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Ratschläge zur Geldanlage
December 8, 2014

Vorsicht bei außerbörslichem Beteiligungskapital

Google und Apple haben alle einmal als kleine start-ups angefangen und sind heute unter den größten und erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Wer wollte nicht bei diesen Firmen in einem frühen Stadium investieren? Genau das ist der Ansatz von sog. Venture Capital (VC) Gesellschaften, oder zu Deutsch, außerbörslichen Beteiligungskapitalgesellschaften. Ist es nicht viel spannender und erfolgsversprechender in kleinen aufstrebenden Firmen zu investieren, als an der Börse Aktien in bereits großen Unternehmen zu kaufen, die schon die Zeiten starken Wachstums hinter sich haben?

Anleger werden mit ähnlich klingenden Werbebotschaften für alle Arten von Investmentprodukten bombardiert. Auch in Deutschland kann man inzwischen als Privatanleger in Anteilen an solchen außerbörslichen Beteiligungsgesellschaften investieren.

Ist eine Anlage in Beteiligungsgesellschaften wirklich so interessant? Bei Ipanema Capital versuchen wir Fakten von Fiktionen zu trennen. Deswegen ein kurzer Überblick, was Beteiligungsgesellschaften in der Vergangenheit tatsächlich an Renditen geliefert hatten und was die Vor- und Nachteile sind.

Die Renditen der Venture Capital Gesellschaften waren eher enttäuschend

Eine Untersuchung von mehr als 1.000 Beteiligungsgesellschaften in Amerika durch Cambridge Associates hat gezeigt, dass ein Anleger in einem breiten Aktienindex wie dem S&P 500 in den letzten 1, 3 und 5 Jahren eine bessere Rendite erwirtschaftet hätte als ein Anleger in Beteiligungsgesellschaften (in Europa ist das Bild ähnlich). Nur nach 10 Jahren sieht das Bild für Beteiligungsgesellschaften etwas besser aus. Aber Beteiligungsgesellschaften investieren in kleine Firmen. Daher ist der S&P 500, der nur die größten Unternehmen beinhaltet, gar nicht einmal der richtige Vergleich. Zieht man zum Vergleich einen Aktienindex für kleinere börsengelistete Firmen wie den Russell 2000 heran, so ist die Performance von VC Gesellschaften auch über 10 Jahre nicht wirklich viel besser.

Tabelle Deutsch

Erst wenn man Zeiträume über 15 Jahre heranzieht sieht es besser für Anleger in Beteiligungsgesellschaften aus. Unserer Meinung nach liegt dies aber hauptsächlich an den außergewöhnlichen Renditen während der Internetblase in 1999-2000 und wir würden bezweifeln, dass sich dies wiederholen lässt.

Klar, es gibt immer mal wieder die eine oder andere Beteiligungsgesellschaft, die eine überragende Rendite bringt. Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit diese wirklich im Vorhinein zu entdecken? Anleger/Berater, die es nicht schaffen, die besten Fonds oder Aktien zu finden, wollen auf einmal Spezialisten für das noch kompliziertere Gebiet der Beteiligungsgesellschaften sein?

Die Renditezahlen müssen noch risikoadjustiert werden

Beteiligungsgesellschaften sind deutlich riskanter als Aktien und daher sollte man die Renditen nicht 1:1 vergleichen. Gründe für das höhere Risiko von Anlagen in Beteiligungsgesellschaften sind vielfältig:

  • Die Anteile sind illiquide, d.h. nicht täglich veräußerbar wie börsengehandelte Wertpapiere. Die durchschnittliche Laufzeit bis man bei Beteiligungsgesellschaften sein Geld wiederbekommt ist ca. 6-8 Jahre, oft sogar deutlich über 10 Jahre. Anleger geben also viel Flexibilität auf, wenn sie sich solange binden. Gerade Anlageverkäufer in Deutschland im sog. Grauen Kapitalmarkt werben gerne damit, dass man „börsenunabhängig“ sei, aber was wirklich damit gemeint ist, ist das man aus seinem Investment nicht mehr so einfach herauskommt.
  • Die Renditen am VC Markt sind nicht gleichverteilt, d.h. nur ein sehr kleiner Teil an Beteiligungsgesellschaften erzielt hohe Renditen, während die Mehrheit enttäuscht. Woran liegt das? Es gibt eben nur ein paar attraktive Investments pro Jahr und nur weil mehr Geld in Beteiligungsgesellschaften fließt, heißt es noch lange nicht, dass damit auch die Anlagemöglichkeiten mehr werden. Eine groß angelegte Studie in den USA, die von 2004 bis 2013 sich über 20.000 Finanzierungsfälle angesehen hat, zeigte, dass 65% der Anlagen zu Verlusten führten. Die richtig großen Gewinner, d.h. solche Investments, die sich mehr als verzehnfacht hatten, gab es nur in 4% aller Fälle.

Right skewed distribution

  • Diese Ungleichverteilung zwischen Gewinnern und Verlieren macht es aber praktisch unmöglich einen attraktiven Fonds zusammenzustellen. Nimmt man als Beispiel einen Fonds an, der mit $100 Mio ausgestattet ist und der mit den oben gezeigten Wahrscheinlichkeiten in 20 Unternehmen investiert, dann kommt als Ergebnis nach Ende der Laufzeit des Fonds ein Wert von ca. $206 Mio heraus. Über die durchschnittliche Laufzeit eines Fonds bedeutet dies aber nur eine jährliche Rendite von 10% pro Jahr. Schlimmer, hiervon müssen noch die Kosten für die VC Gesellschaft abgezogen werden, die man mit mindestens 1-2% pro Jahr annehmen kann. Im Endergebnis erhält der Anleger also nur eine jährliche Rendite von 8-9% – eigentlich genau das, was wir in der Tabelle oben auch nach 10 Jahren erkennen (9,7%).

Zusammenfassung
Beteiligungsgesellschaften sind eine faszinierende Idee, aber die Fakten sprechen nicht dafür, diesen eine bedeutende Rolle bei der Vermögensplanung einzuräumen. Wer ein Vermögen im zweistelligen Millionenbereich hat und auch auf eine mittelfristige Liquidität seiner Anlagen nicht angewiesen ist, kann sich Beteiligungsgesellschaften durchaus aus Diversifikationsgründen ansehen. Für die überwiegende Mehrheit der Privatanleger würden wir Beteiligungsgesellschaften in den meisten Fällen ablehnen.

Anleger müssen nicht verzweifeln, sondern sollten im Gegenteil das Positive dieser Ergebnisse sehen:

  • Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Für die langfristige Vermögensanlage reichen 4 Anlagekategorien: Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Immobilien und Aktien.
  • Es macht keinen Sinn, irgendwelchen exotischen Anlageformen hinterherzurennen. Aktien liefern eine ähnliche Rendite mit geringerem Risiko und bei besserer Liquidität.

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