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Ratschläge zur Geldanlage
June 8, 2016

Welche unnötigen Risiken leicht zu vermeiden sind

Zeit für einen einfach umsetzbaren Anlageratschlag. Indexfonds (ETF) sind zwar effektive und kostengünstige Grundbausteine für die Vermögensanlage, aber das heißt nicht, dass ALLE Indexfonds gleich gut geeignet sind. Leider stellen wir fest, dass gerade einige der populärsten Indexfonds ein gravierendes Problem aufweisen. Unter den 10 Indexfonds mit den größten Mittelzuflüssen in 2015 waren drei, die wir aufgrund zu geringer Risikostreuung nicht als Kernanlage empfehlen würden.

Das Problem der geringen Streuung – warum mehr Risiko als nötig?

Die meisten Anleger kennen den Spruch „nicht alle Eier in einen Korb legen“. Auf Börsendeutsch sagt man dazu auch „Risiko breit streuen“ oder „diversifizieren“. Wer sein Vermögen in nur eine oder wenige Anlagen investiert, geht enorme Risiken ein, schließlich ist das Vermögen dann nur von wenigen großen Positionen abhängig. Die Tatsache ist doch, dass niemand eine Kristallkugel hat. Alles eigentlich nichts Neues, schon in der Bibel steht:

Teile aus unter sieben und unter acht; denn du weißt nicht, was für Unglück auf Erden kommen wird
(Prediger Salomo, Kapitel 11, Vers 2)

Einige der populärsten Indexfonds weisen eine zu geringe Streuung auf

Mit Indexfonds hat man kostengünstig Zugang zu Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Doch nicht alle Indexfonds enthalten eine ausreichend große Auswahl von Einzelpositionen um eine breite Streuung zu erreichen. Doch wie breit ist breit genug gestreut? Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass man mindestens 100 Aktien halten sollte. Es gibt keinen Grund einen Indexfonds mit wenigen Einzelpositionen zu kaufen, die Kosten sind (fast) gleich hoch. Daraus folgt, dass ein Indexfonds auf den populären DAX wenig geeignet ist als Kerninvestment, da er nur 30 Firmen beinhaltet. Auch der EuroStoxx 50 Index ist aus dem gleichen Grund unbefriedigend.

Schauen wir uns die Top 10 Indexfonds in Deutschland von 2015 an, gemessen an den Mittelzuflüssen*: an 1., 3. und 7. Stelle stehen Indexfonds, die nur 30 bzw. 50 Aktien beinhalten:

ETF 2015 - V2

Die drei hervorgehobenen Indexfonds müssen nicht schlecht sein, solange den Anlegern bewusst ist, was sie sich damit ins Depot holen. So spiegelt der DAX eben nicht optimal die deutsche Wirtschaft wieder, sondern hier sind zyklische exportorientierte Firmen überrepräsentiert. Folge: 10% des Umsatzes der DAX Unternehmen kommen aus China. Es fehlen wachstumsstarke Qualitätsaktien aus stabilen Sektoren wie Pharma oder Nahrungsmitteln. Ob dies Anlegern, die Angst vor der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas haben und im DAX (=„zuhause“?) anlegen, eigentlich bekannt ist? Es überrascht nicht, dass in den ersten 3 Monaten dieses Jahrs der DAX deutlich schlechter abschnitt als breiter gestreute europäische Indices. Ähnlich verhält es sich mit dem Euro Stoxx 50 Index – hier hat der Finanzsektor mit Abstand die größte Gewichtung mit 23% weit vor der Nummer 2, dem Industriesektor mit 13%. Ob Anlegern sich dessen bewusst sind, dass sie hier letztlich eine Wette auf die Banken in Europa eingehen?

Wie sieht es bei Anleihe ETFs aus? Hier lauern ähnliche Probleme. Dazu muss man wissen, dass in den meisten Anleiheindices die Gewichtung von Ländern höher ist, je mehr Schulden sie haben. Dass dies unsinnig ist, sollte offensichtlich sein, denn das Risikoprofil eines Landes steigt, je mehr Schulden es begibt (relativ zum Bruttosozialprodukt).

Merke: Nicht blind Indexfonds kaufen, nur, weil vielerorts deren Vorteile gepriesen werden.

Portfoliooptimierung leichtgemacht

Unsere Anlagephilosophie lautet „Konzentriere Dich auf das, was Du beeinflussen kannst“. Statt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wo Aktien zum Jahresende stehen, kümmern wir uns lieber um konkrete Schritte zur Portfoliooptimierung. Dazu gehört es, unnötige Risiken zu vermeiden. Dies geht am einfachsten, indem für Kernanlagen Fonds mit geringer Streuung vermieden werden. Dazu gehören Themenfonds, Länderfonds oder auch Fonds mit einer zu geringen Anzahl von Einzelpositionen. Wie sieht Ihr Depot aus? Enthält es unnötige Risiken? Wir nehmen uns Zeit für Sie.