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Ratschläge zur Geldanlage
May 1, 2015

Sind bankeigene Fonds sinnvoll?

Viele Anleger sind skeptisch, was bankeigene Fonds anbelangt und bevorzugen Fonds von Fremdanbietern. Ist die Vorsicht begründet und verhalten sich Anleger intuitiv richtig, wenn sie der eigenen Bank zu starke Eigeninteressen unterstellen? Gibt es bessere Alternativen? Wir wollen hier drei Aspekte beleuchten, um zu einem klaren abschließenden Urteil zu gelangen.

1. Sind Fonds deutscher Anbieter besser oder schlechter?

Die meisten Banken in Deutschland besitzen auch ihre eigenen Kapitalanlagegesellschaften. Die Sparkassen sind Eigentümer der Deka, die VR-Banken der Union, die Deutsche Bank der DWS und so weiter. Viele Kunden dieser Banken bekommen oft zuerst hauseigene Fonds empfohlen. Daran ist an sich nichts verwerfliches, solange die Performance relativ zu den Wettbewerbern gut ist. Aber wie sieht die Realität aus? Die FAZ formulierte es in einem Artikel in 2014 so: „Viele deutsche Fonds taugen nichts. Anleger haben Milliarden in Fonds von DSW, Deka und Union investiert. Dabei hätten sie mit ausländischen Fonds viel mehr verdient. […] Viele Fonds deutscher Kapitalanlagegesellschaften kommen über das Mittelmaß nicht hinaus oder schneiden sogar deutlich schlechter ab als der Durchschnitt.“

FAZ

Gerade die Deka konnte sich in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckern: bei Analysen von Morningstar schnitt die Deka als  “schlechteste Deutsche Fondsgesellschaft” (FAZ) ab. Dennoch verwaltet die Deka mehr als €100 Mrd. “Gerade mit Blick auf die großen Aktienfonds des Hauses müssen sich die Anleger aber fragen, ob sie der Fondsgesellschaft nicht die Treue aufkündigen sollten” (FAZ) – dem ist nichts hinzuzufügen.

2. Sieht es im Ausland besser aus oder ist dies ein rein deutsches Phänomen?

Ein Blick über den großen Teich zeigt, dass es auch in Amerika ähnliche Probleme gibt. In einer im April 2015 veröffentlichten Studie von Morningstar (im Auftrag der New York Times), zeigte sich ebenfalls, dass die bankeneigenen aktiv gemanagten Fondsprodukte schlechter abschneiden als die Benchmark und auch schlechter als die aktiv gemanagten Fonds der bankenunabhängigen Kapitalanlagegesellschaft Vanguard.

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Die Tabelle zeigt noch einen anderen wichtigen Aspekt. Die Fonds von Vanguard, die eine bessere Performance aufweisen, haben auch deutlich niedrigere jährliche Kosten (rechte Spalte). Morningstar hatte in einer anderen Studie einmal gezeigt, dass es einen klaren statistischen Zusammenhang gibt zwischen der zukünftigen Rendite und den Kosten. Soll heißen, die günstigsten Fonds haben eine höhere Wahrscheinlichkeit bei den Top-Performern zu sein. Ein Kostennachteil ist eine derart große Hürde, dass er über längere Zeit nur in den seltensten Fällen durch ein besseres Fondsmanagement ausgeglichen werden kann. Dies erklärt, warum wir bei Ipanema Capital so sehr auf dem Thema “Kosten” herumreiten.

3. Ist die Frage “bankeneigene Fonds oder nicht” irreführend?

Sicherlich ist es für Banken meistens finanziell attraktiver hauseigene Produkte zu empfehlen. Aber keine Sorge, sie verdienen auch Provisionen, wenn sie aktiv gemanagte Fonds von Fremdanbietern empfehlen. Zum einen ist da der Ausgabeaufschlag (einmalig) und zum anderen die Bestandsprovision (jährlich).

Das Problem aus Anlegersicht besteht aber darin, dass es noch eine weitere Anlagemöglichkeit gibt, nämlich Indexfonds (ETF), die in den meisten Fällen eine BESSERE Lösung darstellen als die aktiv gemanagten Fonds der Banken und der Fremdanbieter (siehe hier und hier und hier). Nur warum werden diese selten empfohlen? Weil Indexfonds (ETF) dem Vertrieb, also den Banken und anderen Finanzberatern, keine Provisionen zahlen.

Für viele Privatanleger ist es auf den ersten Blick schwer verständlich, warum die meisten Profi-Fondsmanager in Frankfurt, London oder New York nicht einmal den Marktindex schlagen können. Der Grund ist einfach: letztendlich ist ja der “Markt” nichts anderes als die Gesamtheit aller Fonds. Damit ist die Anlegerrendite gleich der Marktrendite MINUS die Fondskosten, die sich auf ca. 2-3% pro Jahr belaufen (für aktiv gemanagte Fonds, während sie häufig unter 0,5% sind für ETF). Sicherlich gibt es den einen oder anderen aktiv gemanagten Fonds, der es schafft, in dem einen oder anderen Jahr vorne zu liegen. Aber es schaffen eben so gut wie keine Fonds, dies konstant über mehrere Jahre zu erzielen. Eine vor kurzem durchgeführte Studie hatte untersucht, wieviele Aktienfonds in den USA vier Jahre hintereinander in den Top 25% waren – das Ergebnis war niederschmetternd: nur 0,07% aller Fonds. Wer jetzt ernsthaft glaubt, diese glücklichen Fonds im Vorhinein zu finden, der unterliegt leider einer teuren Illusion.

Zusammenfassung

Weder bankeigene aktiv gemanagte Fonds, noch aktive gemanagte Fonds von Fremdanbietern lautet die richtige Lösung für die meisten Anleger. Als Kerninvestment sind kostengünstige Indexfonds das optimale Anlageprodukt.

Niemand geht zum Audi Händler und erwartet eine faire Beratung welches nun das beste Auto in der Mittelklasse sei. Intuitiv wissen Autokäufer was auf sie zukommt – aber beim Fondskauf sind viele Anleger noch recht gutgläubig. Beraten oder verkauft, das ist hier die Frage.

Solange der Vertrieb einen finanziellen Anreiz hat (Provisionen), solange muss der Anleger mit einem Interessenkonflikt rechnen. Es liegt am Anleger selbst, ein Beratungsmodell zu wählen, dass diesen Interessenkonflikt ausschaltet.

Wir zeigen Ihnen gerne, welche Anlageprodukte optimal für den Aufbau und Schutz Ihres Vermögens geeignet sind. Unabhängig von den Banken und Dritten.

 

Quellen:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/wertentwicklung-viele-deutsche-fonds-taugen-nichts-12902479.html
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/deka-fonds-schneiden-in-morningstar-analyse-schlecht-ab-13139349.html
http://www.nytimes.com/2015/04/13/business/dealbook/wall-street-banks-mutual-funds-can-lag-on-returns.html?_r=0
http://www.morningstar.at/at/news/49959/und-was-ist-mit-den-kosten.aspx
http://www.morningstar.com/cover/videocenter.aspx?id=693121
http://www.indexologyblog.com/2015/04/23/spiva-interpretation-and-misinterpretation

 

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