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Ratschläge zur Geldanlage
September 1, 2015

Trendfolgefonds: sind Computer die besseren Anleger?

Die Idee hinter computergestützten Trendfolgemodellen klingt äußerst verlockend. Diese automatischen Handelssysteme versuchen in allen Marktphasen positive Renditen zu erzeugen indem sie Trends an den Finanzmärkten folgen: wenn Märkte hoch gehen, kaufen sie; gehen sie runter, verkaufen sie. Privatanleger wurden auf Trendfolgemodelle in 2008 aufmerksam, weil sie im Jahr der Finanzkrise hohe Gewinne erzielten, während die meisten Aktien-, Rohstoff- und Unternehmensanleihefonds viel Geld verloren. Ergebnis: Anleger investierten Milliarden in Trendfolgefonds wie den sehr populäre MAN AHL Fonds. Wie sieht aber die Realität seitdem aus und gehören diese Trendfolgefonds eigentlich überhaupt in Ihr Depot?

Die Rendite der meisten Trendfolgemodelle seit 2009 ist enttäuschend

Während in 2008 die Anleger noch ihre computergestützten Modelle feierten, so ist seitdem der Kater groß. Die Renditen der Trendfolgefonds ist weit hinter den Erwartungen geblieben, die Wundergeschichten sind verblasst. Schon 2011, 2012 und 2013 mussten die meisten Investoren wieder Verluste hinnehmen, während Aktien und Anleihen deutlich stiegen.

Die folgende Tabelle zeigt anschaulich, dass Anleger sich nicht von einem einzigen Jahr täuschen lassen sollten. Nur weil Trendfolgefonds in 2008 gut abschnitten, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie diesen Trick in den Folgejahren wiederholen konnten. Von 2008 bis Mitte 2015 erzielten Trendfolgefonds (CS Managed Future Index) eine schlechtere Rendite als Aktien oder Anleihen. Aktienanleger, die selbst das Krisenjahr 2008 mitgemacht hatten, stehen über einen längeren Zeitraum betrachtet deutlich besser dar

 Trendfolgefonds:
CS Managed
Futures Index
Aktien:
S&P 500
Index
Anleihen:
Barclays Aggregate
Bond Index
Ausgewogen:
60/40
(Aktien/Anleihen)
200818,3%-36,6%5,2%-19,8%
2009-11,3%25,9%5,9%17,9%
201012,2%14,8%6,5%11,5%
2011-4,2%2,1%7,8%4,4%
2012-2,9%15,8%4,2%11,2%
2013-2,6%32,2%-2,0%18,5%
201418,4%13,5%6,0%10,5%
2015 (Ende Juni)-4,1%1,2%-0,1%0,7%
2008-20152,6%6,9%4,4%6,6%
Volatilität11,5%21,1%3,4%12,4%
2009-20150,4%15,8%4,3%11,4%
Volatilität10,5%11,4%3,7%6,5%

Eigentlich ist die Betrachtung 2008-2015 wenig hilfreich, denn die meisten Anleger sind ja erst eingestiegen NACHDEM sie die guten Zahlen der Trendfolgefonds in 2008 gesehen hatten. Schaut man sich eine realistischere Betrachtung an von 2009 bis Mitte 2015, dann sieht das Ergebnis der Trendfolgefonds noch schlechter aus – über diesen Zeitraum haben sie nämlich nur 0% Rendite vorzuweisen. Merke: 1-Jahres Performancezahlen sind nicht geeignet um gute Anlagestrategien zu erkennen.

Trendfolgemodelle sind eine Wette auf eine ganz bestimmte Marktsituation

Trendfolger brauchen zwei Dinge um erfolgreich zu sein: zum einen individuelle Märkte mit anhaltenden Trends und zum anderen eine niedrige Korrelation zwischen den einzelnen Teilmärkten. Wenn dies nicht vorliegt, dann haben Trendfolgemodelle Schwierigkeiten attraktive Renditen zu erzielen. Welcher Anleger ist aber in der Lage, eine Vorhersage darüber zu treffen, ob diese beiden Voraussetzungen auch in der Zukunft vorliegen werden? Ist dies wirklich eine ‘Wette’, die Anleger eingehen sollten?

Zusammenfassung: Trendfolgemodelle haben nur einen Vorteil

Der größte Vorteil der Trendfolgemodelle gegenüber Aktien liegt in ihrer niedrigeren Volatilität. Trendfolgestrategien sind auf lange Sicht stabiler als ein Aktienindex. ABER: wie Zahlen objektiv zeigten, bleiben deren Rendite langfristig auch deutlich hinter Aktien zurück. Nur wozu lege ich als Anleger mein Vermögen eigentlich an? Um die Volatilität zu reduzieren oder eine bestimmte Rendite zu erzielen? Doch wohl Letzteres. Von einer niedrigen Volatilität kann ich mir nach 10 Jahren nichts kaufen. Die Finanzbranche befeuert die Angst der Anleger vor Kursschwankungen um im Gegenzug Produkte zu verkaufen (und Gebühren zu erzielen), die eigentlich kein Mensch braucht.

Wenn ein Anleger das Risiko von Aktien scheut, dann sollte er den Aktienanteil zugunsten von Anleihen reduzieren. Dies ist sinnvoller als in irgendwelche von außen kaum verständlichen Computermodellen zu investieren.

Auf einen weiteren großen Nachteil vieler Trendfolge Fonds sei hier noch einmal explizit hingewiesen: sie haben vergleichsweise hohe Gebühren, zu denen oft noch eine erfolgsabhängige Gebühr kommt. Anleger sollten IMMER auf die Kosten achten, denn diese können die Rendite erheblich schmälern.

Bisher hatten wir uns vorsichtig zu Trendfolgefonds, Risk Parity Fonds und Rohstofffonds geäußert. Wenn Sie Fragen haben, welche anderen Anlagestrategien mit Vorsicht zu geniessen sind, setzen Sie sich einfach mit uns in Kontakt. Wir freuen uns auf ein Gespräch.

 

Quellen:

AHL MAN (WKN A0RNJ6)

http://awealthofcommonsense.com/the-importance-of-intellectual-honesty-in-the-markets/

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