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Ratschläge zur Geldanlage
June 2, 2014

Gold – es gibt nur einen guten Grund es zu kaufen

Nach Jahren steigender Goldpreise hat 2013 und auch 2014 den Investoren herbe Verluste gebracht. Sollten Anleger jetzt den tieferen Goldpreis ausnutzen um zu kaufen? In diesem Artikel zeigen wir den einzigen rationalen Grund auf, der für den Kauf von Gold herangezogen werden kann. Die meisten Gründe, die für den Kauf von Gold üblicherweise angeführt werden, halten allerdings einer näheren Prüfung nicht stand und nutzen nur die Angst der Anleger aus.

Der einzig sinnvolle Grund Gold zu besitzen: Diversifikation

Es gibt eine legitime Rolle von Gold: Portfoliodiversifikation, also das Konzept nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Gold als Teil einer Absicherungsstrategie gegenüber unvorhersehbaren Risiken macht Sinn. Dabei sollte Gold aber maximal 5%-10% eines Portfolios darstellen. Bei einer größeren Position würde dies eine riskante Einzelwette darstellen, die unter Diversifikations- und Risikogesichtspunkten nicht zu rechtfertigen wäre.

Irrglaube #1: Gold bietet Sicherheit

Die meisten Privatanleger haben in den letzten Jahren Gold gekauft, weil sie verunsichert sind. Aktienmärkte hatten 2x in den letzten 14 Jahren mehr als 40% verloren (2000 und 2008). Zwar haben sich die Aktienkurse immer wieder nach ein paar Jahren erholt, aber der kurzzeitige Verlust hat viele Investoren verängstigt. Die Eurokrise trug zu weiterem Misstrauen gegenüber dem Finanzsystem und Regierungen bei. Daher ist die Sehnsucht nach etwas vermeintlich ‚Sicherem‘ verständlich – aber die Alternative Gold ist ein teurer Irrweg:

  • Der Goldpreis weist eine höhere Volatilität als Aktien auf (seit 1968 20% gegen 16% des S&P 500). Zur Krisenzeiten bot Gold auch kaum Schutz: Während der Finanzkrise fiel der Goldpreis um 30% von März 2008 bis November 2008. Von September 2011 bis Juni 2013 fiel der Preis für eine Unze Gold um fast 40%.
  • Der Goldpreis weist nicht nur eine höhere Volatilität als Aktien auf, auch die langfristigen Kursgewinne sind deutlich schlechter als die von Aktien. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: von 1928 bis 2013 betrug die jährliche Realrendite von amerikanischen Aktien (also nach Inflationsabzug) 6,3% während Gold nur 2,0% vorweisen kann. Freunde des glänzenden Edelmetalls werden einwenden, dass bis Mitte der 70er der Goldpreis von der US Regierung kontrolliert wurde. Aber auch nachdem der Goldpreis frei handelbar war, sah es nicht besser aus: von 1976 bis 2013 betrug die Realrendite von US Aktien 7,2% während Gold wieder nur 2,0% vorzeigen kann.
  • Aufgrund der enttäuschenden langfristigen Performance von Gold ist das Edelmetall nach unserer Meinung ungeeignet einen bedeutenden Portfoliobestandteil einzunehmen. Seit 1928 gibt es keinen Zeitraum länger als 15 Jahre wo US Aktien Anlegern nach Inflationsabzug Verluste gebracht hätten. Im Gegensatz dazu gibt es für Gold auch Zeiträume über 40 Jahre wo die Realrendite negativ war. Welcher Anleger will schon 40 Jahre oder mehr warten bis er sein Geld wieder zurück bekommt?
  • Regierungen können den Besitz von Gold verbieten und die Bürger unter Androhung von Strafe zwingen, ihr Eigentum an Gold unter Marktwert an den Staat abzugeben. Klingt abwegig? Genau dies wurde aber am 5. April 1933 von Franklin D. Roosevelt als Gesetz verkündet. US Bürger hatten damals 25 Tage Zeit ihr Gold unter Marktwert abzugeben oder es drohten bis 10 Jahre Gefängnis und hohe Geldstrafen.
  • Der Preis von Gold ist reine Spekulation. Gold wirft keinen Ertrag ab wie Immobilien, Anleihen oder Aktien und kann damit nicht objektiv bewertet werden. Gold spielt keine Rolle in der Realwirtschaft, außer für Schmuck.
  • Heute Gold zu kaufen in der Erwartung, dass in einem Jahr noch mehr Leute noch mehr Angst haben (und dadurch die Nachfrage und den Preis nach oben treiben) ist keine rationale Vermögensanlage sondern eine Wette. Nicht ohne Grund hält Warren Buffett, der zu Recht als der erfolgreichste Anleger gilt, nichts von Gold. Nach seinen Worten ist es viel besser ein Huhn zu haben, das Eier legt (Unternehmen = Dividenden) als ein Huhn, das nur dasitzt und nichts als Lagerhaltungskosten (Gold) verursacht.

