Research

Ratschläge zur Geldanlage
May 26, 2014

Von den Besten lernen

Wir sind im Allgemeinen sehr kritisch gegenüber den Leistungen, die die Mehrheit der aktiven Fondsmanager abliefern. Daher verwenden wir als Hauptbestandteile unserer Anlagestrategien kostengünstige Index ETF und nur dann aktive Fonds, wenn dies in Einzelfällen gerechtfertigt erscheint. Aber es gibt unter den vielen aktiven Fondsmanagers auch die berühmte Nadel im Heuhaufen, von denen jeder Anleger lernen kann.

Einer der besten Investoren ist nach unserer Meinung Steven Romick, Leiter des FPA Crescent Fonds. Steven Romicks lange Liste an Auszeichnungen ist beeindruckend, zum Beispiel in 2013 Morningstar Fondsmanager des Jahres (Kategorie: Allokation) oder 2009 Morningstar Finalist als US Fondsmanager des Jahrzehnts. Noch beeindruckender aber ist die langfristige Performance des FPA Crescent Fonds, der über die letzten 20 Jahre den S&P übertroffen hat UND gleichzeitig eine deutlich niedrigere Volatilität aufwies. Weniger als 5% aller Fonds sind besser als der Index über einen Zeitraum von 20 Jahren. Aus $10.000 wurden in den letzten 20 Jahren ca $90.000 während ein Investment im S&P500 ca. $60.000 erzielte.

In einem letzte Woche veröffentlichten Interview legte Steven Romick seine aktuelle Marktmeinung dar:

Steven Romicks wichtigste Aussagen:

  • Der Fonds hat zurzeit den 2. höchsten Cash-Bestand in seiner Geschichte (46%, Stand März 2014).
  • Alle Anlagekategorien, sei es Aktien oder Anleihen, sind teuer. Er findet zur Zeit kaum attraktiv bewertete Anlagemöglichkeiten.
  • Die aggressive monetäre Politik der US Zentralbank ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Das Portfolio heute eindeutig auf entweder Inflation oder Deflation auszurichten, ist die falsche Strategie.
  • Schwellenländer (Emerging Markets) sind nur oberflächlich billig, weil die Indexschwergewichte zwar günstig bewertet sind, aber sich meistens in unattraktiven Sektoren befinden.
  • Russland: der FPA Crescent Fonds hat seit Q1 2014 ein paar kleinere Positionen aufgebaut. Schwierige Fundamentaldaten sind eine Sache, Bewertung eine andere. Wenn man nicht bereit ist etwas Geld zu riskieren, wird man auch nichts verdienen.
  • Steven Romick erwartet, dass die Volatilität an den Finanzmärkten zunimmt.

Nun kann man uns vorwerfen befangen zu sein, schließlich haben wir dieses Jahr über genau diese Themen geschrieben: hoher Baranteil hier, unattraktive Bewertung hier und hier und hier, Russland hier, Emerging Market Index Problematik hier und die Gefahr steigender Volatilität hier.

Bevor Leser dieses Kommentars jetzt versuchen diesen Fonds zu kaufen, müssen wir alle Interessenten jedoch enttäuschen. Zum einen ist der Fonds für neue Anleger geschlossen und zum anderen war der Fonds nur in den USA, aber nie in Deutschland zugelassen. Dennoch sind die Lehren aus dem Anlageprozess von Steven Romick auch hier gültig. Was sind unserer Meinung nach die Gründe für seinen langfristigen Erfolg:

  • Keine Restriktionen: der FPA Crescent Fonds besitzt Freiheiten überall anzulegen, d.h. in allen Ländern, Industriesektoren, Unternehmensgrössen oder Anlagekategorien. Anleger vergeben Chancen, wenn sie Fonds mit zu engen Anlagerichtlinien auswählen.
  • Value Ansatz: das wichtigste Entscheidungskriterium ist die Bewertung (nicht Momentum, nicht Thematisch oder rein quantitative Modelle).
  • Keine strenge Index- oder Benchmarkorientierung. Wenn ein Fondsmanager besser abschneiden will als der Markt, muss sein Portfolio zwangsweise vom breiten Markt abweichen. Für Anleger bedeutet dies, dass sie sich bewusst sein müssen, dass dieser Ansatz nicht in allen Perioden den Index schlagen kann, sondern dass es immer Phasen gibt, wenn der Fonds schlechter läuft. Der FPA Crescent Fonds ist ein klassisches Beispiel: obwohl er das seltene Kunststück fertiggebracht hat, seine Benchmark (S&P500) über 20 Jahre deutlich zu schlagen mit niedrigerer Kursschwankung, so war der Fonds in 11 dieser 20 Jahre schlechter als der Index! Es kommt auf die Anlagestrategie und die langfristige Performance an, nicht auf das Ergebnis der letzten 1, 2 oder 3 Jahre, die vielfach vom Zufall geprägt sind.
  • Fondsmanagers sollen sich hauptsächlich auf die Unternehmensanalyse konzentrieren, aber dabei nicht die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge vernachlässigen. Viele Fondsmanager sehen sich nur als stock-picker (d.h. sie konzentrieren sich auf die Einzeltitelauswahl) und lassen die Makroanalyse bewusst außen vor. Etwas intellektuelle Flexibilität sollten Fondsmanagers aber mitbringen, denn schließlich operiert kein Unternehmen in einem Vakuum wie 2008 schmerzhaft gezeigt hat.
  • Die Rolle des Baranteils im Portfolio nicht unterschätzen. Nur wer einen flexiblen Ansatz bzgl. des Baranteils hat, kann auch in schlechten Zeiten von fallenden Kursen profitieren. Viele Fonds haben enge Vorgaben, dass sie nur einen bestimmten Prozentsatz in Bar vorhalten dürfen. Was aber wenn man nicht genug attraktive Anlagemöglichkeiten findet?

Wir erläutern Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch, welche Fonds passend für die Umsetzung Ihrer finanziellen Ziele sind. Sie können uns erreichen unter info@ipanema-capital.com.

 

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