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Ratschläge zur Geldanlage
August 30, 2016

Was wirklich den Goldpreis beinflusst

Gold erwirtschaftet keinen laufenden Ertrag wie Aktien (Dividende), Anleihen (Zins) oder Immobilien (Miete) und entzieht sich daher einer objektiven Bewertung. Dennoch entwickelt sich der Goldpreis nicht zufällig. Warum also steigt oder fällt der Goldpreis? In den Medien werden zwar viele Erklärungen bemüht, aber letztlich gibt es nur einen entscheidenden Faktor.

Gold korreliert zu 75% mit den Realrenditen

Die Liste der Gründe, die für Preisbewegungen in den Medien angeführt werden ist lange. Sie reicht von der Nachfrage nach Schmuck (Gold ist in Indien das wichtigste Hochzeitspräsent), über Schwankungen bei der Minenförderung, zu Käufen und Verkäufen durch Zentralbanken. Sicherlich spielen diese Punkte alle irgendwie eine Rolle, aber die Preisbildung geht letztlich hauptsächlich auf den Realzins zurück. Der Realzins ist die Rendite einer inflationsgeschützten Anleihe.

Vereinfacht ausgedrückt zeigt die Realrendite die Opportunitätskosten einer Goldposition – wenn die Realrendite hoch ist, man also mit inflationsgeschützten Anleihen eine hohe Rendite bekommt, dann ist es wenig attraktiv Gold zu halten, schließlich entgeht einem dann ein anderweitig hoher Ertrag. Wenn dagegen die Realrendite niedrig oder gar negativ ist, dann ist der entgangene Ertrag klein und damit fällt das wichtigste Gegenargument gegen Gold weg; in der Folge steigt der Goldpreis. Der enge Zusammenhang zwischen der Realrendite und Gold wird mit der folgenden Graphik deutlich:

1d

Die schwarze Linie repräsentiert die Realrendite von amerikanischen inflationsgeschützten Anleihen, sogenannten TIPS (treasury inflation protected securities). Die graue Linie ist der Goldpreis (invertiert). Wenn die Realrenditen steigen, dann fällt der Goldpreis und umgekehrt. Wie man sehen kann, verlaufen beide Linien sehr ähnlich. Dies kann man auch als Korrelation ausdrücken. Die Korrelation ist ein statisches Maß des Zusammenhangs: eine Korrelation von 0 bedeutet kein Zusammenhang und eine Korrelation von 1 bedeutet einen vollkommenen gleichgerichteten Zusammenhang. Die Korrelation des Goldpreises mit den TIPS Realrenditen beträgt 75%. Mit der Veränderung der Realrendite lässt sich also maßgeblich die Goldpreisentwicklung erklären.

2d

Wer die aktuelle Realrendite nachverfolgen will, der erhält die neuesten Zahlen und Charts auf der Internetseite der Federal Reserve Bank of St. Louis hier.

Zusammenfassung

Wir hoffen, dass wir mit dieser kurzen Analyse die Goldpreisentwicklung etwas demystifizieren konnten. Der Goldpreis bildet sich wie bei anderen Wirtschaftsgütern auch ganz prosaisch durch Angebot und Nachfrage. In diesem Falle in Relation zum entgangenen Realzins.

Hier haben wir zwar gezeigt, was den Goldpreis maßgeblich beeinflusst, aber damit bleibt eine wichtige Frage unbeantwortet: Ist Gold überhaupt ein sinnvoller Portfoliobestandteil, bzw. eignet sich Gold zur Absicherung? Dies werden wir im folgenden Anlageratschlag in der nächsten Woche untersuchen.

Hat diese Ausführung Ihr Interesse geweckt? Wenn Sie Fragen zur Vermögensverwaltung haben, wir helfen Ihnen gerne weiter.

Quelle:

https://fred.stlouisfed.org/series/DFII10

https://www.pimco.com/insights/viewpoints/viewpoints/demystifying-gold-prices

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