Research

Ratschläge zur Geldanlage
November 9, 2016

Was Trump vs Clinton für Anleger bedeutet

Sind Sie nach Brexit auch von President Trump überrascht worden? Keine Sorge, mit dieser Fehleinschätzung sind Sie nicht alleine. Alle 9 von der New York Times aufgelisteten Umfrageinstitute hatten vor einem Tag noch einen Clinton-Sieg mit großer Wahrscheinlichkeit vorhergesagt. Die Wahl Trumps ist aber ein weiteres klares Signal, dass eine Mehrheit der Bevölkerung im Westen den bestehenden politischen und wirtschaftlichen Status Quo ablehnt. Warum Trump als Präsident gewählt wurde und was dies für die Finanzmärkte bedeutet, wollen wir hier kurz diskutieren.

Warum hat Trump gewonnen?

Weil ein zunehmender Teil der Bevölkerung den Eindruck hat, er nimmt nicht am Wohlstand in fairem Ausmaß teil und er hat keine Stimme im politischen Willensbildungsprozess. Der Begriff Populismus klingt abfällig, aber man darf nicht übersehen, dass die Unzufriedenheit nicht aus der Luft gegriffen ist:

  • in den meisten Ländern hat die breite Bevölkerung seit 2008 kaum reale Lohnzuwächse vorzuweisen, während die Wohlhabenden durch die lockere Geldpolitik von steigenden Vermögenswerten profitierten. Die mittleren- bzw. unteren Schichten haben aber kaum Immobilien, Anleihen oder Aktien…
  • die Parteien der Mitte erscheinen austauschbar – es gibt somit keine Möglichkeit, die Wählerunzufriedenheit durch eine Wahl der anderen etablierten Partei auszudrücken. SPD und CDU vertreten eine ähnliche Immigrationspolitik. In der Vergangenheit vertraten die Republikaner und die Demokraten in den USA gleiche Positionen zum Thema Freihandel. Die Mehrheit der Parlamentarier in Großbritannien war pro EU. Man darf sich daher nicht wundern, wenn Parteien oder Personen außerhalb des Mainstream an Zulauf gewinnen.

Es hilft nichts, Trump-Wähler oder Pegida-Marschierer als Idioten zu verlachen. Die Probleme, auf die diese Bürger hinweisen sind real. Auch wenn wir mit Trump, Brexit, AfD, Le Pen, etc nicht übereinstimmen und sie für gefährlich halten, die Sorgen und Ängste dieser Menschen zu ignorieren hilft nicht weiter.

Was will Trump? Was bedeutet dies für Anleger?

Hier wird es schwieriger. Trump hat im Wahlkampf jedem so ziemlich alles versprochen. Bei Trump ist es schwer Übertreibungen von echter politischer Überzeugung zu trennen. Dennoch lassen sich zwei Kernpunkte seiner Philosophie herausschälen:

  1. Mehr Staatsausgaben. Sozusagen das Gegenteil der Sparpolitik Schäubles. Bei aller berechtigten Kritik an Trump, eine Abkehr von der Sparpolitik hin zu größeren Staatsausgaben wird auch von allen namhaften Ökonomen begrüßt. Trump hat in den USA Infrastrukturausgaben angekündigt, die angesichts des generellen maroden Zustands durchaus angebracht sind. Wer einmal den abgewirtschafteten Flughafen „La Guardia“ in New York erlebt hat und mit einem ultramodernen Flughafen in Asien vergleichen konnte, der versteht, wieviel Nachholbedarf die USA hat. Da die USA aber bereits eine Arbeitslosenrate bei oder unter 5% haben, bedeutet eine expansive Fiskalpolitik zum heutigen Zeitpunkt mehr Inflationsdruck und damit werden die langfristigen Zinsen wieder steigen. Billiges Baugeld? Ich hoffe, Sie hatten bei 10-jährigen Immobilienkrediten unter 1% im Sommer 2016 zugegriffen…
  2. Weniger Globalisierung. Während Trumps Fiskalpolitik zu mehr Wirtschaftswachstum führen wird, so dürfte seine Abkehr vom Freihandel letztlich mehr schaden. Die Fabriken aus China werden nicht in die USA zurückkommen! Was dagegen zurückkommt sind höhere Preise… Wenn Globalisierung zu fallenden Preisen geführt hat, dann wird Protektionismus ceteris paribus langfristig wieder zu steigender Inflation führen. Schwellenländer sind zwar heute attraktiv bewertet, aber leider werden sie von einem Weniger an Globalisierung am stärksten betroffen sein. Es überrascht nicht, dass Schwellenländeraktien heute zu den Verlieren gehören.

Damit schließt sich der Kreis. Vereinfacht ausgedrückt: Populismus = Inflation = schlecht für alle Vermögenswerte, die von fallenden bzw. weiter niedrigen Zinsen profitieren. Genauer? Die Liste dieser Kandidaten ist leicht zu identifizieren: alles was in den letzten Jahren gut gelaufen ist, nämlich Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und defensive „Qualitätsaktien“. Diese Anlagen haben eins gemeinsam: hohe Duration, sie sind also sehr zinssensitiv. Wie man in seinem Portfolio die Zinssensitivität verringert, erläutern wir Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch.

Das Wichtigste zuletzt

Die US Präsidentschaftswahl war extrem wichtig für Anleger – aber auf eine ganz andere Art und Weise, als Sie sich das vielleicht vorstellen. Die Wahl sagt nämlich mehr über Sie und Ihren Anlageprozess etwas aus, als alles andere. Wer in den Tagen vor der Wahl sein Depot wesentlich verändert hat, der hat spekuliert. Aber Spekulation hat nichts mit langfristigem Anlegen zu tun! Eine seriöse Anlagestrategie konzentriert sich darauf, was wir selbst beeinflussen können – der Ausgang der US Präsidentschaftswahl gehört offensichtlich nicht dazu.

Lassen Sie sich bei der Erreichung Ihrer langfristigen Ziele von kurzfristigen Emotionen leiten? Wir sehen in der täglichen Praxis, dass das Anlegerverhalten einer der wichtigsten Schlüssel zum Erfolg ist. Der Faktor Mensch ist letztlich entscheidend, denn die richtige Vermögensaufteilung, die richtige Umsetzung mit Anlageprodukten (ETF) führt nicht zum Ziel, wenn man in Panik einen guten Plan über den Haufen wirft.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen.