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Ratschläge zur Geldanlage
April 1, 2015

Wie Ipanema Capital Sie vor Fehlern schützt: Beispiel Risk Parity Fonds

Wie können wir bei Ipanema Capital unseren Kunden bei der Vermögensanlage am effektivsten helfen? Der einfachste Weg ist solche Anlageprodukte auszusortieren, die zu riskant, intransparent und teuer sind. Dazu gehören z.B. geschlossene Fonds, Zertifikate und leider auch viele aktiv gemanagte Fonds. Anleger, die hierauf verzichten, haben bereits einen großen Schritt nach vorne gemacht.

An dieser Stelle wollen wir ein Anlageprodukt betrachten, dass in den letzten Jahren vielen Anlegern, insbesondere konservativ orientierten Investoren, empfohlen wurde. Die Rede ist von sogenannten Risk Parity Fonds oder manchmal auch Balanced Risk Fonds genannt. Der Auslöser für die Nachfrage ist wie so oft die in Deutschland weit verbreitete Unsicherheit beim Thema Börse – Anleger fühlen sich unwohl mit Aktien und suchen Alternativen. Aber sind Risk Parity Fonds wirklich sinnvoll oder kommen Anleger nur vom Regen in die Traufe?

Was bedeutet ‘Risk Parity’?

Bei Risk Parity geht es vereinfacht darum, das Portfolio so zu strukturieren, dass jede Anlageklasse das gleiche Risiko zum Gesamtrisiko des Portfolios beiträgt. Nimmt man zum Beispiel einen Mischfonds mit 50% Aktien und 50% Anleihen, so ist dieser zwar paritätisch aufgestellt was die Anlageanteile anbelangt, aber nicht was das Risiko betrifft, denn Aktien schwanken eben viel mehr als Anleihen. Durch die optimierte Gleichsetzung des Risikoanteils kann diese Schwachstelle gelöst werden. Auf Deutsch übersetzt: Anlagekategorien mit geringeren Kursschwankungen (Anleihen) werden höher gewichtet. Die Theorie hinter Risk Parity Fonds basiert also auf einem soliden Fundament. Die Frage ist vielmehr wie sich die Fonds in der Realität verhalten.

Wie sieht die Performance aus?

Risk Parity Fonds gibt es seit den 1990ern und die anfängliche Performance war erfolgversprechend. Die letzte 3-Jahres-Performance (2012-2014) der meisten Risk Parity Fonds ist jedoch enttäuschend. Wir wollen nicht unfair sein und einzelne Produktanbieter ins Rampenlicht zerren, denn die Probleme betreffen fast die ganze Produktgruppe. Deswegen nur so viel: 2013 wiesen die meisten Risk Parity Fonds deutliche Verluste auf und die Rendite über die 3 letzten Jahre übertrifft nur in wenigen Fällen 5% annualisiert. 2013 ist ein besonders schönes Beispiel, denn es zeigt den Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit deutlich:

  • Ein traditioneller Mischfonds mit 50% deutschen Aktien und 50% deutschen Staatsanleihen hätte dagegen zweistellige positive Renditen in 2013 geliefert.
  • Selbst einer der ältesten und größten Risk Parity Fonds (AQR) wies im 2. Quartal 2013 Verluste auf, die sogar noch höher waren als die des Aktienmarktes.
  • Es gibt große Unterschiede zwischen einzelnen Risk Parity Fonds, was zeigt, dass es keinen einheitlichen Risk Parity Ansatz gibt. Gerade für Privatanleger, die kaum in der Lage sein dürften, hier die Unterschiede zu verstehen, sollte dies eine Warnung sein, blind Risk Parity Fonds zu kaufen.

Risk Parity Performance der letzten 20 Jahre von Sonderfaktoren beflügelt

Es gibt keine Anlagestrategie, die in jedem Marktumfeld gut funktioniert. Risk Parity wurde seit den 1990ern populär und hat bisher auch meistens gute Zahlen geliefert. Nur darf man nicht aus der Vergangenheit in die Zukunft extrapolieren. Denn die anfänglich gute Performance lässt sich zum großen Teil durch 3 Sonderfaktoren erklären, deren Fortbestand alles andere als sicher ist.

  • Fallende Anleihezinsen. Risk Parity Fonds übergewichten Anleihen und das Umfeld war hierfür optimal, weil die Zinsen für langlaufende Staatsanleihen über die letzten 30 Jahre gefallen sind. Jetzt sind wir aber bei 0,2% für 10 jährige deutsche Staatsanleihen – viel mehr können sie nicht fallen. Falls Anleihezinsen irgendwann wieder steigen sollten, wird die Performance von Risk Parity Fonds wahrscheinlich viele Anleger enttäuschen.
  • Stabile und niedrige Korrelation. Risk Parity Fonds können nur funktionieren wenn die Korrelationen zwischen den einzelnen Anlageklassen sich nicht schlagartig ändern. Genau dies ist aber 2013 passiert, als auf einmal Aktien, Anleihen und Rohstoffe gleichzeitig fielen. Darüber hinaus sollte die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen idealerweise gering oder negativ sein – dies war auch seit 1998 der Fall (gerade als Risk Parity Fonds populär wurden). Aber hier unterliegt man einem gefährlichen Irrtum, wenn man dies als Normalfall annimmt, denn von 1966 bis 1997 war die Korrelation positiv (siehe hier).
  • Liquide Märkte. Wenn die Volatilität einer Anlagekategorie wie Rohstoffe steigt, dann reduziert ein Risk Parity Fonds deren Anteil am Gesamtportfolio. Vor 20 Jahren gab es aber nur wenig Risk Parity Fonds, und damit nur wenig Verkäufer der gleichen Anlagen zum gleichen Zeitpunkt. Heute dagegen sind die Anlagegelder der Risk Parity Fonds viel größer und wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen, kann es Liquiditätsengpässe geben. Auf Deutsch: wenn wenige Personen ein Fußballstadion 10 Minuten vor Schluss verlassen, um dem Verkehr zu entgehen, dann funktioniert es. Wenn dagegen alle 10 Min vorher gehen wollen, klappt es nicht mehr. Genauso ist es mit jeder Anlagestrategie, die zu populär wird.

