Research

Ratschläge zur Geldanlage
May 26, 2015

Ist Ihr Fonds sein Geld wert?

Hohe Kosten sind ein wesentlicher Grund für die schlechte Performance vieler Fonds (siehe hier). Deshalb ist es umso wichtiger, dass Anleger beim Kauf aktiv gemanagter Fonds darauf achten, dass das Fondsmanagement nicht einfach nur den Index kopiert und dennoch viel Geld dafür verlangt. Klingt selbst verständlich? Leider sind viele in Europa angebotenen Fonds in ihrer Zusammenstellung kaum vom Index zu unterscheiden. Norwegen hat als erstes Land die Konsequenzen gezogen und eine Bank gezwungen, entweder die Gebühren für einen populären Fonds zu senken oder aber eine aktiveres Fondsmanagement zu betreiben – andernfalls würde es sich um eine Täuschung der Anleger handeln. (1)

Laut Morningstar betragen die Gesamtkosten für einen aktiv gemanagten Fonds ca. 1,5%-2% pro Jahr – während Indexfonds schon für 0,2% pro Jahr erworben werden können. Wenn ein Fonds in seiner Zusammensetzung weitestgehend dem Index entspricht und dafür aber saftige Gebühren kassiert, dann sind enttäuschende Renditen nach Kosten bereits vorprogrammiert. (2)

‘Active share” zeigt, ob der Fondsmanager überhaupt seiner Arbeit nachkommt

Wie misst man die Aktivität eines Fondsmanagers? In der Praxis hat sich die Kennzahl „active share“ durchgesetzt, die das Fondsportfolio mit seinem Referenzindex vergleicht. Ein Fonds mit einem Aktivitätsgrad von 0% weist keine Abweichung vom Index auf, eines mit einem aktive share von 100% stimmt in keiner Position mit dem Index überein.

Wie aktiv sind die großen Aktienfonds wirklich?

Eine Auswertung des Fondsanalysehauses Morningstar für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (3) hat beispielhaft mehrere große Fonds untersucht, die in Deutschland angeboten werden. Die Frage war ob die Fondsmanager ihrem Leistungsversprechen (‘aktives Fondsmanagement’) auch wirklich nachkommen und es zumindest versuchen, den Vergleichsindex zu schlagen. Bei einigen Fonds, wie dem Dekafonds oder UniFonds (siehe Tabelle) sind Zweifel berechtigt, denn der active share ist extrem niedrig.

FAZ

Die Grenzen des active share und mögliche Alternativen

Ein hoher active share ist Voraussetzung für eine mögliche Outperformance, aber keine Garantie!(4) Fondsmanager, die ihr Portfolio weit von der Benchmark positionieren, können schließlich auch spektakulär danebenliegen. Eine Studie von Fidelity (5) hat gezeigt, dass ein höherer active share zunächst einmal nur bedeutet, dass die Renditeverteilung viel größer wird

active-share-dispersion

Für Anleger, die das Risiko einer deutlichen Underperformance nicht eingehen wollen, sind kostengünstige Indexfonds die bessere Lösung. Mit Indexfonds trägt man zwar auch das Marktrisiko, aber man vermeidet das Risiko Fonds zu kaufen, die schlechter laufen als der Index – über einen 10 Jahres Zeitraum sind dies immerhin über 80% aller aktiv gemanagten Fonds.

Genauso wie Anleger nicht Fonds alleine nur nach der Vergangenheitsrendite aussuchen sollten, so sollten sie ebenfalls nicht Fonds nur nach der active share Kennzahl auswählen. Active share ist nur ein Kriterium neben anderen, die bei der Selektion herangezogen werden. Bei der Fondsauswahl ist neben dem active share auch zu achten auf die Qualität des Anlageprozesses und die analytischen Fähigkeiten des Fondsmanagers und seines Teams. Wenn ein Privatanleger oder Berater nicht in der Lage ist diese beurteilen, dann sollte man besser nicht in aktiv gemanagte Fonds investieren, sondern Indexfonds den Vorzug geben.

 

Quellen:
(1) http://www.ft.com/intl/cms/s/0/caad1152-c97e-11e4-a2d9-00144feab7de.html?siteedition=intl#axzz3USCVPlxQ
(2) http://www.morningstar.de/de/news/122516/wie-aktiv-ist-ihr-fondsmanager.aspx
(3) http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/wie-aktiv-sind-aktive-fonds-wirklich-13559600.html
(4) http://www.ft.com/intl/cms/s/0/102c75bc-a0bf-11e4-b8b9-00144feab7de.html#axzz3UUBlwbOQ
(
5) https://www.fidelity.com/bin-public/060_www_fidelity_com/documents/leadership-series_active-share.pdf

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