Research

Ratschläge zur Geldanlage
January 31, 2017

Weniger US Aktien wegen Trump?

ETF haben unbestreitbare Vorteile – niedrige Kosten, hohe Transparenz und bessere Performance als die meisten aktiv gemanagten Fonds. Aber deswegen sind nicht alle ETF automatisch eine gute Anlage. Wir wollen hier genauer auf den MSCI World eingehen, der der populärste Index für deutsche Privatanleger nach dem DAX ist. Während der DAX eigentlich als Anlageinstrument aufgrund zu geringer Diversifikation (enthält nur 30 Aktien) von vorhinein ausscheiden sollte, so hat der MSCI World ganz andere Probleme. Das größte Problem hat einen Namen: Donald Trump.

Kaufen was teuer ist?

Der wohl am stärksten verbreitete Anlegerfehler ist, das bevorzugt das gekauft wird, was gerade gut läuft. In Ermangelung anderer einfacher Auswahlkriterien schauen viele Anleger auf die 1-3 Jahresperformance. Doch damit tappt man in eine Falle: wenn eine Anlage gut lief, dann bedeutet dies oft nichts anderes, als das sie inzwischen teuer ist. Teuer ist aber keine gute Voraussetzung für eine gute langfristige Rendite.

Der MSCI World Index konnte über die letzten 5, sogar 10 Jahre alle anderen breiten Indizes weit übertreffen. In 2016 legte er um +10,7% zu und in den letzten 5 Jahren legte er annualisiert +15,1% zu (in Euro). Dafür gibt es eine einfache Erklärung: die USA sind am stärksten gewichtet und der US Aktienmarkt hatte seit dem Ende der Finanzkrise in 2009 die wohl beste Performance aller wichtigen Industrieländer. Folge: der US Anteil liegt inzwischen bei 60,1%. Der Anteil der USA am weltweiten Bruttosozialprodukt beträgt aber weniger als 20%.

Wer bisher in den MSCI World oder einen reinen US Index investierte, lag also vollkommen richtig. Die Frage ist, ob dies auch noch für die nächsten Jahre gilt.

Ist Trump gut für US Aktien?

Eine faszinierende Frage – schließlich hieß es zunächst, dass bei einer Wahl Trumps die Aktien fallen würden, aber im ersten Monat nach seinem Gewinn der Präsidentschaftswahl sind amerikanische und europäische Aktien um ca. 10% gestiegen.

Die Amtseinführung Trumps erfolgte am 20. Januar 2017. Seitdem sind fast 2 Wochen vergangen und seine Politik wird deutlicher. Zu seinen Aussagen und ersten Amtshandlungen gehörten:

  • Nato für obsolet erklärt
  • Wünscht, dass die EU auseinanderbricht und hat gleichzeitig UK zum Brexit gratuliert
  • Am Holocaust Gedenktag ein Einreiseverbot für Flüchtlinge aus verschiedenen Staaten unterzeichnet
  • Baubeginn der Mauer an der Grenze zu Mexiko befohlen
  • Einseitige Zölle gegen Mexiko angedroht (was gegen WTO Regeln verstoßen würde)
  • Sich geweigert seine Steuererklärung offenzulegen (im Gegensatz zu allen Präsidenten vor ihm)
  • Sich geweigert von seiner Firma deutlich zu trennen um Interessenkonflikte zu vermeiden
  • Mehrfach gelogen über nachprüfbare Fakten – über Zahl der Besucher zur Amtseinführung, Zahl der Stimmen der Wahlmänner, etc

Um es deutlich zu machen: alle Länder mit guten langfristigen Aktienrenditen sind stabile Demokratien, in denen der Rechtsstaat gilt. Es gibt keine populistischen autoritären Kleptokratien mit erfolgreichen Aktienmärkten. Die folgende Tabelle ist vielleicht aufschlussreich – die meisten autoritären Regime wie China, Russland oder Türkei werden von Anlegern nur mit einem sehr niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet. Ein Urteil über die Zukunft des US Aktienmarktes hängt also stark davon ab, wie man die Gefahr einschätzt, dass Trump letztlich die grundlegenden Institutionen der westlichen Wirtschafts- und Freiheitsordnung untergräbt.

LandStaatsoberhauptKurs-Gewinn-Verhältnis
ChinaXi Jinping11x
RusslandVladimir Putin7x
TürkeiRecep Erdogan8x
USADonald Trump18x

Falls Sie denken, dies sei alles etwas melodramatisch – vielleicht ist der Kommentar der Ratingagentur S&P zum Thema Populismus aufschlussreich:

“Wir glauben, dass es nicht mehr möglich sein wird, fortgeschrittene Volkswirtschaften von Schwellenländern zu trennen, indem man ihre politischen Systeme als stabiler, effektiver, effizienter und vorhersagbarer hinsichtlich der Politik und der Insituttionen beschreibt.”

Last but not least: Einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile der USA war immer die Anziehungskraft und Offenheit für Einwanderer sowie die Fähigkeit, diese Menschen zu integrieren. Möglicherweise hilft ein Blick auf die folgende kurze Liste von US Tech Firmen, die alle von Einwanderern erster oder zweiter Generation gegründet wurden:

Apple
Google
Facebook
Amazon
Oracle
IBM
Uber
Yahoo
eBay
AT&T
Tesla

Es fällt schwer zu glauben, dass eine isolationistische USA die gleiche wirtschaftliche Dynamik behalten wird.

Politik ist nicht alles

Wie man Trump einschätzt, muss jeder für sich selbst beurteilen. Aber die folgenden Fakten sollte man ebenfalls berücksichtigen bei der Wahl eines ETF mit einem hohen US Anteil:

  • Bewertung: egal welchen Bewertungsmaßstab man heranzieht, US Aktien sind heute teuer

US Aktien

  • Unternehmensgewinne: die Gewinnmargen der US Unternehmen sind auf einem Rekordhoch. Aktuell wachsen Löhne mit der höchsten Rate seit der Finanzkrise und Löhne sind nun einmal der größte Kostenblock
  • Geldpolitik: nach Jahren extrem lockerer Geldpolitik, die die Finanzmärkte unterstützte, ist die US Notenbank Fed inzwischen auf einen restriktiveren Kurs eingeschwenkt
  • Wirtschaftszyklus: mit einer Arbeitslosenrate unter 5% ist es schwer zu argumentieren, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung in den Anfängen befindet. Wir sind auf jeden Fall in der 2. Hälfte, wahrscheinlich sogar im letzten ¼ des Zyklus angekommen.

Zusammenfassung

Wer heute in den MSCI World oder einen ähnlichen Index investiert, der sollte sich zumindest der Risiken bewusst sein, die sich durch den sehr hohen US Anteil ergeben. Sicherlich gehören US Aktien weiterhin in ein global diversifiziertes Portfolio. Aber 60% wie im MSCI World erscheinen fragwürdig, gerade auch wegen der Unsicherheiten in Folge der Politik Donald Trumps.