Research

Ratschläge zur Geldanlage
September 4, 2014

Wirtschaftszyklus ist noch lange nicht zu Ende

Es ist verständlich, dass Anleger nach den Erfahrungen von 2008 sich vor der Wiederholung einer Wirtschaftskrise Sorgen machen. Für die Medien lassen sich schlechte Nachrichten auch besser verkaufen als gute Nachrichten, so überraschen Artikel über das kommende Ende der wirtschaftlichen Erholung nicht (hier oder hier). Doch die gesamtwirtschaftlichen Daten lassen heute nicht den Schluss zu, dass wir uns bereits am Ende eines Wirtschaftszyklus befinden. Im Gegenteil, es spricht viel dafür, dass dieser Zyklus zwar von wenig Dynamik geprägt ist, aber dennoch ungewöhnlich lange andauern kann (siehe auch hier).

Das wichtigste Kennzeichen, dass wir typischerweise am Ende eines wirtschaftlichen Zyklus finden, ist heute nicht erkennbar: hohe Verschuldung der Firmen. In allen wichtigen Wirtschaftsregionen, USA, Europa und Japan, weisen heute Aktienunternehmen eine niedrigere Verschuldungsquote auf als jemals zuvor in den letzten 15 Jahren. In der Vergangenheit konnte man immer 2-3 Jahre vor dem Ende eines Zyklus beobachten, dass die Firmen die Verschuldung (und damit das Risiko) erhöht hatten. Dies ist diesmal nicht der Fall.

JPM Corporates in US EU Japan have all reduced gearing

Ein anderes Zeichen der Gesundheit der Firmen ist die Höhe der vorgehaltenen Liquidität (auf Deutsch: der Kassenbestand). Dieser ist in allen Regionen auf einem Rekordniveau – anbei als Beispiel alle Firmen im europäischen Aktienindex MSCI Europe. Firmen mit einer gesunden Bilanz sind schlichtweg weniger anfällig.

JPM MSCI Europe cash on balance sheet

Amerika hat sich schneller erholt als Europa und hier ist der Zyklus bereits 5 Jahre alt. Da der durchschnittliche Zyklus 5-6 Jahre dauert, tauchen auch hier Fragen auf, wie lange es noch weitergehen kann. Verständlich, aber dieser Wirtschaftszyklus verläuft aufgrund der Tiefe der Rezession in 2008 und der langsamen Erholung danach einfach anders. Schaut man sich verschiedene Wirtschaftsindikatoren an, so ergibt sich auch hier ein Bild, das eher einer frühen- bis mittleren Phase eines Wirtschaftszyklus entspricht.

GS Spider early stage characteristics of US expansion

Es wird gerne vergessen, dass es in 2008 nicht nur eine Bankenkrise gab – die stark gestiegenen Rohstoffpreise waren auch ein Grund dafür, dass der schwachen Wirtschaft und den Konsumenten letztlich die Puste ausging. Im Juli 2008 kletterte der Ölpreis auf ein Rekordhoch von fast $150 pro Barrel. In 2014 sind dagegen alle wichtigen Rohstoffe aus den Bereichen Energie, Metalle und Landwirtschaft trotz der geopolitischen Krisen am Fallen. Dies unterstützt die Kaufkraft der Konsumenten.
BNP Econ studie - commodity prices falling - graphic

Implikationen für Anleger
Wie immer sollte man die Entwicklung der Realwirtschaft trennen von der Finanzwelt. Unser positiver Ausblick bezog sich zuerst einmal auf die Realwirtschaft. Aber auch für Anleger lassen sich Schlussfolgerungen ableiten:

  • Unternehmensanleihen: ein kurzfristiger Anstieg der Ausfallraten ist wenig wahrscheinlich
  • Aktien: die hohe Bewertung heute kann länger bestehen, weil die Bilanzen deutlich gesünder sind als in der Vergangenheit. Unternehmen haben durch die hohen Liquiditätsbestände auch die Möglichkeit die Renditen für Aktionäre weiter zu verbessern, z.B. über Aktienrückkaufprogramme, M&A, etc.

Also kein 2008, wie sieht es mit 1987 aus?
Für Investoren, die den Einstieg in 2009/2010 verpasst haben, also keine gute Ausgangslage? Auch wenn wir einen Rückgang der Aktienkurse aufgrund einer Wirtschaftskrise heute für wenig wahrscheinlich halten, so gibt es immer die Möglichkeit einer Korrektur. Über das Timing einer Korrektur wie in 1987 zu spekulieren ist reine Zeitverschwendung – niemand kann dies zuverlässig vorhersagen. Wichtiger für Anleger ist es, heute bereits einen Finanzplan in der Schublade zu haben, um dann auch mit Disziplin in einer Schwächephase wirklich zu kaufen. Welche Anlagen dann interessant sind und wie Sie Ihr Portfolio optimal aufstellen sollten um Ihre persönlichen Ziele zu erreichen, erläutern wir Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch.

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