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Ratschläge zur Geldanlage
October 6, 2014

Sind Dividenden eine Alternative bei Nullzinsen?

Zinsen auf 5-jährige deutsche Staatsanleihen liegen zurzeit bei 0,15% pro Jahr und selbst 10-jährige Anleihen bieten nur 0,90% pro Jahr. Die Inflationsrate in Deutschland lag in 2014 bisher bei 1,0%. Bei „sicheren“ deutschen Staatsanleihen ist damit nur eins sicher: nach Inflation, Steuern und Kosten droht dem Anleger wahrscheinlich Wertverlust. Damit rückt die Diskussion von Alternativen in den Vordergrund. Sollten Anleger daher statt auf Zinsen auf Dividenden setzen? Obwohl wir Aktien für langfristige Anleger als unverzichtbar ansehen, so muss man dennoch kategorisch Dividenden als „Ersatzzinsen“ ablehnen, weil Dividendenzahlungen deutlich weniger stabil sind als allgemein angenommen wird. Zudem ist ein Vergleich von Zinsen mit Dividenden irreführend, weil Dividenden nur ein Teil der Gesamtrendite von Aktien darstellen und man Aktien nie nur nach der Dividendenrendite auswählen sollte.

Die Beliebtheit von sog. Dividendenaktien in den letzten Jahren zeigt, wie sehr Anleger einen Ausweg aus dem Niedrigzinsumfeld suchen. Aber neben der Instabilität der Dividenden haben Dividendenaktien zwei weitere Probleme, die von Anlegern häufig übersehen werden: (1) Dividendenaktien sind zurzeit recht teuer, (2) Dividendenaktien sind sehr zinssensitiv, d.h. bei einer Normalisierung der Zinsen werden Dividendenaktien wahrscheinlich unter Druck kommen.

Interessiert an mehr Informationen zu diesem Thema? Die folgende Erläuterung geht im Detail auf die Vor- und Nachteile einer Dividendenstrategie ein. Wir zeigen zudem auf, dass es bessere Kriterien zur Aktienauswahl gibt als Dividenden. Wie sich dies auf Ihre Vermögensanlage übertragen lässt, erklären wir Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch. Sie können uns erreichen unter info@ipanema-capital.com

Argumente pro Dividende:

  • Die Dividendenrendite beim DAX für 2014 liegt bei 3,0%, beim marktbreiteren Euro Stoxx 600 Index bei 3,5%, also deutlich über dem von 10-jährigen deutschen Staatsanleihen.
  • Während der Zinssatz über die Laufzeit einer Anleihe festliegt, steigen Dividenden langfristig. Schaut man sich US Aktien an, so gab es von 1968 bis 2013 insgesamt 38 Jahre mit steigenden Dividenden und nur 7 Jahre mit fallenden Dividenden (wir nehmen hier den S&P 500, da hierfür längere Datenreihen zur Verfügung stehen als bei Aktienindizes in Europa, aber der Trend ist ähnlich).

Argumente contra Dividende:

  • Dividenden sind nicht stabil. Wer also regelmäßig eine feste Verzinsung braucht, dem helfen Dividenden nicht weiter. Von 2008 bis 2009 sind die Dividenden im S&P 500 um 21% gekürzt worden und haben erst in 2012 das Niveau von 2008 wieder übertroffen. In Deutschland sind die Dividenden aller börsengelisteten Aktien in 2009 sogar um 26% gekürzt worden und sie haben auch 5 Jahre später, in 2013, noch nicht das Niveau von 2008 wieder erreicht.

Dividenden

  • Das Hauptproblem ist aber gar nicht einmal die Dividende, sondern die Schwankungsbreite der zugrunde liegenden Aktien. Selbst sogenannte defensive Qualitätstitel wie Nestlé sind in 2008/9 um fast 30% gefallen. Damit droht die Gefahr, dass nervöse Anleger zum falschen Zeitpunkt verkaufen und hohe Verluste festschreiben.
  • Aktien sind daher für Anleger mit einem Anlagehorizont unter 5 Jahren praktisch nicht geeignet, höchstens in kleiner Beimischung bis maximal 25%. (Staats-) Anleihen sind gedacht für Sicherheit (= Rückzahlung des eingezahlten Betrags zu einem bestimmten Zeitpunkt) und regelmäßiger Zinszahlung, während Aktien dem langfristigen Vermögensaufbau dienen (Wertzuwachs über der Inflationsrate), mit einhergehender höherer Volatilität.

