Research

Ratschläge zur Geldanlage
October 5, 2016

Wie investieren Family Offices?

Nachdem wir uns im März die Anlagestrategien von Stiftungen angesehen hatten, wollen wir hier Family Offices näher betrachten. Bei vielen Privatanlegern hört man oft resignierend „wenn ich nur so wie die Profis anlegen könnte…“ Wie erfolgreich sind also Family Offices? Ist es sinnvoll, deren Anlagestrategien zu kopieren? Family Offices sind Familienbüros für sehr vermögende Anleger – man sollte also etwas Besonderes erwarten. Wir nehmen hier eine Studie von UBS über Family Offices unter die Lupe und kommen zu überraschenden Ergebnissen.

Mythos 1: Großanleger = Top Performance

Institutionen wie Elite Uni-Stiftungen für Harvard und Yale oder Family Offices können sich ein Heer von exzellenten Mitarbeitern leisten und haben Zugang zu Anlagen, die Privatanlegern nicht offenstehen. Das ist alles korrekt. Aber die Schlussfolgerung, dass diese Großanleger deswegen automatisch bessere Ergebnisse erzielen, ist in den meisten Fällen falsch!

In einem Anlagekommentar am 15. März diesen Jahres hatten wir bereits gezeigt, dass die viel gerühmten Uni-Stiftungen über die letzten 10 Jahre meistens sogar schlechter abschnitten als ein einfaches Depot mit nur 3 Indexfonds.

Wie sieht es bei Family Offices aus? UBS brachte etwas Licht in das Dunkel dieser Organisationen und hat deren Performance für die letzten drei Jahre veröffentlicht. Mit +8,5% in 2013, +6,1% in 2014 und +0,3% in 2015 kann man festhalten, dass hier auch nur mit Wasser gekocht wird…

Wie bei den Uni-Stiftungen, wollen wir das Ergebnis mit einem einfachen Portfolio vergleichen, wie es jeder Privatanleger selbst erstellen kann. Zum Vergleich nehmen wir ein Portfolio bestehend aus nur zwei Teilen: 60% weltweite Aktien (MSCI World) und 40% weltweite Anleihen (Barclays Global Aggregate Bond). Wer hat hier die Nase vorn? Zwar waren die Kursschwankungen im 60/40 Portfolio etwas höher, aber die durchschnittlichen jährlichen Kursgewinne von 5,6% liegen über dem der Family Offices von 4,9%. Was sagt es über die Qualität der Family Offices aus, wenn sie nicht einmal ein derart einfaches Depot übertreffen können?

 201320142015Jährl. Gewinn
Family Office8,5%6,1%0,3%4,9%
60 Aktien / 40 Anleihen15,4%3,5%-1,5%5,6%

Mythos 2: Großanleger = richtige Anlagestrategie

Ein Haus ist nur dann stabil, wenn das Fundament in Ordnung ist. Beim Anlegen ist es genauso. Das A und O beim Anlegen ist die richtige Vermögensaufteilung, also in welche Anlagekategorien man investiert. Wer hier die falsche Wahl trifft, der darf sich nicht wundern, wenn Rendite und Risiko später nicht stimmen. Wie man es richtigmacht, wird exemplarisch von Europas größtem Anleger, der Norwegischen Pensionskasse vorexerziert. Warum wir die Anlagestrategien unserer Kunden an dem der Norwegischen Pensionskasse ausrichten und nicht an Family Offices, wird an der folgenden Performance-Tabelle deutlich:

 201320142015Jährl. Gewinn
Family Office8,5%6,1%0,3%4,9%
Norway Pension Fund16,0%7,6%2,7%8,6%

Die Vermögensaufteilung der Family Offices wird in der folgenden Graphik gezeigt. Wir werden anschließend auf zwei typische, aber vermeidbare Fehler eingehen

family-offices-asset-allocation

1. Komplexität ist meist von übel

Ein Portfolio wird NICHT dadurch besser, dass es viele Anlagekategorien bzw. Positionen hält. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: eine hohe Komplexität folgt meistens daraus, dass der Vermögensverwalter bzw. Berater seine Bezahlung rechtfertigen muss. Wie die Tabelle oben zeigte, ist im Ergebnis ein einfaches Depot aber meist überlegen. Viele Positionen erhöhen dagegen den Verwaltungsaufwand, verringern die Übersichtlichkeit und tragen kaum etwas zur Diversifikation bei.

Wie man es nicht machen sollte, wollen wir an einer Portfolioposition zeigen: den Rohstoffen (commodities).

