Research

Ratschläge zur Geldanlage
December 14, 2015

Hochzinsanleihen sind der falsche Weg aus der Niedrigzinsfalle

Hochzinsanleihen sind einer der größten Verlierer des Jahres 2015. Insbesondere US Hochzinsanleihen, also Unternehmensanleihen mit niedriger Bonität, verzeichneten die schlechteste Gesamtrendite seit mehr als 6 Jahren und liegen seit Jahresanfang mit 7% im Minus. Europäische Unternehmensanleihen mit niedriger Bonität ging es nur wenig besser, sie verloren bisher 3%. Anleger hatten sich von scheinbar hohen Zinsen locken lassen, ohne dabei die Risiken zu verstehen. Was waren die Gründe für das schlechte Abschneiden dieser Anlagekategorie und sind die niedrigeren Preise jetzt Kaufkurse?

2015 war das schlechteste Jahr für High-Yield seit 2008

Wie an der folgenden Graphik zu sehen ist, hat sich die Risikoprämie für US Hochzinsanleihen seit Juni letzten Jahres deutlich ausgeweitet. Steigende Zinsen = fallende Anleihekurse. Folge: 2015 verzeichneten High-Yield Anleihen die größten Verluste außerhalb einer Rezession.

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Die Verluste von Hochzinsanleihen in diesem Jahr waren eigentlich keine Überraschung. Wir hatten in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass High-Yield Anleihen schlichtweg zu teuer waren:

  • „… aber wir würden unseren Kunden zurzeit keine Hochzinsanleihen empfehlen“ und „Wegen der hohen Risiken, die mit Hochzinsanleihen verbunden sind, raten wir auch strikt davon ab, dass Privatanleger Einzeltitel ins Portfolio aufnehmen.“ (8. Juni 2015)
  • „Warum Hochzinsanleihen heute unattraktiv sind“ (1. April 2014)

Was war der Auslöser?

Es lassen sich im Wesentlichen 4 Gründe für das schlechte Abschneiden das US High-Yield Marktes anführen:

  • Ölpreisverfall. 13% der US High Yield Emittenten kommen aus dem Energiesektor und mit fallendem Ölpreis brachen den Unternehmen die Gewinne weg. Weitere 6% kommen aus dem Rohstoffsektor und auch hier verhageln fallende Preise die Gewinne. Im Aktienindex S& P500 sind diese beiden Sektoren nur halb so stark gewichtet – kein Wunder, dass der High-Yield Markt schlechter läuft als der Aktienmarkt.
  • Die Bilanzen der US Firmen verschlechtert sich langsam. So ist die Verschuldung heute am höchsten Stand der letzten 10 Jahre. Je höher die Verschuldung, desto höher das Risiko.
  • Anleger sind davon ausgegangen, dass die historisch niedrigen Ausfallraten der letzten Jahre sich nur wenig ändern werden. Aber in 2016 werden die Ausfallraten in den USA wahrscheinlich sprunghaft auf 5-7% ansteigen von nur 3% in 2015.
  • Der High Yield Markt ist recht illiquide. Wie bei einem Raum mit einer kleinen Tür läuft alles problemlos, wenn wenige Menschen raus wollen – wenn dagegen alle gleichzeitig durch die Tür drängen, kommt es zur Panik.

Die Liste an guten Gründen für den Kurssturz ist lang – aber wichtiger ist die einfache Feststellung, dass High-Yield Anleihen in den letzten Jahren zu teuer waren. Ein Unfall war vorprogrammiert, es hätten auch andere Auslöser sein können.

Jetzt kaufen?

Wie wir mehrfach an anderer Stelle geschrieben haben (hier und hier und hierund hier), teilen wir nicht die Begeisterung vieler Anleger für Unternehmensanleihen. Anleger schauen zu sehr auf die angebotene Verzinsung ohne wirklich die Risiken dahinter zu verstehen. Die historischen Daten sind eindeutig: die zusätzliche Rendite von Unternehmensanleihen zu Staatsanleihen kompensiert kaum für das zusätzliche Risiko. Es läßt sich zeigen, dass ein effizientes Portfolio ohne Unternehmensanleihen auskommt.

Für 2016 erwarten wir ca. 3-4% Gesamtrendite für US und EU High-Yield. Für uns ist dies das Risiko nicht wert.

Wenn schon Unternehmensanleihen, dann präferieren wir weiterhin Unternehmensanleihen guter Bonität. Hier ist die Verzinsung zwar niedriger, aber im Verhältnis zum Risiko macht die Bewertung für uns heute mehr Sinn.

Zusammenfassung

Welche Lehren lassen sich aus dem schlechten Abschneiden von Hochzinsanleihen ziehen?

1.       Hochzinsanleihen sollten immer nur ein kleiner Teil des Portfolios sein, max. 5%

2.       Nie von hohen Zinsen alleine locken lassen. Wer das damit verbundene Risiko nicht abschätzen kann, sollte besser davon die Finger lassen

Was Anleger erkennen müssen, ist, dass die Verzinsung (bzw. Ausschüttung) kein objektives Kriterium ist. Die Finanzindustrie kann jeden ‚Zins‘ anbieten, den Anleger suchen – solange die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals vernachlässigt wird. Im Klartext: in einer Welt, in der risikolose 10jährige deutsche Staatsanleihen nur eine Verzinsung von 0,5% pro Jahr bieten, darf man nicht glauben, dass eine Anlage mit 5% Rendite “sicher” sein kann.

Wie man sein Portfolio heute optimal aufstellt, erläutern wir Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch.