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Ratschläge zur Geldanlage
February 27, 2017

Was können Anleger aus den letzten 117 Jahren lernen?

Warum gehen Institutionelle Anleger wie Pensionskassen alle ähnlich vor? Weil Sie Zugriff auf die gleichen Daten haben – doch diese sind kein Geheimnis. Credit Suisse veröffentlich jährlich eine Studie, die die Performance der wichtigsten Anlagekategorien seit 1900 analysiert. Die neueste Studie wurden letzte Woche herausgegeben und wir präsentieren hier die drei (für uns) relevantesten Ergebnisse. Wenn Sie Interesse an Finanzgeschichte und der sich daraus ergebenden optimalen Anlagestrategie haben, setzen Sie sich einfach mit uns in Verbindung.

1. Der wichtigste Chart für jede langfristige Vermögensplanung

Wie schneiden die einzelnen Anlagekategorien über längere Zeiträume ab? Langfristig liegen Aktien weit vor Staatsanleihen und 1-Monats Festgeld. Von 1900 bis 2016 lieferten US Aktien eine jährliche Rendite von 9,5%, Staatsanleihen von 4,9% und Festgeld von 3,7%.

Chart 1

Wichtig ist auch die Betrachtung nach Inflation. Bei der sogenannten Realrendite wird nochmals die Inflation abgezogen. Die Realrendite zeigt, dass Staatsanleihen nur eine jährliche inflationsbereinigte Verzinsung von 2% boten und Festgeld sogar nur 0,8%. Einzig mit Aktien konnte eine deutliche langfristige reale Vermögensmehrung erzielt werden.

Chart 2

2. Staatsanleihen: wirklich so sicher?

Jeder Anleger hat wahrscheinlich schon einmal die Aussage gehört: „Aktien sind für die Rendite zuständig und Staatsanleihen für die Sicherheit“. Meistens folgt dann eine Standardempfehlung wie 50:50 Aktien:Anleihen für Anleger mit einer ausgewogenen Risikoneigung und 75:25 für wachstumsorientierte Anleger.

Tatsächlich waren Staatsanleihen in den letzten Jahrzehnten nicht nur stabil, sondern sie brachten auch ansehnliche Renditen. Von 1982 bis 2015 lieferten globale Staatsanleihen eine jährliche Realrendite von 6,9% (also nach Inflation).

Doch das ist irreführend. Es ist eine beliebte Unart in der Finanzbranche, selektiv Daten aus einem bestimmten Zeitraum auszuwählen. Von 1900 bis 1981 war die Realrendite für globale Staatsanleihen nämlich knapp unter 0%! Schlimmer, im Zeitraum von 1900 bis 1981 wiesen Staatsanleihen ein ähnliches Verlustrisiko wie Aktien auf – bei viel geringerer Rendite. Um ein vollständiges Bild zu erhalten, müssen Anleiheanleger längere Zeiträume mit einbeziehen:

ZeitraumRegion/LandGesamtverlust (real)Ursache
1914-1918Welt-48%Krieg
1922-1923Deutschland-100%Inflation
1939-1948Welt-44%Krieg
1945-1948Frankreich-84%Inflation
1972-1974Großbritannien-50%Inflation

Gerade in extrem unsicheren Zeiten, wo Anleger Stabilität gebraucht hätten, konnten Staatsanleihen ihr Versprechen der Sicherheit nicht einlösen.

Festverzinsliche Staatsanleihen boten eine gute Realrendite bei geringer Schwankung nur seit Anfang der 80er Jahre, weil dieser Zeitraum gekennzeichnet war von:

  • einer Anfangsverzinsung über 10%
  • einer fallenden Inflationsrate und damit
  • fallenden Zinsen.

Es gibt aber keine Garantie, dass die nächsten Jahre genauso anleihefreundlich bleiben werden. Falls wir in eine Phase wieder steigender Inflation zurückkehren, sollten Anleger ihre optimale Allokation von Anleihen überdenken. Zuletzt sei auch nochmals darauf hingewiesen, dass es rein mathematisch unmöglich ist, die gleichen Anleiherenditen wie in den letzten Jahrzehnten zu verdienen, da wir bereits bei fast 0% Zinsen angekommen sind.

3. USA verzerren das Ergebnis

Ist Ihnen aufgefallen, dass sich in der ersten Graphik alle Renditezahlen auf die USA beziehen? Es gibt einen Grund, warum in den meisten Statistiken zu historischen Renditen oft auf die USA verwiesen wird: die Performance sieht einfach besser aus! Die USA erlebte seit 1900 keinen Krieg auf heimischem Boden, erlitt keine Hyperinflation und Währungsreform, etc. Dementsprechend sind die Renditezahlen gerade in Europe, wenn man 1900 als Startpunkt nimmt, niedriger. Für Aktien liegen die jährlichen Realrenditen in Europe seit 1900 ca. um 2% niedriger als in den USA. Interessanterweise bleibt aber die Aussage, dass Aktien langfristig eine bessere Rendite aufweisen als Anleihen und Festgeld, auch in Europe trotz der Zerstörung des ersten und zweiten Weltkriegs korrekt. Gerade in Deutschland sehen sich Anleger als konservativ, doch die angeblich sicheren Anleihen und Festgeld erwiesen sich in Krisenzeiten als Falle.

Chart 3

Was passiert eigentlich, wenn man den ersten und zweiten Weltkrieg bzw. deren Folgen weglässt? Wie sieht dann die Performance in Europe aus relativ zu den USA? Das faszinierende Ergebnis ist, dass die Realrenditen für Aktien dann fast identisch sind. Im Zeitraum von 1967 bis heute liegen die jährlichen Realrenditen von Aktien in den wichtigsten westlichen Industrieländern sehr eng beisammen:

  • in den USA bei 5,9%
  • in Deutschland bei 5,8%
  • in Großbritannien bei 6,9%
  • in Frankreich bei 6,0%

Zusammenfassung

In Deutschland baut die Altersvorsage stark auf Anleihen auf. In einer Lebensversicherung sind schließlich Anleihen die bedeutendste Anlagekategorie mit durchschnittlich weit über 80%! Doch bei einer historischen Betrachtungsweise erscheint diese Vorgehensweise mehr als fragwürdig. Es ist wichtig zu verstehen, wie sehr die guten Anleiherenditen seit 1982 ein nicht wiederholbarer Sonderfall darstellen.

Die Studie von Credit Suisse “Global Investment Returns Yearbook” wird oft als Bibel für langfrstige Anleger bezeichnet. Es lohnt sich, die Publikation herunterzuladen und einmal in Ruhe durchzulesen.

Wir hoffen dieser kurze Einblick in die Finanzgeschichte hat Ihr Interesse geweckt. Falls Sie Fragen zu einzelnen Themen haben – wir freuen uns auf ein Gespräch mit Ihnen.