  • Rohstoffe bieten langfristig KEINE attraktive Rendite. Warum auch? Ein kg Kupfer ist in 10 Jahren immer noch 1 kg Kupfer. Woher soll der reale Wertzuwachs kommen? Seriöse Studien, die die Ungeeignetheit von Rohstoffen als Vermögensanlage zeigen, gibt es zuhauf (siehe hier).
  • Die Rohstoffposition ist zu klein. 2% sind letztlich irrelevant. Eine derart minimale Position dient nur zur Gewissensberuhigung und dafür, dass man sagen kann, „wir sind auch dabei“. Aber selbst wenn Rohstoffe um 40% steigen würden, die Portfolioposition erhöht sich dann nur von 2% auf 2,8%. Wer eine Position in dieser Größenordnung hält, verschwendet wertvolle Zeit.

2. Die Anlagekategorie „Alternative Assets“ ist, mit Verlaub, grober Unsinn

Es gibt drei wesentliche Anlagekategorien: Aktien, Anleihen und Immobilien. Das war’s. Wer sich den Geschäftsbericht der Norwegischen Pensionskasse anschaut, der wird genau diese Aufteilung finden (Stand Juni 2016: 60%, 37%, 3%). Sonst nichts.

Bei Family Offices ist die größte Kategorie aber sogenannte “alternative Assets” wie Private Equity und Hedge Fonds. Es ist eine Untugend, Anlagekategorien nach der Verpackung zu kategorisieren! Wenn ein Hedge Fonds in Aktien anlegt, dann ist die Anlagekategorie Aktien und nicht alternative Anlagen. Wenn eine Private Equity Firma in Immobilien investiert, dann ist die Anlagekategorie Immobilien und nicht alternative Anlagen.

Alternative Anlagen sind illiquide, d.h. im Gegensatz zu einfachen Indexfonds sind sie nicht täglich handelbar. Das muss per se nicht schlecht sein, solange man dafür bezahlt wird. In der Branche spricht man von der illiquidity premium, also vom Entgelt, dass man als Anleger dafür erhält, dass man über sein Vermögen nicht täglich verfügen kann. Doch wenn man sich die Performance ansieht, dann lässt sich diese illiquidity premium nicht erkennen! In einem Anlagekommentar vom 26. April 2016 sind wir auf die enttäuschende Performance alternative Anlagen wie Hedge Fonds über die letzten 10 Jahre im Detail eingegangen.

Warum empfehlen aber Banken und Berater ihren Kunden alternative Anlagen? Weil hier die Gebühren höher sind! Höhere Gebühren und ein exotischer Name sind aber nicht gleichbedeutend mit besserer Performance. Im Gegenteil: Wer mehr zahlt, dem bleibt meist weniger übrig. Alternative Investmentlösungen sind in vielen Fällen keine Anlagen, sondern ein cleverer Mechanismus zum Vermögenstransfer – nämlich vom Privatanleger in die Taschen der alternativen Investmentbranche und der Banken.

Was läuft schief?

Die Performance von Family Offices bleibt weit hinter den Möglichkeiten zurück. Warum ist das so?

In der Literatur wird dies als Agency Problem bezeichnet. Darunter wird verstanden, dass das Management nicht im Interesse der Eigentümer handelt, sondern letztlich im eigenen Interesse. Versetzen Sie sich in die Lage eines Leiters eines Family Offices. Sie haben Zugang zu allen Daten und können auch sehen, dass eine einfache Aufteilung des Vermögens in 50% Aktien und 50% Anleihe ETF in den meisten Fällen eine bessere risikoadjustierte Performance bieten würde. Sie wissen aber auch, dass bei so einer einfachen Strategie Sie sofort gefeuert werden, denn warum soll man Sie dann zu einem hohen Lohn beschäftigen? Wozu das schönes Büro mit Sekretärin? Wozu der teure Firmenwagen? Wer sägt schon an dem Ast, auf dem er selbst sitzt?

Zusammenfassung

Ich selbst hatte 15 Jahre bei Credit Suisse in London und Hongkong institutionelle Anleger betreut und aus erster Reihe sehen können, was funktioniert und was nicht. Es gibt Großanleger, wie die Norwegische Pensionskasse, die ihr Vermögen nach modernen Grundsätzen professionell anlegen. Dann gibt es aber noch eine Vielzahl anderer Organisationen, wie die hier beschriebenen Family Offices, die mehr schlecht als recht vor sich hinarbeiten. Privatanleger sollten vorsichtig sein, wen sie sich als Vorbild ansehen. Man soll sich nicht von großen Namen blenden lassen – wer Zweifel hat, sollte sich immer die Performance-Zahlen ansehen und objektiv vergleichen. Es geht schließlich um Ihr Vermögen.