision an ihren “Finanzberater” bezahlen, obwohl laut der Finanzzeitschrift “Finanztest” aus dem Hause Stiftung Warentest bei über 1.000 untersuchten geschlossenen Fonds seit 1972 69% Verluste erlitten. Der Vertrieb macht sich wieder mal reich, der Anleger schaut in die Röhre. Es ist egal, ob es sich um geschlossene Fonds für Flugzeuge, Schiffe, Immobilien, Solaranlagen, Pflegeheime oder sonstiges handelt – Privatanleger sollten einen großen Bogen um diese Anlageform machen.

Wer heute noch geschlossene Fonds angeboten bekommt, der sollte sich überlegen, ob er wirklich mit einem guten Berater zusammenarbeitet. Wer von seinem heutigen Berater in der Vergangenheit geschlossene Fonds empfohlen bekam, der muss sich fragen, ob der Berater inzwischen etwas dazugelernt hat. Angesichts der Milliarden an Anlegergelder, die auch heute noch pro Jahr von deutschen Privatanlegern in geschlossene Fonds gesteckt werden, muss man leider feststellen, dass zuwenig Anleger aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.