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Ratschläge zur Geldanlage
July 14, 2016

Warum sind US Aktien der große Gewinner und was soll man mit europäischen Aktien machen?

Die Gewinner und Verlierer unter den weltweit anlegenden Aktienfonds kann man ganz einfach in zwei Gruppen einteilen: die Gewinner waren hauptsächlich in den USA investiert, die Verlierer überall sonst. Während sich der US Aktienmarkt selbst von Brexit kaum beeindrucken lässt und von einem Rekordhoch zum nächsten schwingt, sind die meisten anderen Regionen, insbesondere Europa, weit von ihrem Allzeithoch entfernt. Dazu kommt, dass nicht nur die US Aktien am besten dastehen, sondern auch der US Dollar gegenüber den anderen Währungen deutlich zugelegt hat. Wer also in den USA investierte, der profitierte gleich zweimal.

Wir wollen hier der Frage nachgehen: ist die gute Performance des US Aktienmarktes begründet und was bedeutet dies für Anleger in europäischen Aktien?

Deutliche Outperformance der USA

Über die letzten 5 Jahre hat ein US Indexfonds deutlich besser abgeschnitten als ein Indexfonds aus Europa oder den Schwellenländern. Einem satten Plus von ca. 120% im S&P 500 (in Euro) steht ein bescheidenes Plus von ca. 30% im MSCI Europe und nur ca +15% im MSCI Emerging Markets gegenüber.

5y USA EU EM

 

Warum hat der US Aktienmarkt viel besser abgeschnitten?

Die gute Performance der letzten Jahre ist nicht unberechtigt, wie sich an der folgenden Liste zeigt:

 USA! USA! USA!Europa :-(
Bevölkerungsentwicklungwachsend, jungstagnierend, überalternd
Währungweltweite Reservewährung #1Zukunft des Euro ungewiss
Politische UnionNicht in Frage gestelltZukunft der EU ungewiss (Brexit)
InnovationskraftGoogle, Apple, Amazon, Tesla, Starbucks...SAP, das jüngste Unternehmen im DAX, wurde 1972 gegründet

Wer harte Zahlen bevorzugt, dem hilft der Blick auf die folgende Graphik: Aktienkurse werden letztendlich von Unternehmensgewinnen getrieben. In den USA sind die Unternehmensgewinne weit über dem Top des letzten Wirtschaftszyklus von 2007/2008, während in Europa (EAFE) und den Schwellenländern die Unternehmensgewinne heute tiefer liegen als vor 10 Jahren. Die Graphik widerlegt auch die oft gehörte Kritik, wonach alleine die lockere Geldpolitik der Zentralbanken für die hohen Aktienkurse verantwortlich sei. Die US Notenbank Fed hat ihre expansive Geldpolitik in 2014 beendet, während in Europa die ECB das Gaspedal weiterhin bis auf Anschlag durchdrückt – dennoch entwickeln sich die Aktienmärkte seitdem sehr unterschiedlich.

Earnings by region

Warum dann überhaupt Aktien außerhalb der USA kaufen?

Wie ein scharfer Beobachter unter unseren Kunden festgestellt hat: warum haben wir dann nicht nur US Aktien im Portfolio?!? Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe

1. Diversifikation: Man sollte nie alle Eier in einen Korb legen

Wenn Brexit zu heftigen Kursschwankungen führte, was würde dann bei einem US President Donald Trump passieren?

2. Geschichte: Langfristig gibt es kaum einen Performance-Unterschied

Wer nur die Performance der letzten 5 Jahre vor sich sieht, der mag ob der Schwäche der europäischen Aktien verzweifeln. Doch bei langfristiger Betrachtungsweise ergibt sich ein völlig anderes Bild. Über die letzten 45 Jahre ist die Performance beider Regionen fast identisch: 10,3% pro Jahr für den US Aktienmarkt und 10,0% für den europäischen Aktienmarkt.

 S&P 500 (jährliche Rendite)MSCI Europe (jährliche Rendite)
1970er+5,9%+8,6%
1980er+17,5%+18,5%
1990er+18,2%+14,5%
2000er-0,9%+2,4%
2010er+13,0%+4,5%
1970-2015+10,3%+10,0%

Wichtig ist dabei die Feststellung, dass die Outperformance der USA alle paar Jahre abgelöst wird von einer Outperformance Europas. Über mehrere Jahre liegen also manchmal US Aktien vorne, dann wieder europäische Aktien. Wann sich dies dreht, ist schwer vorherzusehen. Aber wie man an der folgenden Graphik erkennt, ist die US Outperformance jetzt schon ein paar Jahre am Laufen. Wer vor fünf oder 10 Jahren auf die USA setzte verdient viel Lob – wer dagegen noch heute auf eine Fortdauer dieses Trends setzt, der muss berücksichtigen, dass der aktuelle Zyklus der US Outperformance schon recht lange geht.

US EU 5y rolling performance

3. Bewertung: Nur wer günstig einkauft hat eine Chance auf überdurchschnittliche Renditen

Die Vorteile der USA sind bekannt (siehe Liste). Die Probleme in Europa ebenfalls. Dies drückt sich aber in der Bewertung aus. Europäische Aktien sind billiger: sie handeln mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15x während US Aktien mit 19x handeln.

Der Unterschied sieht zwar nicht besonders bedeutsam aus, aber man muss beachten, dass in Europa die Margen und damit die Unternehmensgewinne weit unter dem langfristigen Trend liegen, während sie in den USA über dem langfristigen Trend sind (nächster Chart). Dazu kommt, dass in den USA zur Zeit die Löhne als Anteil am Bruttoszialprodukt sehr gering sind und die Steuersätze niedriger sind als in der Vergangenheit. All dies lässt US Aktien optisch nicht so teuer erscheinen wie sie vielleicht wirklich sind.

US EU operating margins

Niemand würde ein Mietshaus mit den Einnahmen aus dem letzten Jahr bewerten, wenn in dem Jahr gleichzeitig die Heizung und das Dach repariert werden musste. Die Gewinne sollte man normalisieren, sowohl bei Immobilien als auch bei Aktien. Wenn man nun den Durchschnitt der Unternehmensgewinne der letzten 10 Jahre heranzieht, dann sieht die Bewertung in Europa ganz anders aus:

MSCI Europe CAPE

SP500 CAPE

Zusammenfassung

Die Nachrichten aus Europa sind überwiegend negativ. Europäische Aktien sind aber auch günstiger bewertet. Für Anleger mit Geduld ist dies üblicherweise eine gute Kombination. Jemand hat einmal gesagt, dass die besten langfristigen Anlageentscheidungen eins gemeinsam haben: zum Zeitpunkt des Kaufs ist es ungemütlich.

Zuletzt gilt es auch anzumerken, dass die Dividendenrendite in Europa deutlich höher ist als in den USA, mit zur Zeit 3,6% zu 2,1%. Man wird also fürs Warten belohnt.

 

Quellen:

JP Morgan Asset Management – Guide to Markets – Q3

http://awealthofcommonsense.com/2016/06/taking-stock-of-european-equities/

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