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Ratschläge zur Geldanlage
September 13, 2016

Wenn selbst Notenbanker lügen

Der Aktienmarkt wird alleine von den Notenbanken aufgepumpt, liest man oft. Stimmt das? Werden die Finanzmärkte also manipuliert? Der ehemalige US Fed Gouverneur Kevin Warsh sagte zuletzt selbst, dass seit Anfang 2008 mehr als die Hälfte aller Gewinne im US Aktienindex S&P 500 alleine an den Tagen stattfanden, als das Gremium der US Notenbank Fed tagte. Anders ausgedrückt, nimmt man all diese Fed Tage weg, dann sehen die Aktienrenditen auf einmal nicht mehr so gut aus. Impliziert wird damit, dass die Notenbanken bestimmen, wohin die Aktienkurse gehen. Wahr oder falsch?

Wie lügt man mit Statistik?

Sehen wir uns zunächst die Zahlen an. Siehe da, Kevin Warsh hat scheinbar recht. Seit 2008 ist der S&P 500 (incl. Dividenden) 78% gestiegen. Der angesprochene Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed tagt 8x im Jahr. An diesen 8 Tagen pro Jahr seit 2008 ist der S&P 500 38% gestiegen – also ca. die Hälfte der Aktiengewinne seither. Haben damit die Kritiker recht, die behaupten, die Notenbanken manipulieren die Aktienmärkte?

Nicht so schnell. Zahlen sind gefügig – oder wie Churchill gesagt haben soll: „Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“.

Nimmt man als Startpunkt der Analyse 2008, dann sieht es in der Tat so aus, als sei ein Großteil der Aktiengewinne auf die US Notenbank Fed zurückzuführen. Aber was passiert, wenn man den Startzeitpunkt ändert? Wenn man nicht Januar 2008, sondern Januar 2009 oder Januar 2010 heranzieht? Das Bild ändert sich dramatisch! Es gibt an den FOMC Tagen weiterhin Gewinne, aber sie sind auf einmal nicht mehr so bedeutsam. Wird ein anderer Startpunkt als 2008 gewählt, dann beträgt der Gewinn an FOMC Tagen nur noch 6%-12% der gesamten S&P 500 Gewinne – es ergibt sich also eine vollkommen andere Aussage  Den Startzeitpunkt einer Analyseperiode bewußt so auszuwählen, damit sich ein irreführendes Bild ergibt, gehört zu den ältesten Tricks der Statistik (und der Finanzbranche). Ob Kevin Warsh damit gelogen hat, soll jeder für sich selbst entscheiden – seiner Glaubwürdigkeit hat er unserer Meinung nach aber keinen Gefallen getan.

 FOMC TageS&P 500Gewinne an FOMC Tagen als % der S&P 500 Gewinne
Seit 200838,3%78,1%49%
Seit 200922,3%180,7%12%
Seit 201012,3%122,9%10%
Seit 201110,9%94,1%12%
Seit 20129,1%90,1%10%
Seit 20133,9%64,1%6%

Zusammenfassung

Wir würden nicht behaupten, dass die Notenbanken keinen Einfluss auf die Märkte hätten. Natürlich spielen sie eine wichtige Rolle! Aber die Aussage, die Fed manipuliere die Märkte und man kann dies an den FOMC Tagen ablesen, ist eindeutig falsch. Dass ein ehemaliger Fed Gouverneur (aus parteipolitischen Gründen?) Zahlen so irreführend verwendet, ist traurig, aber sollte für Leser Anlass sein, Aussagen immer kritisch zu hinterfragen – egal von wem sie stammen.

Merke: Finanzmärkte sind komplexe Systeme. Wer also behauptet, eine einzige Variable (in diesem Falle die Notenbank) wäre verantwortlich für die Aktienmärkte, der vereinfacht die Wirklichkeit zu stark. Die US Unternehmensgewinne sind heute höher als vor 10 Jahren (hier). Das gleiche gilt für die Einzelhandelsumsätze (hier), die Zahl der Erwerbstätigen (hier) oder die Zahl der verkauften Autos (hier). Aktien mögen heute hoch bewertet sein, aber das reflektiert in erster Linie die guten US Wirtschaftszahlen, nicht nur die Politik der Notenbanken.

Quelle:

http://awealthofcommonsense.com/2016/08/how-to-lie-with-fed-statistics/

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