Research

Ratschläge zur Geldanlage
August 1, 2015

Rohstoffe – Kaufkurse nach dem Preissturz?

Wir schrieben am 1. November 2014 „Langfristige Anleger sollten Rohstoffinvestments vermeiden“ (hier). Seitdem ist der Rohstoff-Index (Bloomberg) um über 30% gefallen und hatte Ende Juli damit das niedrigste Niveau seit 2001 erreicht. Grundsätzlich werden wir positiver zu einer Anlageklasse, wenn Preise fallen. Sollten Anleger also heute Rohstoffe kaufen?

Including cost of roll, commodities returns drop 1999 level - Bloomberg Commodity Index

5 Gründe, die gegen Rohstoffanlagen sprechen

1. Die langfristige Performance von Rohstoffen ist deutlich schlechter als die von Aktien und Anleihen

Rohstoffe sind als langfristige Anlagekategorie ungeeignet, weil sie niedrige Renditen mit hohen Kursschwankungen vereinen. Die folgende Graphik zeigt anschaulich, dass langfristig bessere Renditen mit Aktien und Anleihen zu erzielen waren, während Rohstoffe NACH Inflationsabzug praktisch keinen Wertzuwachs vorweisen können (schwarze Linie). Dies ist auch intuitiv einleuchtend, denn wer ein Kilogramm Kupfer oder Gold oder einen Liter Öl für 10 Jahre in einen Safe legt, der hat danach auch nur 1kg Kupfer/Gold bzw. 1l Öl. Woher soll die reale Wertsteigerung auch kommen?

Rohstoffe Long-term Returns - SG

2. Die kurzfristige Performance von Rohstoffen ist abhängig vom US Dollar

Ist der momentane Kurseinbruch bei den Rohstoffen wirklich so überraschend? Eigentlich wiederholt sich heute nur ein bekannter Zusammenhang zwischen Rohstoffen und US Dollar …. In der Vergangenheit ist der Preis von Rohstoffen gefallen, wenn der US Dollar stark war. Heute? Der US Dollar hat seit 2014 deutlich gegenüber anderen Währungen an Wert zugelegt und siehe da, der Preis von Rohstoffen fällt zum gleichen Zeitpunkt (siehe Chart unten der den inversen Zusammenhang anschaulich darstellt). Rohstofffe sind, was vielen Anlegern nicht klar ist, eine Wette auf einen fallenden US Dollar. Dies ist vielleicht keine gute Idee zu einer Zeit, wenn die US Notenbank die Zinsen anheben möchte. Dass der Preisverfall nicht spezifisch ist für einzelne Rohstoffe, sondern dass dies auf einen übergeordneten Auslöser zurückzuführen ist, kann man daran erkennen, dass wir in dieser Woche das 1-Jahrestief für sehr verschiedene Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Öl, Kaffee und Zucker gesehen haben.

Negative correlation to US Dollar V2

3. Rohstoffe waren auch eine Wette auf China – jetzt kühlt sich aber das Wachstum in China ab

Anlageprodukte werden oft über eine tolle Story verkauft. Eine spannende Geschichte ist im Verkaufsgespräch mit Anlegern halt verdaulicher als mühsame Zahlen. Nur die Fakten sprechen eben manchmal eine andere Sprache. Im Falle von Rohstoffen ließ sich die Lieblingsgeschichte der Befürworter von Rohstoffinvestments in einem Wort zusammenfassen: China. 1,4 Mrd. Chinesen ziehen vom Land in die Stadt und wollen leben wie wir, ergo steigt der Bedarf an Rohstoffen. Das ist durchaus richtig, nur irgendwann sind die Städte gebaut und der erste Kühlschrank steht in der Wohnung. Wie die folgende Graphik zeigt, war China im letzten Jahr für ca. 50% der weltweiten Nachfrage für viele wichtigen Rohstoffe (Zement, Aluminium, Kupfer, Stahl,…) verantwortlich. Aber die Bevölkerung in China beträgt nur ca. 20% der Weltbevölkerung und das Bruttosozialprodukt 13%. Dass sich irgendwann die Nachfrage normalisieren würde und damit die Rohstoffpreise fallen, hätte eigentlich klar sein sollen.

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4. Portfoliokonstruktion nicht außer Acht lassen

Um es auf den Punkt zu bringen: in kleiner Portfoliobeimischung machen Rohstoffe wenig Sinn, denn was soll ein Anteil von z.B. weniger als 5%? Wer dagegen 10% oder mehr seines Vermögens in Rohstoffe investiert, der betreibt eigentlich eine unverantwortliche Spekulation, denn Rohstoffe (d.h. auch Gold!) haben eben nachweislich eine langfristig schlechtere Performance als Aktien und Anleihen vorzuweisen.

5. Die meisten Anleger sind bereits indirekt in Rohstoffen investiert, ohne es zu wissen

Viele Anleger sind überrascht, wenn sie hören, dass sie ja bereits in Rohstoffen investiert sind. Denn die Aktien von Rohstoffproduzenten verhalten sich letztlich ähnlich wie die Rohstoffe selbst. Der Wert von Eisenerzproduzenten hängt am Preis von Eisenerz, der Wert von Ölförderfirmen am Preis von Öl, usw. Wer zum Beispiel einen globalen Aktienindex wie den MSCI World besitzt, der ist zurzeit mit ca 12% im Rohstoffsektor (materials & energy) investiert. Eine Direktanlage in Rohstoffe darüber hinaus muss nicht sein. Dazu kommt, dass die von Privatanlegern gerne gekauften Rohstoff-ETF sich über längere Zeit vollkommen anders entwickeln können als der zugrundeliegende Preis des Rohstoffes (siehe Beispiele und Erläuterung hier)

Sector weights

Zusammenfassung

Wir investieren für unsere Kunden nicht in Rohstoffe. Wir lassen uns bei unserer Anlageentscheidung nur von Fakten leiten – und diese sprechen gegen eine Anlage in Rohstoffe. Damit ist der tiefere Preis von Rohstoffen für uns auch kein Auslöser, diese ins Depot aufzunehmen. Es gibt Anlagekategorien, wo langfristige Anleger nicht investiert sein sollten – und Rohstoffe gehören dazu, egal bei welchem Preis.

http://www.visualcapitalist.com/china-consumes-mind-boggling-amounts-of-raw-materials-chart/

https://www.msci.com/resources/factsheets/index_fact_sheet/msci-world-index.pdf

 

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