Research

Ratschläge zur Geldanlage
November 21, 2014

Sollten Kunst und andere Sammlerstücke Teil eines Portfolios sein?

Lohnt es sich neben den traditionellen Wertanlagen wie Aktien, Immobilien oder Anleihen auch in Sammlerstücke wie Kunst, Briefmarken oder Violinen zu investieren? Es folgt eine objektive Betrachtung der letzten 100+ Jahre dieser Sachwerte mit überraschenden Ergebnissen (1).

Kunst als Anlage

Über die untersuchte Periode von 1900 bis 2012 wiesen Kunst, Briefmarken und Musikinstrumente (Violine) eine jährliche Rendite (nach Abzug von Inflation) von 2,4% bis 2,8% auf. Überraschenderweise, zumindest für uns, war die Performance besser als die von Anleihen, Termingeld oder Gold – allerdings auch mit höherer Volatilität. Wie erwartet, erzielte eine Anlage in Aktien langfristig die besten Ergebnisse.

Die jährliche Rendite nach Inflation im Kurzüberblick: Aktien 5,2%; Briefmarken 2,8%; Violinen 2,5%; Kunst 2,4%; Anleihen 1,5%; Gold 1,1%, Termingeld 0,9%.

Trotz der historischen Rendite wären wir vorsichtig bei der Anlage in Sammlerstücken:

  • Gefahr des Diebstahls. Dies ist nicht trivial und in letzter Konsequenz stimmen die Performancezahlen nicht, denn wer hängt sich schon einen Picasso an die Wand ohne sich gegen Diebstahl zu versichern? Die Versicherungskosten können schnell einen erheblichen Teil der Rendite zunichtemachen.
  • Gefahr des Betrugs. Schon mancher Käufer eines Sammlerstückes musste feststellen, dass die Herkunft des Objekts nicht 100% nachweisbar ist. Dieses Problem gibt es nicht bei Finanzanlagen. Eine Daimleraktie, die an der Börse gekauft wird, ist und bleibt eine Daimleraktie.
  • Hohe Transaktionskosten. Wir mögen uns beklagen über die Handelskosten für Finanzanlagen (im Regelfall zwischen 0,1%-0,5%) oder die Transaktionskosten bei Immobilien (inkl. Notar, Makler, Sachverständiger, Steuer ca. 8%), aber dies ist Nichts im Vergleich zu dem, was die grossen Auktionshäuser verlangen (Sotheby‘s und Christie‘s bis zu 25% (2)).
  • Geschmack/Mode ändert sich. Sammlerstücke, die vor 50 Jahren Mode waren, müssen nicht mehr die gefragten Sammlerstücke von heute sein. Aber wer kann vorhersagen, welche Kunstrichtung in 10 oder 20 Jahren gefragt ist?
  • Illiquidität. Es ist zeitaufwendig einen Käufer zu finden und eine Transaktion durchzuführen.
  • Intransparenz. Da Sammlerstücke nicht häufig gehandelt werden, ist ein Marktpreis schwer festzustellen – wie zuletzt einige wohlhabende Familien in Deutschland (z.B. Aldi-Eigentümer) feststellen mussten, die ihren Kunsthändler wg. “verdeckter Preisaufschläge”(3) verklagten. Vermögensgegenstände, die mit der Bemerkung ‘börsenunabhängig’ beworben werden, stellen bei der Bewertung große Probleme dar. Merke: Intransparenz hilft nie dem Anleger!

Zusammenfassung
Unbestreitbar ist der emotionale Gewinn ein schönes Bild zu besitzen oder mit einer Violine von Stradivari zu musizieren. Liebhaberei ja, als Teil des Vermögensaufbaus aber eher nicht. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: es gibt für langfristige Anleger bessere Anlageformen als Sammlerstücke.

Quellen:
1. The Investment Performance of Art and other collectibles (Elroy Dimson, Christophe Spaenjers), September 2013
2. http://artsbeat.blogs.nytimes.com/2013/02/28/sothebys-raises-commissions-following-lead-of-christies/
3. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/vorwurf-gegen-immendorff-vertrauten-aldi-familie-bringt-kunsthaendler-in-den-knast/10102418.html

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