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Ratschläge zur Geldanlage
May 2, 2014

Warum dieser Wirtschaftszyklus so ungewöhnlich ist (und wahrscheinlich sehr lange anhalten wird)

Ein typischer Wirtschaftszyklus dauert 5-6 Jahre und da die letzte Rezession in 2009 endete, wird die Stimme der Kassandras lauter, die vor einem baldigen Ende dieses Aufschwungs warnen. Wir hingegen denken dieser Wirtschaftszyklus in Amerika hat gute Chancen, noch sehr lange anzuhalten.

Ein Wirtschaftszyklus besteht aus folgenden 4 Phasen:

Was diesen Zyklus von anderen in der Vergangenheit unterscheidet, ist zunächst das Ausmaß der Rezession in 2008/9 und dann die lange Periode nur sehr langsamen Wachstums. Folge: die üblichen Zeichen eines späten Wirtschaftsaufschwungs im Jahr 5 wie steigender Inflationsdruck, hohe Investitionen oder Vollbeschäftigung fehlen diesmal völlig. Es gibt eigentlich erst seit Mitte 2013 Indikatoren eines wirklichen Wirtschaftsaufschwungs wie Beschleunigung der Kreditvergabe durch Banken oder steigende Löhne – alles Wirtschaftsdaten die typischerweise viel früher in einem Zyklus auftreten.

Der wesentliche Punkt warum wir glauben, dass die US Wirtschaft noch Jahre an Wachstum vor sich hat, liegt an der aktuell sehr niedrigen Investitionsquote in den USA. Deren Niveau heute ist eigentlich eher typisch für eine tiefe Rezession. Um auf ein normales Niveau von 18% (nonresidential und residential fixed investment als ein % vom Bruttosozialprodukt) zu kommen, dauert es aber noch ca. 4-5 Jahre. 19% waren in der Vergangenheit nicht unüblich, was nochmals zusätzliche 1-2 Jahre dauern würde.

Kassandras, die vor der nächsten Rezession warnen, bekommen oft die ganze Aufmerksamkeit in den Medien. Aber die gleichen Warnungen hören wir jedes Jahr seit 2009 – nur die Rezession kam nie. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs gab es in den USA nie eine Rezession, die mit einer Investitionsquote von 15% oder darunter begann. Der Grund, warum heute eine Rezession unwahrscheinlich scheint (mit Ausnahme externer Schocks wie Krieg in der Ukraine oder Krise in China), ist auch der gleiche Grund warum die wirtschaftliche Erholung in den USA sich seit 2009 so schwach angefühlt hat: es gab kein starkes Wachstum der Investitionen. Inzwischen sind wir aber an einem Punkt angelangt, wo die Unternehmen wieder in neue Kapazitäten investieren müssen, wenn sie den Umsatz erhöhen wollen. Deswegen sollten Anleger auch heute Rezessionswarnungen ignorieren.

Vergleicht man die Investitionsquote mit der Kapazitätsauslastung werden mehre Punkte deutlich:

  • In den letzten Jahren stieg die Kapazitätsauslastung (rote Linie) deutlich stärker als die Investitionsquote (blaue Line)
  • Dies erklärt auch das starke Gewinnwachstum in der jüngeren Vergangenheit (das sich abschwächen wird, wenn die Firmen ihre Investitionen erhöhen)
  • Wenn die Kapazitätsauslastung wie in den 90ern längere Zeit deutlich höher ist als die Investitionsquote,  dann folgen Jahre starken Wachstums der Investitionen, was auch unmittelbar einleuchtet.

Was bedeutet dies für Anleger? Zunächst muss man festhalten, dass der Wirtschaftszyklus NICHT das Gleiche ist wie der Börsenzyklus. Dennoch lassen sich ein paar wichtige Schlussfolgerungen ableiten:

  1. Kursrückschläge wird es immer geben, aber wer auf starke Kursrückgänge (>20%) oder einen Crash hofft um billiger einzusteigen, wird wohl enttäuscht werden, da solche meist nur im Zusammenhang mit einer Rezession auftreten.
  2. Wir erwarten zunehmende Volatilitäten an den Finanzmärkten, aber der Auslöser wird weniger der Wirtschaftszyklus sein, sondern die Normalisierung der Geldpolitik durch die US Notenbank.
  3. Die Investitionsgüterindustrien sollten als Anlageschwerpunkt in den Vordergrund rücken.
  4. Unternehmensanleihen sind zurzeit zwar recht teuer, aber ein deutliches Ansteigen des Ausfallrisikos sehen wir mittelfristig nicht. In diesem Umfeld sind risikoadjustiert Anleihen mit CCC Rating attraktiver als BBB Anleihen.
  5. Die Rendite von Unternehmensanleihen mit einem Baa (Moodys) / BBB (S&P) Rating ist in den USA z.Z. bei 4,9%. Dies ist ungefähr 160bps niedriger als in 2005 und 260bps niedriger als in 1995. Nach unserer Meinung sind heute Aktien attraktiver als Unternehmensanleihen.
  6. Der US Aktienmarkt (gemessen am S&P 500) handelt mit einem 2014 Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 16x. Dies ist eine vergleichbare Bewertung wie in 1995 oder 2005 – beides waren keine Börsenphasen, die als Blasen bezeichnet werden können oder sich am Ende eines Bull-Marktes befanden. Die einzige (aber wichtige) Einschränkung dabei ist, dass die Profitabilität heute deutlich höher ist und als Anhänger der mean-reversion Theorie (Kapitalismus funktioniert, d.h. Überrenditen verschwinden mit der Zeit durch Wettbewerb) ist heute eine niedrigere 5-7 Jahres Rendite zu erwarten als in 1995 oder 2005. Dies sollte auch nicht überraschen, schließlich weist die 10-jährige US Staatsanleihe nur eine Verzinsung von 2,6% auf und damit sind Aktienrenditen wie in der Vergangenheit von 8-10% p.a. praktisch ausgeschlossen. Anleger müssen sich mit weniger zufrieden geben, 5% sind eher realistisch.
  7. Nur weil wir erwarten, dass die US Wirtschaft weiterhin wächst, heißt dies noch lange nicht, dass es einfach sein wird eine attraktive Verzinsung zu erzielen. Als Folge der ungewöhnlich expansiven Geldpolitik der Notenbanken (niedrige Zinsen, QE) ist das Preisniveau ALLER Anlagekategorien heute sehr hoch. Das gilt nicht nur für Finanzanlagen, sondern auch für Immobilien, Kunst oder sonstige Wertgegenstände (Oldtimer, Liebhaberobjekte).

Das größte Risiko für Investoren besteht heute ironischerweise darin, dass sich die US Wirtschaft stärker als erwartet erholt. In diesem Falle würden Zinsen schneller steigen als erwartet. Anleger müssen darauf achten, dass ihr Portfolio weniger mit der Zinsbewegung korreliert. Wie sich dies bei Ihrer Vermögensverwaltung umsetzen lässt, erläutern wir Ihnen gerne im persönlichen Gespräch.

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