Research

Ratschläge zur Geldanlage
September 28, 2015

Wieviel Stabilität bieten Anleihen überhaupt noch?

Aktien werden gekauft für den langfristigen Wertzuwachs, Anleihen dagegen übernehmen die Rolle eines Stabilitätsankers im Depot. Konkret ist damit gemeint, dass Anleihen in Zeiten zunehmender Unsicherheit oder gar Rezession im Wert steigen und damit die größeren Kursschwankungen von Aktien dämpfen. Leider ist dieser stabilisierende Effekt von Anleihen heute weit weniger stark ausgeprägt als in der Vergangenheit. Wir zeigen hier was sich geändert hat und was dies für Ihr Depot bedeutet.

Beispiel Sommer 2015: DAX fällt 20%, Anleihen aber fast unverändert

Von Ende Juli bis Ende September verlor der deutsche Aktienindex DAX ca. 20% (orange). Langsameres Wachstum in China und die VW Krise sind Auslöser. Doch der Wert der 10-jährigen deutschen Staatsanleihe bleibt praktisch unverändert mit +1% (grün) und bietet damit keinen Ausgleich.

2015

Während der Finanzrkrise in 2008 sah das Bild noch ganz anders aus: während der DAX um ca 25% fällt (von Juli bis Dezember), steigen 10-jährige deutsche Staatsanleihen um über 12% und bieten damit zumindest einen gewissen Ausgleich.

2008

Warum bieten Anleihen heute weniger Schutz?

Bei herannahenden Krisen wie Rezession oder Krieg verlassen viele Anleger Aktien und Suchen den Schutz bei sicheren Staatsanleihen. Folge: Anleihekurse steigen und damit fallen die Anleihezinsen. Soweit, so gut. Wenn sich die Zinsen halbieren, steigen die Anleihekurse aber nicht gleichmäßig, sondern der Kursgewinn hängt ab vom absoluten Zinsniveau. Konkret: wenn sich die Zinsen einer Anleihe von 6% auf 3% halbieren, dann ist der Kursgewinn viel größer als wenn sich die Zinsen der gleichen Anleihe von 3% auf 1,5% halbieren. Heute dagegen beträgt die Verzinsung einer 10 jährigen deutschen Staatsanleihe nur noch ca 0,6% – wenn sich die Zinsen halbieren, dann steigt der Kurs der Anleihe nur noch um 3% und bietet damit nur noch wenig Ausgleich für fallende Aktien.

Zinsänderung: Halbierung von ..% auf ..%Kursgewinn einer 10-jährigen Staatsanleihe
6% auf 3%+26%
3% auf 1,5%+14%
1,5% auf 0,75%+7%
0,75% auf 0,375%+4%

Vermögensaufteilung sollte heute anders sein als in der Vergangenheit

Das Zinsniveau der 10 jährigen Bundesanleihe geht seit ca. 30 Jahren fast kontinuierlich nach unten.

10y Bund yield

Damit gelten heute nicht mehr die gleichen Regeln wie damals. Wer vor 20 oder 30 Jahren sein Depot zu 50% in Aktien und zu 50% in Anleihen investierte, der konnte damit rechnen, dass Anleihen eine gute Stabilisierungsfunktion erfüllten. Wer heute sein Vermögen immer noch zu 50% in Aktien und 50% in Anleihen aufteilt, der erhält ein Portfolio, das sich sehr unterschiedlich verhält. Die Rolle von Anleihen im Portfolio muss heute neu überdacht werden, denn sie bieten weder eine attraktive Verzinsung noch eine ausreichende Stabilisierungsfunktion.

Schauen Sie sich den Inhalt an, nicht die Verpackung

Sie haben keine oder nur kaum Anleihen? Sicher? Viele Anleger sind überrascht, welche Vermögenskategorien sie eigentlich besitzen. Es kommt nicht so sehr auf die Verpackung an, sondern den Inhalt. Vielen Privatanlegern ist z.B. nicht bewusst, dass eine Lebensversicherung im Durchschnitt zu 90% aus europäischen Anleihen besteht. Mischfonds, vermögensverwaltende Fonds, etc. sind nur Bezeichnungen hinter denen sich Anlageformen verbergen, die einen bedeutenden Anleiheanteil beinhalten. Nachsehen lohnt sich. Wir helfen Ihnen Licht ins Dunkel zu bringen.

Wie gehen wir bei Anleihen vor?

Wir versuchen NICHT zu erraten wo Zinsen in 1 Jahr sein werden – selbst die Fondsmanager von Anleihefonds schaffen es über einen längeren Zeitraum in den allermeisten Fällen nicht den Index zu schlagen.Wir kümmern uns daher primär um die Frage, welche Ziele unsere Kunde erreichen wollen und ob Anleihen dabei helfen können. Beispiele:

  • Ein Anleger plant in 5 Jahren ein Haus zu kaufen: in diesem Falle sind Anleihen als wesentlicher Portfoliobestandteil unverzichtbar.
  • Ein Anleger (50 Jahre) möchte sein Vermögen für den Ruhestand so anlegen, dass zumindest die Inflationsrate nach Abzug von Steuern und Kosten übertroffen wird. Als langfristiges Renditeziel wird 3-5% angegeben. In diesem Falle würden Staatsanleihen beim heutigen Zinsniveau und der aktuellen Inflationsrate kaum eine bedeutende Rolle in der Vermögensaufstellung spielen.

Anleihen oder Aktien sind nicht per se gut oder schlecht – es ist alles eine Frage Ihrer individuellen Ziele. Reden Sie mit uns.

 

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