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Ratschläge zur Geldanlage
May 30, 2016

Nachhaltige Anlagen: Wie richtig ethisch-ökologisch investieren

Nachhaltige Anlagen sind inzwischen etabliert, es handelt sich nicht mehr um Nischenangebote. Wir beobachten bei unseren Kunden zunehmendes Interesse an diesem Thema und wollen deshalb hier kurz vorstellen, welche Möglichkeiten es gibt.

Bei dem berechtigten Ziel die Welt zu verbessern gilt aber Vorsicht vor leerem Gerede vom Anlegen „im Einklang mit Natur und gutem Gewissen“. Hier geht es nicht um Gutmenschentum. Sonst nämlich ist eine ganz andere Sache nachhaltig bedroht – der eigene Geldbeutel. Fazit: wer es gut meint, sollte sich gründlich informieren. Gerne vereinbaren wir ein ausführliches Gespräch, um Ihnen die Alternativen im Detail zu erläutern.

Drei unterschiedliche Anlagestrategien

Was nachhaltige Anlagen sind, ist nicht klar definiert – einfach, weil jede Person dies anders für sich selbst beantwortet. Deswegen muss jeder Anleger zunächst einmal entscheiden, welche der folgenden drei Kernstrategien er/sie wählt.  Es ist nicht eine Frage des richtig oder falsch, sondern welche persönlichen Ziele für den jeweiligen Anleger bedeutsam sind.

1. Ausschlusskriterien

Hier werden Negativ-Listen verwendet, um bestimmte Anlagen auszuschließen. Zum Beispiel

  • Sektoren: Kein Tabak, Alkohol, Rüstungsgüter
  • Länder: nur Demokratien, keine Kinderarbeit, Frauenrechte geachtet
  • Religiöse Themen: Scharia-konformes Anlegen

Vorteil: Ausschluss­kriterien bieten Anlegern eine verläss­liche und zentrale Orientierungs­hilfe im Rahmen ihrer ethisch-ökologischen Geld­anlage. Wer wenige Kompromisse eingehen will und ein „reines Gewissen“ sucht, ist hier gut aufgehoben.

Nachteil: Nur weil ich Unternehmen wegen einer Negativ-Liste vermeide, heißt dies noch lange nicht, dass diese auch ihr Verhalten ändern.

2. Best-in-class (Rangliste)

Die Kernidee hinter ethisch-ökologischen Anlagen ist es die Welt zu verbessern. Aber verbessere ich die Welt indem ich bestimmte Bereiche kategorisch ausschließe oder indem ich gutes Verhalten belohne? Das muss jeder für sich selbst beantworten. Beim 2. Ansatz, der auch als best-in-class Ansatz bezeichnet wird, wird nur in solche Unternehmen investiert, die nach bestimmten Kriterien am besten abschneiden. Bei dieser Auswahlmethode darf auch in Firmen investiert werden, die nicht 100-prozentig grün bzw. ethisch sind, die aber zu den nachhaltigsten Unternehmen der jeweiligen Branche gehören.

Vorteil: Fonds mit einem best-in-class Ansatz sind häufig breiter gestreut, denn es kommen mehr Sektoren in Frage. Dieser Ansatz eignet sich auch für kostengünstige Indexfonds.

Nachteil: eine objektive Vergleich­barkeit zwischen den einzelnen Fonds ist nicht möglich, denn jeder Fonds nutzt sein eigenes Rating. Wie die einzelnen Prüfkriterien eines solchen Ratings gewichtet werden, lässt sich objektiv nicht vergleichen. Zudem können auch ethisch und ökologisch fragwürdige Unternehmen im Index auftauchen, nur weil sie in ihrem Sektor besser abschneiden als andere.

3. Impact investing (Einfluß nehmen)

Während es bei der best-in-class Strategie darum geht Anreize zu setzen für Unternehmen, geht es bei diesem Ansatz darum direkt Einfluss auf die Firmen auszuüben. Hier werden Aktionärsrechte verwendet, um mit Unternehmen in Dialog zu treten und Veränderungen hervorzurufen. Doch Vorsicht: viele Fonds werben damit, aber kann ein kleiner Publikumsfonds wirklich ein Großunternehmen wie BP oder VW beeinflussen? Gerade viele nachhaltigen Fonds in Deutschland sind recht überschaubar im internationalen Maßstab und man soll hier nicht überschätzen, was wirklich möglich ist.

Vorteil: Theoretisch größtes Potential Änderungen zu bewirken.

Nachteil: Höhere Kosten, ungeeignet für Indexfonds. Häufig nur wenige Anlagen im Fonds, da hier gezielt etwas verändert werden soll, dadurch höheres Risiko. Bei diesem Ansatz landen im Fonds oft Unternehmen, die alles andere als ethisch-ökologisch sind. Wenig als Basisinvestment geeignet.

