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Ratschläge zur Geldanlage
November 1, 2014

Sind Rohstoffe und Gold eine sinnvolle Anlage?

„Mit Rohstoffen sind attraktive Renditechancen verbunden“, sagen die einen. „Rohstoffe reduzieren das Gesamtrisiko eines Portfolios“, behaupten die anderen. Fakt oder Fiktion? Wir halten uns lieber an die Fakten und die langfristigen Daten sprechen eine deutliche Sprache: Rohstoffe weisen seit 1991 eine deutlich niedrigere Rendite auf als Aktien. Zudem ist die Volatilität nicht geringer als bei Aktien, sondern teilweise sogar deutlich höher. Langfristige Anleger sollten daher Rohstoffinvestments vermeiden (dies gilt übrigens auch für Gold!).

Seit 1991 können Rohstoffe auch für Endanleger einfach per Fonds gekauft werden. Daher konzentrieren wir uns bei der Analyse auf diesen Zeitraum, der mit fast 25 Jahren auch lange genug sein sollte um zuverlässige Aussagen zu treffen. Wir untersuchen hier die 2 am meisten verwendeten Indices, den S&P GSCI und den DJ UBS.

Die jährlichen Renditen der beiden Rohstoffindices liegen nur bei 3-4%. Aktien erbrachten über den gleichen Zeitraum 10% pro Jahr. Die Volatilität ist beim DJ UBS Rohstoffindex vergleichbar mit dem amerikanischen Aktienindex S&P 500, während der S&P GSCI Rohstoffindex noch darüber liegt. Der Grund warum Rohstoffe eine niedrigere Rendite aufweisen als Aktien oder Anleihen ist ganz einfach: Rohstoffe selbst zahlen keine Dividende oder Zinsen. Die Proponenten von Rohstoffinvestments versuchen davon abzulenken indem sie Rohstoffe mit einer tollen Geschichte verbinden (China!, Indien!, Bevölkerungswachstum!, etc) – aber damit erweisen sie Anlegern einen Bärendienst.

Tabelle Deutsch

Wie sieht es mit der Aussage aus, Rohstoffe würden das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren? Damit ist vereinfacht gemeint, dass in dem Zeitraum, in dem Aktien steigen, Rohstoffe fallen und umgekehrt. Leider hält auch diese Behauptung keiner wissenschaftlichen Prüfung statt.  Eine Studie von 2013 hat gezeigt, dass die Volatilität eines Portfolios steigt, wenn neben Aktien noch Rohstoffe aufgenommen werden. 2008 ist hierfür ein schönes Beispiel, weil genau zu dem Zeitpunkt, wo man als Anleger einen Diversifikationseffekt gebraucht hätte, Rohstoffe deutlich stärker fielen als Aktien. In 2008 verlor der S&P GSCI Rohstoff Index ca. 20% mehr als der US Aktienindex S&P 500.

Was spricht noch gegen Rohstoffe:

  • Rohstoffanlagen sind spekulativ, weil keine Dividenden anfallen und damit keine objektiven Bewertungsmaßstäbe möglich sind
  • Rohstoffanlagen sind ethisch bedenklich, weil eventuell durch Finanzinvestoren die Preise ansteigen. Dies gilt insbesondere für Agrarrohstoffe. Dieser Effekt ist zwar nicht unumstritten, aber wir gehen schon davon aus, dass durch die Mittelzuflüsse von Finanzinvestoren die Nachfrage und damit das allgemeine Preisniveau ansteigt.

Zusammenfassung
Rohstoffe sind zum Spekulieren, aber nicht zum langfristigen Anlegen. Die einzige Marktphase in der wir uns eine Anlage in Rohstoffen vorstellen könnten, wäre in einer Hochinflationsphase. Aber mit einer aktuellen Inflationsrate in Deutschland von 1% sind wir von diesem Szenario weit entfernt.

Rohstoffe und auch Gold sind ein zutiefst fehlerhaftes Anlageinstrument. Da Gold selbst keinen Ertrag erbringt, kann es nicht objektiv bewertet werden und öffnet damit Scharlatanen Tür und Tor. Kleinanleger, die sich von zweifelhaften Produktverkäufern haben leiten lassen, zahlen heute den Preis dafür. So ist der Preis von Gold seit dem Hoch in 2011 um mehr als 40% gefallen – was hat dies mit einer sicheren Anlage zu tun? Warum sich gerade Gold als Anlageinstrument nicht eignet hatten wir bereits Anfang des Jahres hier aufgezeigt.

Aber Gold hatte doch für ein paar Jahre eine gute Performance gezeigt? Richtig, aber 2014 ist nicht 2008. Panik und Angst sind keine Strategie. Der starke Anstieg von Gold vor ein paar Jahren ging auf die Furcht zurück, dass die Geldmengenausweitung der Zentralbanken zu (Hyper-)Inflation und einem Kollaps des Finanzsystems führen würden. Dies ist nicht eingetreten und im Gegenteil, die Wirtschaft in den USA und Deutschland hat sich seit 2008 langsam erhohlt. Gold ist nicht bewertbar – daher lässt sich auch kein seriöses Kursziel errechnen. Wir denken vielmehr in Konzepten und wenn man davon ausgeht, dass der Goldpreisanstieg zum großen Teil auf die Angst vor der Zentralbankpolitik zurückzuführen ist, dann sollte man sich vielleicht den Goldpreis ansehen bevor die Zentralbanken aktiv wurden. Damals war der Goldpreis bei $700-$900 pro Unze. Heute sind wir noch bei $1200.

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