Die Frage „Zinsen oder Dividenden“ ist eigentlich irreführend
Festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen haben nur eine Ertragskomponente, nämlich die Zinsen (wenn die Wertpapiere bis ans Laufzeitende gehalten werden). Bei Aktien hingegen sind Dividenden NUR EIN TEIL der Gesamtrendite und damit ist der Vergleich Zinsen versus Dividenden unvollständig im besten Falle, irreführend im schlimmsten Falle. Irreführend, weil Anleger dazu verleitet werden, Aktien nach der Dividendenrendite auszuwählen und dabei Aspekte wie Wachstum, Bewertung, Aktienrückkauf, Bilanzstärke, etc außer Acht lassen. Es ist besser, sich auf Aktien zu konzentrieren, die zwar eine niedrige Dividende haben aber schnell wachsen, als auf Aktien, die eine hohe Dividende aufweisen aber nur langsam wachsen. Der Grund hierfür ist, dass ein gutes Management immer nur einen kleinen Teil des Cash Flows als Dividende auszahlen wird, um dann das meiste Geld in den Betrieb zu investieren und damit weiter zu wachsen. Klassisches Beispiel für Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und niedrigem Wachstum sind Firmen aus dem Telekommunikationssektor wie die Deutsche Telekom. Aktionäre der Deutschen Telekom können ein Lied davon singen, wie enttäuschend sich der Aktienkurs trotz der attraktiven Dividende über die letzten 10 Jahre doch entwickelt hat…

Deutsche Telekom

Dividendenaktien sind keine Heilsbringer – Anleger übersehen 2 aktuelle Probleme

  • Dividendenaktien in Europa sind inzwischen teuer. Teuer ist gleichbedeutend mit niedriger zukünftiger Rendite. Wir hatten in einem Marktkommentar im Juli (siehe hier) bereits im Detail erläutert wie überteuert Dividendenaktien sind und welche Marktsegmente eine bessere Bewertung offerieren.
  • Der Kurs von Dividendenaktien hängt ab von den Zinsen, d.h. Dividendenaktien sind hauptsächlich deshalb so gut in den letzten 4 Jahren gelaufen, weil die Zinsen auf fast 0% gesunken sind. Bei steigenden Zinsen werden Dividendenaktien tendenziell wieder fallen relativ zum Gesamtaktienmarkt. Anleger müssen diesen Aspekt bei der Aufstellung ihres Gesamtvermögens berücksichtigen, weil ein vermeintlich sicheres Depot mit z.B. Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Dividendenaktien und Gold letztlich nichts anderes darstellt, als eine Wette auf fallende Zinsen – jede der vier Vermögenspositionen würde fallen, wenn Zinsen irgendwann wieder deutlich steigen.

 CS high dividend yield stocks tend to underperform when treasury yields rise

Zusammenfassung
Dividenden sind ein wichtiger Bestandteil der Gesamtrendite von Aktien. Aber Anleger, die Aktien allein wegen der Dividende kaufen, begeben sich auf Glatteis.

Wie gehen wir bei der Portfoliozusammenstellung unserer Kunden vor:

  • Wichtiger als Dividenden oder Zinsen ist die Frage welches Wertsteigerungspotential die Anlagen langfristig haben.
  • Da Handelskosten niedrig sind, kann man sich seine eigene „Dividende“ (=Auszahlung) erstellen, indem man jeden Monat oder Quartal einen kleinen Teil seines Portfolios verkauft.
  • Immer auf das Gesamtdepot achten und überlegen wie die Dividendenaktien sich zum Rest des Portfolios verhalten. Wenn man bereits viel festverzinsliche Wertpapiere besitzt (dazu gehört: Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Rentenfonds, etc.), dann macht es wenig Sinn, mit Dividendenaktien eine weitere Vermögensposition aufzubauen, die ebenfalls sehr zinssensitiv reagiert.

Gerne zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihr Vermögen zur Erreichung Ihrer langfristigen persönlichen Ziele optimal aufbauen können.

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