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Ratschläge zur Geldanlage
February 7, 2017

Wie erkennt man Anlagebetrug?

Der Albtraum aller Anleger – die hart verdienten Ersparnisse an einen Anlagebetrüger zu verlieren. Der Bankenverband hat eine sinnvolle Liste an Warnsignalen hierzu veröffentlicht. Wir verwenden aber noch drei weitere Ausschluss Kriterien, mit deren Hilfe man alle der uns bekannten Anlagebetrugsfälle der letzten Jahre vermieden hätte. Wenn Sie Fragen zu diesem wichtigen Thema oder einer bestimmten Anlage haben, setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

1. Nur börsennotierte Fonds mit WKN bzw. ISIN

Als Verbraucher vertrauen wir eher Produkten, die ein TÜV-Siegel oder ein anderes anerkanntes Güte-Siegel tragen. Wir wissen, dass diese Produkte von unabhängiger Stelle geprüft und nach bekannten Kriterien beurteilt wurden. Bei Finanzanlagen ist es ähnlich. Fonds oder Wertpapiere, die eine Zulassung an der Börse erhalten, unterliegen strengeren Auflagen und Kontrollen als Anlagen aus dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Eine Anlage, die nur auf Privatanleger abzielt und die nicht an einer Börse notiert ist, vermeidet explizit eine intensive Prüfung durch die Aufsichtsbehörden sowie durch andere Profi-Anleger. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

Merke: Achten Sie bei Fonds auf eine Börsennotierung. Sehen Sie nach, ob die Anlage eine Wertpapierkennnummer (WKN, 6-stellig) bzw. eine ISIN Ziffer hat. Vermeiden Sie geschlossene Fond und andere illiquide Anlageformen ohne ISIN bzw. WKN.*

2. Vermeide hohe Provisionen bzw. Kosten

Anlagebetrüger wollen sich schnell bereichern. Das geht am einfachsten indem die Anlagen hohe Provisionen bzw. Kosten enthalten. Die Immobilienbetrüger von S&K berechneten immerhin fast 20% Ausgabeaufschlag (Agio).

Wo sollte man aber die Grenze ziehen? Wir verwenden extrem niedrige Schwellen und schließen alle Anlageprodukte aus, die

  • einen Ausgabeaufschlag (Agio) verlangen
  • eine erfolgsabhängige Gebühr (performance fee) berechnen
  • mehr als 1% pro Jahr Verwaltungsgebühr ausweisen

Damit haben wir bereits 99% aller am Markt befindlichen Anlagen aussortiert und uns das Leben leichter gemacht.

Merke: Wir behaupten nicht, dass 99% aller Anlageprodukte Betrug seien. Aber wer die Grenzen eng zieht, hätte so einen großen Bogen um die Betrugsfälle der letzten Jahre gemacht, sei es S&K, Phoenix Kapitaldienst, Madoff, etc. Was will man mehr?

3. Vorsicht vor unrealistischen Renditen

Wenn etwas zu gut erscheint um wahr zu sein, dann sollten die Alarmglocken klingen. Aber wann ist die in Aussicht gestellte Rendite zu hoch? Dazu hilft es sich zu vergegenwärtigen, dass höhere Renditen IMMER auch höhere Risiken bedeuten. Als Daumenregel sollte man auf die Aktienrendite als Vergleichsmaßstab abstellen, denn um es in aller Deutlichkeit zu sagen, kein Privatanleger braucht in seiner Vermögensplanung Anlageformen, die mehr Risiken als Aktien aufweisen.

Damit kommen wir zur Kernfrage: wenn Aktien also die Referenzgröße sind, welche Rendite kann man heute langfristig mit Aktien erzielen? Um die Zukunft zu verstehen, hilft ein Blick auf die Vergangenheit. In den letzten 100 Jahren erzielten Aktien pro Jahr im Durchschnitt eine um ca. 5% höhere Rendite als eine 10-jährige Staatsanleihe. Dies macht auch intuitiv Sinn, denn Aktien schwanken mehr, und als Anleger möchte man für dieses Risiko kompensiert werden. Damit kann man die ungefähren Renditechancen von Aktien abschätzen. Heute rentiert ein Index 10-jähriger globaler Staatsanleihen bei ca. 1%-2%. Addiert man 5% hinzu, kommt man auf eine erwartete langfristige jährliche Aktienrendite von 6%-7%.

Merke: Man spricht nicht ohne Grund vom Niedrigzinsumfeld. Beim aktuellen Bewertungsniveau werden die zukünftigen Renditen geringer sein für alle Anlageformen, seien es Anleihen, Immobilien oder Aktien. Sie suchen aber über 7% Rendite? Möglich, aber eben wenig wahrscheinlich zum heutigen Zeitpunkt. Anleger, die heute derart ambitionierte Renditeerwartungen haben, müssen sich bewusst sein, dass hier das Risiko des endgültigen Kapitalverlusts und auch des Betrugs enorm hoch ist. Vielleicht hilft es dem Verständnis, “7% Rendite” anders auszudrücken: eine Anlage mit einer 7% Verzinsung verdoppelt sich alle 10 Jahre. So schlecht ist das auch nicht, oder?

Ein warnendes Beispiel zum Schluss

Stephen Greenspan ist ein amerikanischer Psychologe, der im Dezember 2008 ein Buch zum Thema Betrug veröffentlicht hatte. Der Titel lautet (frei übersetzt) „Annalen der Leichtgläubigkeit: Warum wir hinters Licht geführt werden und wie man es vermeidet“. Im gleichen Monat ist auch das Schneeballsystem von Bernard Madoff aufgeflogen, der immerhin $75 Mrd. „verwaltete“. Hier ist die Ironie: Stephen Greenspan war selbst ein Anleger bei Madoff! Der Psychologe, der eins der wichtigsten Bücher zum Thema Leichtgläubigkeit schrieb, ist selbst dem größten Betrüger auf den Leim gegangen.

Die Moral von der Geschichte: Menschen fällt es schwer die Grenzen ihres eigenen Wissens anzuerkennen. Aus diesem Grund kann das Ego gerade bei der Geldanlage so selbstzerstörerisch sein.

 

* Kritische Leser werden anmerken, dass Prokon auch eine WKN hatte…. doch wir schreiben hier explizit von “Fonds”, nicht von Wertpapieren von Einzelunternehmen. Privatanleger, die nicht die Bilanzen von Unternehmen analysieren können bzw. deren Geschäftsmodell und Risiken verstehen, die sollten im eigenen Interesse besser auch von Anlagen in Einzelaktien oder sonstigen Wertpapieren absehen.

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