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Ratschläge zur Geldanlage
September 7, 2016

Gold als Absicherung? Eine historische Betrachtung

Unser Anlageprozess beruht auf nachweisbaren Zahlen und nicht auf dem Erzählen schöner Geschichten. Dies wollen wir am Beispiel von Gold deutlich machen. Uns interessiert einzig und alleine ob anhand von belegbaren Fakten Gold ein sinnvoller Depotbestandteil sein kann. Konkret wollen wir zwei Fragen nachgehen: (1) welche Renditen waren mit Gold langfristig zu verdienen im Vergleich zu Aktien und Anleihen und (2) wie hoch waren die Renditen insbesondere in Krisenzeiten, also wie sehr eignet sich Gold als Absicherung? Eine Studie der Harvard Universität hat genau diese Punkte untersucht:

Langfristige Performance: sind 175 Jahre genug?

Die Studie hat Gold, US Aktien und 10-jährige US Staatsanleihen jeweils nach Inflationsabzug über einen Zeitraum von 1836 bis 2011 verglichen. Dabei wurde die Realrendite als auch die Kursschwankung (gemessen an dem statistischen Wert der Standardabweichung) untersucht. Ergebnis: Gold hatte eine deutliche niedrigere Realrendite als Anleihen und Aktien, aber die Kursschwankungen waren fast so hoch war wie die von Aktien! Im Klartext: Gold schwankte langfristig mehr als Anleihen, aber hatte eine niedrigere Rendite => Gold war somit historisch keine effiziente Anlageklasse!

1836-2011GoldAktien10-jährige Staatsanleihen
jährliche Realrendite1,1%7,4%2,8%
Standardabweichung13%16%8%

Sie meinen eine derart lange Betrachtungsperiode ist wenig aussagekräftig für die Gegenwart? Wen interessiert schon, was vor 100 Jahren passierte… Das Bild ändert sich jedoch nicht, wenn man einen jüngeren Zeitraum verwendet, z.B. 1975-2011*. Auch hier ist die Rendite von Gold schlechter als die von Aktien und Anleihen, obwohl die Kursausschläge in diesem Zeitraum sogar noch deutlich höher waren als bei Aktien! Viele Anleger meiden Aktien, da ihnen das Auf und Ab an der Börse zu riskant erscheint – doch Gold ist nicht besser, im Gegenteil.

1975-2011GoldAktien10-jährige Staatsanleihen
jährliche Realrendite4,0%7,5%4,5%
Standardabweichung21%14%9%

Wie sieht es aus mit Gold als Absicherung für Katastrophen?

Jetzt werden viele Anhänger von Gold einwerfen, dass man Gold nicht als langfristige Anlage kauft, sondern als Absicherung vor Katastrophen. Auch dies lässt sich testen und wir greifen hier nochmals auf eine Studie der gleichen Harvard Professoren zurück. Hier wurde untersucht, wie Gold sich in Zeiten ‚makroönomischer Krisen’ verhalten hatte. ‚Makroökonische Krisen’ wurden definiert als Zeiten, in denen das Bruttosozialprodukt um mehr als 10% über einen Zeitraum von 3-4 Jahren gefallen ist. Dies traf beispielsweise zu auf die USA nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 und auf Deutschland und Japan während des 2. Weltkrieges.

Insgesamt konnte die Studie 56 Fälle solcher ‚makroökonomischer Krisen’ zwischen 1880 und 2011 identifizieren. Die jährliche Realrendite von Gold betrug in diesen Phasen durchschnittlich 2,1% – nicht viel besser als der langfristige Durchschnitt (1836-2011) von 1,1%! Darunter waren aber auch Fälle, in denen Gold um mehr als 10% fiel. “Gold ist krisensicher” liest man vielerorts – dies ist eine schöne Geschichte, aber es entspricht nicht ganz der Realität! Wer eine Anlagekategorie sucht, die in Zeiten ‚makroökonomischer Krisen’ deutlich steigt, der hätte US Staatsanleihen kaufen müssen. Wem hier Zweifel kommen, der sollte sich die jüngere Vergangenheit vor Augen führen: als die Aktien im Jahr 2000 nach der Internetblase einbrachen, da wies selbst Gold Verluste von -7% auf. Im Jahr 2008, wohl der größten Finanzkrise unserer Generation, da konnte der Goldpreis nur ein bescheidenes Plus von +4% vorweisen. Die Performance von Gold lag in beiden Jahren weit hinter Staatsanleihen zurück. Gold ist nicht der stabile Anker, den sich viele vorstellen.

Zusammenfassung

Es mag viele Gründe geben, die für den Kauf von Gold sprechen. Eine nachweisbare historisch attraktive Rendite oder Stabilität gehören aber nicht dazu.

Wir wissen auch nicht, wo der Goldpreis in einem Jahr stehen wird. Es ist auf jeden Fall möglich, dass Gold die beste Performance aller Anlageklassen in den nächsten Jahren aufweisen wird. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, wenn man die vergangenen Daten betrachtet. Die vorliegende empirische Analyse zeigt, dass Gold als Depotbestandteil nicht mit Fakten gerechtfertigt werden kann. Es hat wohl seine Gründe, warum Europas größter Pensionsfonds, die Norwegische Pensionskasse, nicht in Edelmetallen anlegt.

… manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Der folgende Chart zeigt den Preis von einer Unze Gold in US Dollar von 2010 bis 2015. Ein Vermögensgegenstand, der in einem Jahr 30% steigt (2010) und bald danach um 28% fällt (2013) verdient nach unserer Meinung nicht das Prädikat “werthaltig”.

Chart

 

Quellen:

http://www.nber.org/papers/w18759

http://blogs.wsj.com/moneybeat/2016/08/03/gold-may-not-be-the-hedge-investors-think-it-is/

* Dieser Zeitraum ist bewußt gewählt, da Gold in Amerika erst nach dem 31.12.1974 von Privatpersonen legal und ohne Einschränkungen erworben werden durfte.

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