Merke: Angst ist ein schlechter Ratgeber bei der Geldanlage!

Irrglaube #2: Gold sei ein Inflationsschutz

Der Glaube, Gold schütze vor Inflation ist gleich in zweierlei Hinsicht falsch. Erstens die Annahme dass Gold ein guter Inflationsschutz dahingehend darstellt, dass die jährliche Goldpreisveränderung sich ähnlich wie die Inflation entwickelt. Vergleicht man über die letzten 100+ Jahre wie sich der Wertzuwachs von Gold zur Inflation verhält, ergibt sich nur eine Korrelation von 23% (auf Deutsch: Veränderungen der Inflationsrate erklären nur zu 23% Veränderungen des Goldpreises). Zweitens die Annahme, dass die Goldpreisentwicklung langfristig die Inflationsrate übertrifft. Es hängt nur eben davon ab, wie man ‚langfristig‘ definiert… Gold hatte die Inflationsrate über sehr lange Zeiträume nicht ausgeglichen wie z.B. von 1870 bis 1970 oder von 1980 bis 2005. 100 Jahre bzw. 25 Jahre überschreiten einen akzeptablen Zeithorizont auch langfristig eingestellter Anleger… Ja, dazwischen gab es immer wieder mal kürzere Perioden wo der Goldpreis sich positiv entwickelt hat relativ zur Inflation, aber dies waren nur kurze Phasen – es gibt aber keinen kontinuierlichen langfristigen Trend, der bestätigt, dass der Goldpreis die Inflation ausgleicht.

Wovon hängt der Goldpreis ab?

Gold stellt letztlich nur eine andere Alternativwährung dar. Der Preis von Gold ist damit abhängig wie hoch die Zinsen von Staatsanleihen sind. Dies macht auch intuitiv Sinn, denn wenn Zinsen für Staatsanleihen so niedrig sind wie zurzeit, dann ist der entgangene Zins bei einer Anlage in Gold fast zu vernachlässigen. Wenn dagegen die Zinsen hoch sind, überlegt es sich ein rationaler Anleger zweimal bevor er sein Geld von Staatsanleihen in Gold wechselt, da Gold selbst keinen Ertrag abwirft. Die Korrelation von Zinsen (insbesondere langjährigen US Zinsen) und Gold ist sehr hoch; in den letzten 10 Jahren fast 80%. Was heißt dies konkret? Wenn die Korrelation der letzten 10 Jahre stabil bleibt, dann würde bei einem Ansteigen der Zinsen von 10jährigen US Staatsanleihen auf 4% der Goldpreis auf ca. $800 fallen. Merke: steigende Zinsen stellen tendenziell ein Risiko für den Goldpreis dar. .

Gold - US treasuries correlation

Gibt es bessere Alternativen?

Das eigentliche Ziel bei der Zusammenstellung eines Portfolios ist aber nicht so sehr die Diversifikation, sondern die Verringerung der Korrelationen einzelner Vermögenspositionen. Auf Deutsch: wenn Aktien wegen einer Krise mal wieder fallen, dann wünsche ich als Gegengewicht eine Assetklasse, die in diesem Umfeld steigt und damit mein gesamtes Portfolio weniger volatil macht. Gold hat aber in der Vergangenheit mehrfach nicht bewiesen, dass es diese Funktion zuverlässig ausüben kann.

 US AktienGoldUS 10 Jahres Staatsanleihe
1987 Crash-28%+7%+7%
Q1-Q3 1990 (US Rezession, Irak Krise)-15%-6%0%
Juli-Aug 1998 (Asien Krise)-17%-7%4%
2000-2002 (US Rezession, Nasdaq)-44%+17%29%
März 2008-März 2009 (Bankenkrise)-54%-4%16%

Deutsche oder Amerikanische Staatsanleihen sind als Mittel zur Reduzierung der Volatilitäten eines Portfolios besser geeignet. Trotz der aktuell niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen behalten diese eine wichtige Rolle beim Aufbau eines Portfolios, wenn es darum geht, die Portfoliovolatilität zu reduzieren.

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