Wie geht man bei der Anlageproduktauswahl vor?

Hier geht es darum, mit welchem Produktmantel man die oben gewählte Anlagestrategie umsetzen will. Die gute Nachricht: die Auswahlkriterien bei nachhaltigen Anlageprodukten sind die gleichen wie bei traditionellen Anlegeprodukten.

  • Nur börsengelistete Anlageprodukte, d.h. nur Publikumsfonds und Indexfonds (ETF). NIE geschlossene Fonds. Nach einer Finanztest Studie, die über 1000 geschlossene Fonds untersuchte, hatten nur 6% ihre Gewinnprognose erfüllt, satte 69% bescherten Anlegern Kapitalverluste. Bei einer Überprüfung von geschlossenen Öko-Fonds konnte Stiftung Warentest “keinen der geprüften Fonds guten Gewissens empfehlen”. All dies ist eigentlich seit Jahren bekannt und wer heute noch geschlossene Fonds empfohlen bekommt, sollte vielleicht daran denken, seinen ‚Berater‘ zu wechseln.
  • Kosten reduzieren. Dieser Punkt wird von Anlegern oft sträflich vernachlässigt und vom Vertrieb aus Eigennutz gerne verschwiegen. Doch warum? Auch ein nachhaltiger Anleger hat nichts zu verschenken. Bei Ipanema Capital verwenden wir ein striktes Limit, d.h. alle Anlageprodukte, die mehr als 1,0% pro Jahr kosten, kommen nicht in die engere Auswahl. Erfolgsabhängige Gebühren sind für uns ebenfalls K.O. Kriterien.
  • Breite Streuung zur Risikominimierung. Anleger sollten nie enge Themenfonds kaufen, je breiter die Streuung, umso besser. Alle Anleger, die mit Solar oder Windfonds in den letzten Jahren Schiffbruch erlitten haben, haben hier teures Lehrgeld bezahlt. Ein gutes Produkt investiert global und über mehrere Sektoren hinweg.

Haben nachhaltige Anlagen auch Nachteile? Wie sieht es mit Rendite und Risiko aus?

Nachhaltige Anlagen haben ein höheres Risiko, alles andere wäre Augenwischerei. Dies folgt bereits aus der Zielsetzung, denn nachhaltiges Anlegen weist Einschränkungen dahingehend auf, was alles gekauft werden kann. Beim Anlegen gilt grundsätzlich:

weniger Auswahl = weniger Streuung = höheres Risiko

Das bedeutet: je strenger der ökologisch-ethische Maßstab ist, der angelegt wird, umso größer wird das Risiko.

Beim Thema Rendite streiten sich noch die Geister. Es lassen sich Studien finden, die einen Renditeverzicht zeigen und es gibt Studien, die dies verneinen. Häufig hängt das Ergebnis jedoch davon ab, von welcher Seite die Studie in Auftrag gegeben wurde… Nach unserer Erfahrung weisen nachhaltige Anlagen einen kleinen negativen Renditeunterschied auf. Dies ist auch intuitiv einleuchtend: zum einen weisen nachhaltige Anlagen oft etwas höhere Kosten auf und zum anderen haben nachhaltige Anlagen ein eingeschränktes Anlageuniversum. Wir schätzen, dass man langfristig eine Minderrendite von ca. 1-2% pro Jahr veranschlagen sollte. Morningstar hat in einer Studie festgestellt, dass Nachhaltigkeitsfonds über die letzten 10 Jahre eine um -1,1% niedrigere Rendite pro Jahr hatten als vergleichbare traditionelle Fonds. In einer anderen Studie zeigte sich, dass die Renditeeinbuße umso größer war, je stärker der Nachhaltigkeitsgedanke umgesetzt wurde – ein weiteres Indiz, dass nachhaltige Anlagen nicht renditeneutral sind.

Zusammenfassung – Erwarten Sie keine Perfektion

Anleger müssen verstehen, dass es keine Perfektion gibt. Keine Firma tut nur Gutes. Ein Solarunternehmen kann z.B. seine Mitarbeiter schlecht behandeln. Eine Firma, die Ihre weiblichen Mitarbeiter fördert, kann dennoch ein großer Umweltverschmutzer sein.

Ein gut informierter Anleger kann aber Schwerpunkte setzten. Welche Aspekte sind für Sie von Bedeutung? Wir unterstützen Sie gerne bei der Auswahl des für Sie richtigen Investments.

 

Quellen:

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2699353

https://www.test.de/Geschlossene-Oekofonds-Fast-alle-sind-mangelhaft-4618838-0/

http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-10-21/sustainable-investing-is-booming-is-it-smart-

 

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