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Ratschläge zur Geldanlage
July 4, 2017

Kann man sein Depot gegen Kursverluste absichern?

Absicherung ist möglich. Es gibt eine große Anzahl von Strategien und Produkten, die es dem Anleger erlauben, das Risiko von Kursverlusten deutlich zu reduzieren. Aber die bessere Frage wäre eigentlich: Sollten Anleger sich gegen Kursschwankungen überhaupt absichern? Hier ist unsere Antwort ein klares Nein für langfristige Anleger. Denn die Nachteile der Absicherung überwiegen die Vorteile deutlich. Wir nähern uns dem Problem von drei Seiten.

1. Niemand kann die Zukunft vorhersagen

Wer wollte sich nicht gegen einen Crash absichern? Das würde allerdings voraussetzen, dass wir wissen, wann dies passiert. Wie ‚Börsengurus‘ jeden Tag aufs Neue beweisen, ist es leider unmöglich zuverlässig jede Marktbewegungen vorherzusagen. Warum verwendet die Presse dann so gerne das Wort ‚Guru‘? Wahrscheinlich, weil Scharlatan schwerer zu buchstabieren ist…

Guru

2. Absicherung gibt es nicht umsonst

Anleger können mit verschiedenen Strategien (z.B. Stop-Loss-Order) und Absicherungsprodukten (z.B. Optionsscheine) das Risiko eines Kursverlustes eindämmern. Wie jede Versicherung ist dies nicht umsonst und minimiert damit die Rendite des Portfolios. Natürlich verkauft die Finanzindustrie den Anlegern gern teure Absicherungsprodukte, aber wollen wir wirklich die Taschen der Banken füllen? Wie wir gebetsmühlenartig wiederholen, der Weg zum langfristigen Anlageerfolg geht über eine Reduzierung der Kosten.

Ein Rechenbeispiel: der DAX hatte eine jährliche Rendite von 7% pro Jahr über die letzten 20 Jahre. Wer mit Put-Optionsscheinen einen Kursverlust für die nächsten 12 Monate vollständig absichern will, den kostet dies heute ca. 8% der Geldanlage. Der Unsinn dieser Vorgehensweise ist unmittelbar einleuchtend, schließlich übertrifft dies die durchschnittliche historische Rendite. Dagegen kann man argumentieren, dass man dies nicht jedes Jahr machen wird, aber dann ist man wieder zurück bei Punkt 1, nämlich dass wir nicht wissen, in welchem Jahr es einen Crash gibt. Also Finger weg von Optionsscheinen und dergleichen.

3. Absicherung ist ein Irrweg für langfristige Anleger

Kommen wir zur Krux des Problems: wollen wir bei der Vermögensanlage die Rendite optimieren oder die Volatilität? Beides geht nicht. Anleger müssen sich entscheiden. Nur ist dies eigentlich gar keine sinnvolle Wahl, denn wie wir bereits mehrfach geschrieben haben, Volatilität ist kein zweckdienlicher Zielparameter bei der Vermögensverwaltung. Von einer niedrigen Volatilität kann ich meiner Familie nichts kaufen!

Das wahre Bedrohung für Anleger ist nicht die Volatilität, sondern das Risiko eines engültigen (Total-) Verlusts. Dies zu verhindern ist aber einfach: breit streuen über mehrere Anlageklassen. Die auftretenden Kursschwankungen muss man als unschönen, aber unvermeidbaren Nebeneffekt der Geldanlage akzeptieren. Temporäre Kursschwankungen wird man nie ausschließen können – daher macht es für langfristige Anleger keinen Sinn, Rendite für Absicherung aufzugeben. Wir zeigen Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch, wie man das Ausmaß der Kursschwankungen im Vorhinein eingrenzen kann durch den richtigen Anlage-Mix.

Im Kern ist Anlegen ein Problem der Verhaltenspsychologie. Was nützt die beste Anlagestrategie, umgesetzt mit den besten Fonds, wenn Anleger beim ersten Anflug von Panik einen langfristigen Plan über den Haufen werfen? Anlegen ist wie Abnehmen oder Joggen – Durchhalten ist alles.

Prüfen Sie sich selbst mit diesem einfachen Test!

Angenommen Sie hätten 2 Anlagemöglichkeiten – welche würden Sie wählen?

Anlage#1: Sie legen über die nächsten 15 Jahre monatlich 1.000 Euro an. Es besteht aber die Wahrscheinlichkeit, dass in 2 Ausnahmejahren Ihre Anlage um 50% fällt.

Anlage#2: Sie legen über die nächsten 15 Jahre monatlich 1.000 Euro an. Die jährliche Rendite ist gleich wie bei Anlage#1, aber es gibt keinen zwischenzeitlichen Kursverlust.

Welche Anlage würden Sie bevorzugen?

Die meisten Leser würden Anlage #2 wählen. Aber dies ist die falsche Antwort, wenn der langfristige Wertzuwachs im Vordergrund steht!

Warum? Der Trick liegt darin, dass eben jeden Monat systematisch 1.000 Euro investiert werden. Wenn die Kurse um 50% fallen, dann kauft man in den beiden Ausnahmejahren bei Anlage#1 für sein Geld eben doppelt soviel Anteile. Ohne Frage ist es leichter, mit der Anlage#2 zu leben, aber am Ende steht dann ein niedrigerer Vermögenswert.

Hierin liegt die Herausforderung für Anleger: Volatilität wird als Gefahr wahrgenommen, aber wer einen disziplinierten Anlageplan hat, für den bedeutet Volatilität mehr Chancen.

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