Zurück zu den Anfängen

Ok, warum legen wir Geld an? Um bestimmte Ziele in der Zukunft zu erreichen, wie z.B. Ruhestand, Hauskauf oder Ausbildung der Kinder. Bei der Vermögensanlage haben wir 2 Stellschrauben: Rendite und Risiko. Nur warum verwenden dann Risk Parity Fonds bei der Risikosteuerung die Volatilität und was soll ein Privatanleger mit dieser Kenngröße anfangen?

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: für einen langfristigen Anleger hat Volatilität NICHTS mit Risiko zu tun. Das einzige Risiko, dass einen Anleger wirklich interessieren sollte, ist permanenter Kapitalverlust. Volatilität misst aber etwas anderes, nämlich das Ausmaß der Kursschwankungen. Nicht nur Warren Buffett hält dies für Unsinn. Risiko ist hauptsächlich eine Funktion der Bewertung – dies wird beim Risk Parity Ansatz aber übergangen. Hier können Anlagen als wenig riskant eingestuft werden, wenn sie wenig Volatilität aufweisen, selbst wenn die Bewertung astronomisch hoch ist.

Volatilität hat aber auch nur wenig mit Rendite zu tun. Hier müssen Anleger aufpassen, denn viele Risk Parity Fonds werden mit Volatilitäts-Kennzahlen beworben. Hört sich auch beeindruckend akademisch an. Nur wozu? Was soll ich mit einem Produkt anfangen, das eine Volatilitätszielgröße von 12% oder 17% angibt? Volatilität als Zielgröße wäre sinnvoll, wenn damit die Rendite in einem direkten Zusammenhang stehen würde, aber den Beweis bleiben die meisten Risk Parity Fonds bisher schuldig.

Zusammenfassung

Eines der eisernen Gesetze für Anleger ist und bleibt, dass es ein Mehr an Rendite nicht ohne ein Mehr an Risiko gibt. Ebenso gilt, dass es nicht eine gleiche Rendite bei weniger Risiko gibt. Wer also glaubt, Risk Parity sei ein Weg um aktienähnliche Renditen mit weniger Risiko zu erzielen, der irrt gewaltig.

Wer Rendite will, muss ein gewissen Maß an Risiko eingehen. Mit Risiko ist es wie mit einem Luftballon: wenn ich ihn an einer Stelle zusammendrücke, dann dehnt er sich eben woanders aus. Für Risk Parity Fonds bedeutet dies, dass man zwar kaum Aktienmarktrisiken eingeht, aber dafür sich eben andere Risiken einhandelt. Wenn man als Anleger nicht versteht, wo jetzt das Risiko versteckt ist, dann sollte man besser die Finger davon lassen.

In letzter Konsequenz handelt es sich bei Risk Parity Fonds um eine Anlageklasse, die ihre Feuerprobe noch nicht bestanden hat. Soll heißen: seitdem es diese Fonds gibt, war das Umfeld optimal da Zinsen gefallen sind und Anleihen mit Aktien meistens negativ korreliert waren. Wie sich aber Risk Parity Fonds verhalten, wenn sich diese Trends drehen, weiss letztlich niemand da es noch wenig historisches Datenmaterial gibt! Warum sollte ich als Anleger aber in einer Anlageklasse investieren, die noch nicht gezeigt hat, wie sie sich in allen Marktphasen verhält? Das kleine Intermezzo in 2013, wo fast alle Risk Parity Fonds deutlich verloren hatten, lässt nichts Gutes erahnen.*

Als letzter Punkt ist es noch bedeutsam einen Sachverhalt anzusprechen, der von vielen Privatanlegern sträflich vernachlässigt wird. Die Kostenseite. In Zeiten niedriger Zinsen ist der einfachste Weg die Rendite zu maximieren die Kosten zu minimieren. Theoretisch wären Risk Parity Fonds in einer guten Position um mit niedrigen Kosten zu glänzen, da Risk Parity Strategien sich mit softwarebasierten Regeln statt mit teuren Fondsmanagern steuern lassen. Aber in der Realität haben die meisten für Privatanleger zugelassenen Risk Parity Fonds recht hohe Gesamtkosten, die an der Nettorendite (also nach Kosten) kräftig zehren.

 

* Wieso werden die zukünftigen Renditen von Risk Parity Fonds wahrscheinlich deutlich niedriger ausfahllen? Wie man Ende der letzten Jahrzehnts sehen konnte, sind damals Risk Parity Fonds nicht gut gelaufen, als die US Zentralbank die Zinsen angehoben hat. Jetzt nähern wir uns einem weiteren Zinszyklus und die Geschichte wird sich wahrscheinlich wiederholen. Wer sich dies in Zahlen konkret ansehen will, der sollte die Veränderung der 10-jährigen inflationsgeschützten Anleihen (TIPS) mit einer 3-jährigen Zeitverzögerung (es dauert immer etwas bis sich die Fed Zinsen auf die Finanzmärkte auswirken) im Vergleich mit einer einfachen Risk Parity Strategy aus S&P 500 Aktien und langlaufenden Staatsanleihen ansehen. Man kann dann sehen, dass bei steigenden Fed Zinsen (TIPS Realrendite) die folgenden Risk Parity Renditen unterdurchschnittlich waren.

RP

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