Research

Ratschläge zur Geldanlage
March 30, 2017

Venture Capital und Crowdinvesting: Anlegen wie die Großen?

Anleihen werfen kaum Zinsen ab und Aktien haben oft mit größeren Kursschwankungen zu kämpfen. Profianleger schauen sich deswegen alternative Anlageklassen wie Private Equity oder Venture Capital an. Gerade Venture Capital, auch Wagniskapital genannt, erscheint für viele Anleger interessant, denn hier wird in junge, wachstumsstarke Unternehmen investiert mit hohem Rendite Potential. Doch nicht alles was möglich ist, macht auch Sinn. Wir zeigen hier die Performance-Daten der Venture Capital Branche in Europa über einen längeren Zeitraum.

Die Ergebnisse sind leider nur als katastrophal zu bezeichnen. Merke: eine gute Story („ich investiere in Zukunftswerte…“) führt nicht automatisch zum Anlageerfolg. Privatanleger, die Geldanlage nicht nur als Unterhaltung ansehen, sollten einen großen Bogen um das Thema Venture Capital machen. Crowdinvesting als Unterkategorie des Venture Capital ist noch weniger geeignet für Privatanleger.

Wenn selbst Festgeld besser ist

Wir bei Ipanema Capital bevorzugen einen evidenzbasierten Anlageansatz. Wir lassen uns nicht von tollen Stories leiten, sondern einzig von Zahlen und Fakten. Es geht schließlich um Ihr Geld. Venture Capital würde für uns in Frage kommen, wenn die historischen Daten einen nachweisbaren Beweis liefern, dass diese Anlagekategorie unter Rendite/Risikogesichtspunkten sinnvoll ist.

Wie sahen nun die Renditen von Venture Capital Fonds in Europa aus? Die Europäische Gesellschaft für Private Equity und Venture Capital hat 753 Fonds untersucht. Man sollte zur Beurteilung der Geeignetheit einer Anlagekategorie besser längere Zeiträume heranziehen: über den untersuchten 10-Jahreszeitraum lag die jährliche Rendite nur bei 0,8%. Die Ergebnisse waren dabei weitestgehend unabhängig von der Fondsgröße.

 3 Jahre annualisiert5 Jahre annualisiert10 Jahre annualisiert
Performance bis 20132,3%1,3%0,8%

Um es deutlich zu machen: die gelieferten Renditen sind extrem enttäuschend, kaum besser als Festgeld. Man muss die Rendite aber auch immer im Verhältnis zum eingegangenen Risiko sehen – und dann kann man die Ergebnisse auch als katastrophal bezeichnen, denn Anleger in VC Fonds gehen sehr hohe Risiken ein:

  • Illiquide. Die meisten Fonds haben eine Laufzeit von 7-10 Jahren. Anleger kommen also vorher kaum an ihr Geld. Lebensverhältnisse können sich aber ändern, daher sollten Privatanleger besser nur in täglich verkäufliche Anlageformen investieren – selbst wenn sie einen langfristigen Anlagehorizont haben.
  • Risiko des Totalverlustes. Wer in einen breiten Aktienindex wie den MSCI World investiert, der muss zwar kurzfristige Schwankungen ertragen, aber ein Totalverlust ist praktisch ausgeschlossen, da sich die >2000 im Index enthaltenen Großunternehmen wie Nestlé oder Amazon nicht von heute auf morgen in Luft auflösen werden. Ganz anders sieht es bei Venture Capital Fonds aus. Hier wird in eine kleine Anzahl von hochspekulativen Firmen investiert und eine breite Diversifikation ist kaum möglich.

Sicherlich gibt es den einen oder anderen Venture Capital Fonds der besser abgeschnitten hat, aber es ist meist REINER ZUFALL diesen im Vorhinein zu finden.

In Fairness bleibt anzumerken, dass die hier zitierte Studie schon etwas älter ist und der letzte 10-Jahreszeitraum in 2013 endete. Vielleicht sind seitdem Wunder geschehen? Aber angesichts derart schlechter Performance-Zahlen ist es möglicherweise keine Überraschung, dass die Venture Capital Branche seitdem keine neuen Zahlen veröffentlicht hat?

Was ist mit Crowdinvesting?

Hier handelt es sich um eine Unterkategorie des Venture Capital. Privatanleger können direkt (also nicht über Fonds) mit kleineren Beträgen in Start-ups investieren. Die Zahl der Online-Plattformen, die diese Art von Crowdinvesting anbieten, boomt in Deutschland. Nur kurz: ich würde privat keinen Cent meines eigenen Geldes hier investieren! Wenn Privatanleger mit ihrem Geld spielen wollen und Unterhaltung suchen, empfehle ich den Besuch eines Casinos. Als Teil einer langfristigen Geldanlage ist bei Crowdinvesting aber abzuraten.

Beispiel gefällig? Bei führenden Plattformen wie Campanisto oder Seedmatch investieren Anleger nicht in Unternehmensbeteiligungen („Aktien“), sondern in komplexen Beteiligungsinstrumenten wie „partiarische Nachrangdarlehen“. Hier handelt es sich nicht um rechtliche Nuancen, sondern es liegen Welten dazwischen. Die partiarischen Darlehen haben zwar das Risiko des Totalverlustes, aber im Gegenzug zu Aktien bieten sie nicht die gleichen Gewinnchancen und oft kaum Mitspracherechte. Wer die rechtlichen Unterschiede zwischen Aktien und nachrangigen Darlehen nicht versteht, der sollte besser auch die Finger von Crowdinvesting lassen.

Ob Anleger sich der Risiken bewusst sind? Laut der deutschen Finanzaufsicht BaFin dürfen nur Vermögensanlagen mit Prospekt angeboten werden. Für die Vergabe der bei Crowdinvesting Plattformen üblichen partiarischen Darlehen gibt es aber keine gesetzliche Prospektpflicht. Die Plattformen müssen ihre Crowd-Investoren daher nicht so umfangreich und verlässlich über Risiken informieren wie zum Beispiel herkömmliche Fonds. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Zusammenfassung

Die Finanzbranche leidet darunter, dass es einfacher ist, Anleger mit Storytelling zum Verkaufsabschluss zu bewegen als sie mit trockenen Zahlen zu überzeugen. Wir wollen hier aber bewusst einen anderen Weg gehen. Wir möchten klar aufzeigen, welche Anlageformen den Nachweis erbracht haben, dass sie wirklich Teil einer langfristigen Vermögensanlage sein können. Leider gehören Venture Capital Anlagen und erst recht Crowdinvesting nicht dazu.