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Ratschläge zur Geldanlage
March 21, 2017

Warum wir in Schwellenländern anlegen

Den meisten Anlegern ist bekannt, dass das Wachstumspotential der Schwellenländer höher ist als in den entwickelten Industrieländern. Ebenso dürfte bekannt sein, dass sich durch Beifügen von Anlagen in Schwellenländern eine größere Risikostreuung ergibt. Hier wollen wir auf drei weitere essentielle Punkte eingehen, die vielleicht nicht so geläufig sind, aber die ebenfalls für eine Anlage in Schwellenländern sprechen:

  1. Die Zusammensetzung von Schwellenländer Indizes ist heute attraktiver als noch vor 10 Jahren,
  2. Schwellenländer sind heute weniger krisenanfällig und
  3. Die Bewertung von Schwellenländeranlagen ist deutlich günstiger als in Europa und den USA.

Es überrascht daher nicht, dass wir bei unseren Kunden den Schwellenländernanlagen eine große Bedeutung beimessen. Der MSCI Emerging Market Index ist seit Jahresanfang um +12% gestiegen – eine mehr als doppelt so hohe Performance wie in den Aktienmärkten der USA und Europas. Wenn Sie Fragen haben, ob und welche Schwellenländeranlagen bei Ihnen ins Depot passen, kontaktieren Sie uns.

Das Anlageuniversum in den Schwellenländern ist heute besser

Eine breit gestreute Anlage in Schwellenländeraktien heute unterscheidet sich deutlich von 2007. Kurz: der weitverbreitete Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets ist in seiner Zusammensetzung heute weniger riskant und mehr zukunftsorientiert. Dies lässt sich am besten mit der Sektor Gewichtung zeigen:

  • Vor 10 Jahren war der Anteil des Energie- und Rohstoffsektors über 30%, heute nur bei 15%
  • Vor 10 Jahren war der Anteil des Technologiesektors nur 13%, heute beträgt er 24% und ist damit der größte Sektor im Index. Übrigens ist damit die Gewichtung des Technologiesektors im MSCI Emerging Markets sogar höher als im MSCI USA (22%) oder MSCI Europe (nur 4%)

Grundsätzlich ziehen Anleger den schnell wachsenden Technologiesektor dem kapitalintensiven und volatilen Energie- & Rohstoffsektor vor. Dazu kommt, dass die Mehrheit der Firmen aus dem Energie- und Rohstoffsektor ineffiziente Staatsbetriebe sind, für die ausländische Anleger nicht unbedingt Priorität #1 darstellen.

Vor 10 Jahren war also die Auswahl an interessanten Firmen deutlich kleiner als heute. Ein großeres Anlageuniversum ist ein Vorteil für aktiv gemanagte Fonds als auch für Indexfonds (ETF).

Schwellenländer sind weniger krisenanfällig geworden

Krisen gab es schon immer und wird es auch in der Zukunft wieder geben. Das gilt auch für Schwellenländer. Aber Krisen treten in diesen Ländern heute seltener und nicht mehr in der gleichen Vehemenz auf. Woran liegt das? Im Wesentlichen haben sich seit 2000 drei Aspekte zum Vorteil verändert:

  • In der Vergangenheit waren die meisten Schwellenländerschulden in US Dollar, heute begeben Schwellenländer zunehmend Schulden in der eigenen Währung und sie sind damit weniger von Wechselkursschwankungen abhängig.
  • Früher waren Schwellenländer die größten Emittenten, heute sind es Unternehmen aus Schwellenländern. Dies ist ein fundamentaler Unterschied, denn wenn ein Land seine Schulden nicht bedienen kann, dann zieht es die ganze Wirtschaft in den Abgrund. Wenn dagegen ein Unternehmenssektor überschuldet ist, dann ist das Problem isolierter und leichter zu lösen.
  • Vor 20 Jahren fehlte den lokalen Finanzmärkten die Tiefe – soll heißen, man war sehr stark von Kapitalflüssen aus dem Ausland abhängig. Heute haben die Kapitalmärkte der meisten Schwellenländer eine kritische Größe erreicht und können selbst Kapital zur Verfügung stellen. Heute gibt es in den meisten Schwellenländern große Versicherungen, Pensionskassen, Staatsfonds, Fondsgesellschaften, etc. – vor 10 oder gar 20 Jahren waren diese Institutionen noch in den Kinderschuhen.

Letztlich ist die Bewertung entscheidend

Eine Anlage ist nicht per se gut oder schlecht – es ist vor allem eine Frage der Bewertung! Beim Anlegen gilt daher: nur wer günstig einkauft, kann langfristig mit einer überdurchschnittlichen Rendite rechnen. Heute sind aber Aktien und Anleihen in den USA und Europa alles andere als billig. Anleger müssen hier ihre Renditeerwarten realistisch einschätzen (sprich: niedriger als in der Vergangenheit). Die Schwellenländer dagegen handeln mit einem deutlichen Bewertungsabschlag, der, nach unserer Meinung, das Risiko für einen langfristigen Anleger mehr als kompensiert.

Aktien (KGV, Dividenden und Wirtschaftswachstum jeweils für das Jahr 2017):

 Schwellenländer
MSCI Emerging Markets
USA
S&P 500
Europa
EuroStoxx 600
Kurs-Gewinn-Verhältnis12x18x15x
Dividendenrendite2,6%2,0%3,5%
Wirtschaftswachstum (IMF)4,5%2,3%1,6%

Staatsanleihen:

 Schwellenländer
Barclays EM Local CCY Government Bond
USA
10 Jahre Staatsanleihen
Europa
10 Jahre Euro Staatsanleihen
Effektivverzinsung6,4%2,5%1,3%

Zusammenfassung

Ich hatte selbst in Südamerika gelebt und in Asien mehrere Jahre institutionelle Anleger beraten. Dennoch oder gerade deswegen bin ich bei Anlagen in Schwellenländern eher vorsichtig. Es gab in der Vergangenheit einfach zu viel Hype in dieser Anlageklasse, der nicht von den Fundamentaldaten her gerechtfertig war. Seit 2016 hat sich unsere Einstellung zu Schwellenländeranlagen aber sukzessive verbessert, mit der Folge, dass wir heute hier überproportional stark investiert sind.

Wie immer, wir haben auch keine Kristallkugel, die uns sagt, wo die Kurse in 6 Monaten sein werden. Donald Trump macht es uns mit seinen erratischen Äußerungen zum Thema Protektionismus auch nicht leichter. Dennoch, für langfristige Anleger ist es nach unserer Einschätzung sinnvoll, den Schwellenländern einen festen Bestandteil in der Vermögensaufteilung einzuräumen. Mit welchen Länder-Schwerpunkten und welchen Instrumenten sich dies am besten umsetzen lässt, erläutern wir Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch.

 

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