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Ratschläge zur Geldanlage
March 7, 2016

Warnsignale vor der Pleite von German Pellets

Privatanleger haben vermutlich fast 250 Millionen Euro mit ihren Anlagen im Holzschnitzelhersteller German Pellets verloren. Wir wollen hier aufzeigen, welche Warnsignale es bereits vorher gab und wie man in Zukunft ähnliche Pleiten vermeidet. Die folgende kurze Checkliste hat uns und unseren Kunden geholfen, um dem Thema ‘Mittelstandsanleihe’ von Anfang an komplett fernzubleiben.

Warnsignal #1: Wenn Kleinanleger der Adressatenkreis sind

Fonds beschäftigen Heerscharen von Finanzanalysten, die Anlagen auf mögliche Probleme abklopfen. Eine Firma, die dagegen bei der Finanzierung nur auf Kleinanleger abzielt, vermeidet eine intensive Prüfung durch Spezialisten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… Sicherlich sind auch die Profis nicht allwissend, aber es ist doch leider so, dass sich Privatanleger leichter über den Tisch ziehen lassen als Profianleger. Schon die massive Fernsehwerbung von German Pellets um Geld für Genussrechte einzusammeln, hätte hellhörig machen müssen. Profianleger erreicht man anders.

Merke: Ein Unternehmen, dass sich intensiv um Kleinanleger bemüht, ist oft von anderen Geldgebern abgeschnitten und das hat meistens seinen guten (vielmehr: schlechten) Grund.

Warnsignal #2: Hohe Zinsen über allgemeinem Marktniveau

Bei der letzten Anleiheemission versprach German Pellets 7,25% Zinsen (Prokon bot Investoren vor der Pleite ähnliche Renditen). Woran soll ein Privatanleger aber erkennen, welche Zinsen zu hoch oder welche angemessen sind? Ganz einfach: man vergleicht die Verzinsung mit anderen Unternehmensanleihen niedriger Bonität (sog. Hochzinsanleihen). Dabei gilt, wenn die Zinsen deutlich höher sind als bei Unternehmensanleihen niedriger Bonität, dann sollten sofort die Alarmglocken läuten. Schließlich hat kein Unternehmen etwas zu verschenken und daher wird niemand 7,25% Zinsen Privatanlegern anbieten, wenn er bei Profianlegern deutlich weniger bezahlen müsste. Als die letzte Unternehmensanleihe von German Pellets begeben wurde, lag die Verzinsung bei Unternehmensanleihen niedriger Bonität bei 4%.* German Pellets hatte also fast doppelt so viel offeriert wie Unternehmensanleihen niedriger Bonität.

Merke: Eine hohe Diskrepanz zu vergleichbaren Renditen sollte stutzig machen. Letzten Endes gilt immer noch der Grundsatz, je höher die Verzinsung, desto höher das Risiko.

Warnsignal #3: Vorsicht bei Modethemen

Anlagen lassen sich leichter verkaufen, wenn sie mit einer tollen Story verbunden werden. Ein Trendthema wie erneuerbare Energien ist für viele Privatanleger auch leichter konzeptionell zu begreifen als ein komplizierter Finanzplan. Doch bei dem berechtigten Ziel die Welt zu verbessern, gilt es vorsichtig zu sein vor leerem Gerede vom Anlegen „im Einklang mit Natur und gutem Gewissen“. Hier geht es nicht um Gutmenschentum. Sonst nämlich ist eine ganz andere Sache nachhaltig bedroht – der eigene Geldbeutel.

Merke: Nachhaltige Anlegen sind etabliert – es gelten aber weiterhin die gleichen Grundsätze wie bei traditionellen Anlagen auch. Dazu gehört die Notwendigkeit einer breiten Streuung zur Risikominimierung. Daher sollten die meisten Anleger nie in einzelne Unternehmen oder enge Themenfonds investieren. „Grün“ ist nicht automatisch „gut“.

Warnsignal #4: Das Geschäftsmodell ist eine Wette

Würden Sie in ein Unternehmen investieren, dessen Überleben alleine vom Ölpreis abhängt? Sicherlich nicht, dies wäre auch nur eine Wette auf den zukünftigen Ölpreis und keine Anlage. Dennoch haben Anleger in German Pellets genau dies getan. German Pellets ist letztendlich gescheitert, weil der Preis des Wettbewerbproduktes (in diesem Falle Öl und Gas) stark gefallen ist und Holz-Pellets nicht mehr konkurrenzfähig waren.

Merke: Nur anlegen, wenn man das Geschäftsmodell zu 100% versteht. Doch um ehrlich zu sein, welcher Privatanleger ist in der Lage, ein Geschäftsmodell intensiv zu durchleuchten, so dass er alle wesentlichen Risiken versteht? Deswegen sollten Privatanleger, auch wenn es noch so reizvoll erscheint, von Einzeltiteln Abstand nehmen.

Zusammenfassung

Es bleibt wichtig festzuhalten, dass die Pleite von German Pellets alles andere als unerwartet kam – wir hatten mehrfach davor gewarnt, in sog. “Mittelstandsanleihen” anzulegen (zuletzt im Juni 2015, siehe hier). Es gibt unübersehbare Parallelen zum ‘Neuen Markt’, wo die emittierenden Unternehmen mit spannendem Storytelling bis zum bitteren Ende ihr Geld mit Börsengängen verdienten, obwohl die Prognosen unrealistisch waren. Der Begriff ‘Mittelstandsanleihe’ war zum Teil Etikettenschwindel, denn damit sollte Solidität vorgegaukelt werden, die in vielen Fällen nicht existierte.

Warren Buffett, der wohl erfolgreichste Anleger der Welt, sagte einmal, er kenne nur zwei Anlagekategorien: zu schwer und den Rest. Das Thema Hochzinsanleihen sollte für die meisten Privatanleger ganz klar in die erste Kategorie fallen. Ich selbst arbeitete ca. 7 Jahre in London bei einem der größten Emittenten von europäischen Hochzinsanleihen. Jede Neuemission kam mit einem mehrere hunderte Seiten langen Kreditvertrag, für dessen Durchsicht selbst Profis mit jahrelanger Erfahrung Stunden, wenn nicht gar Tage brauchen. Wer seine Grenzen besser kennt, vermeidet unnötige Verluste.

Wie man nach soliden Grundsätzen langfristig sein Vermögen anlegt, erläutern wir Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch.

 

Quelle:

*Die aktuelle Verzinsung von Unternehmensanleihen niedriger Bonität können Sie hier nachsehen unter dem Stichwort “Effektivverzinsung”:
http://www.ishares.com/de/qualifizierte-investoren/de/produkte/251843/ishares-euro-high-yield-corporate-bond-ucits-etf

 

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