Research

Ratschläge zur Geldanlage
May 4, 2016

Wo gibt es noch mehr als 3% Zinsen?

Die häufigste Frage, die wir von Kunden hören: in welchen Bereichen des Anleihemarktes gibt es heute noch Renditen von 3% oder mehr? Angesichts von Nullzinsen auf einem gewöhnlichen Sparkonto und selbst bei einer 10-jährigen Bundesanleihe ist dies ein berechtigtes Anliegen. In diesem Kommentar zeigen wir auf, wie sich die Anleihemärkte über die letzten Jahre verändert haben und welche Renditen mit welcher Kategorie heute noch erzielbar sind.

2016 vs 2000

In 2000 lag die Verzinsung fast aller Anleihekategorien weit über 3%. Anleger mussten damals also kein hohes Risiko eingehen, um eine attraktive Verzinsung zu erzielen. Die durchschnittliche europäische Staatsanleihe lag bei 5%. Wer deutlich mehr Risiko akzeptierte, konnte mit europäischen und amerikanischen Unternehmensanleihen (High Yield) auch deutlich mehr, nämlich 14%-16%, einstreichen. Goldene Zeiten also. Einzig japanische Anleihen lagen damals schon unter 3%. Diese Zahlen sind zwar alle vor Inflation, aber dennoch waren auch die Realrenditen höher als heute.

Yield-vs-Duration

Seitdem hat sich das Bild dramatisch verändert. Fast alle Anlagekategorien liegen in 2016 unter der 3% Grenze. Das gilt für die Staatsanleihen aller entwickelten Industrieländer und für Unternehmensanleihen guter Bonität – also die typischen Anlagen, die für einen konservativen Investor in Frage kämen. Wer heute Renditen über 3% sucht, der muss sich nach exotischen Kategorien umsehen. Dazu gehören Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aus Schwellenländern und noch US High-Yield Anleihen. Das war es aber auch schon. Anlegern muss aber bewusst sein, dass grundsätzlich Renditen über 3% heute IMMER auch das Risiko von Verlust des eingesetzten Kapitals innewohnen.

Was bei vielen Anlegern leider fehlt ist ein Verständnis für das Risiko – zur Zeit leihen Anleger Argentinien wieder Geld für 6%, aber Schweizer Qualitätsaktien wie Nestlé oder Roche mit 3%-4% Dividendrendite werden als zu riskant gesehen. Dabei hat Argentinien alleine in den letzten 23 Jahren 3x seine Anleihen restrukturieren müssen. Eine Fixierung der Anleger auf Anleihen versperrt den Blick auf attraktivere Alternativen in anderen Anlageklassen.

Was hat sich noch verändert: die gleiche Anleihe ist heute deutlich riskanter

Ohne zu stark in die Finanzmathematik abzudriften: eine 10-jährige Staatsanleihe mit 1% Coupon reagiert viel stärker auf Zinsänderungen als die gleiche Anleihe mit einem 5% Coupon. Als Maß für das Zinsänderungsrisiko wird die Duration verwendet. Folgende Graphik zeigt eindrucksvoll wie stark die Duration für die Staatsanleihen der wichtigsten Länder gestiegen ist. Sollten also irgendwann die Inflationsraten wieder deutlicher ansteigen, dann werden Anleiheanleger mit hohen Kursschwankungen leben müssen.

Global-10-Year-Duration

Enteignet Draghi den deutschen Sparer?

Wir sind dazu da, die Welt zu analysieren wie sie ist, nicht wie sie sein sollte. Es ist letztlich nicht zielführend für die Vermögensplanung, sich mit solchen Schuldfragen den Kopf zu zerbrechen. Nur so viel: die Graphiken oben zeigen, dass hier andere Kräfte am Werk sind als allein die Politik der EZB unter Draghi. Nicht ohne Grund sind die Zinsen der Notenbanken bei bzw. unter Null in vielen anderen Ländern außerhalb der Eurozone (Japan, USA, Canada Schweden, Schweiz, Dänemark etc). Wesentliche Ursache für die niedrigen Zinsen ist schlichtweg, dass es in den alternden Gesellschaften mehr Leute gibt, die sparen als investieren wollen.

Welche Auswege gibt es für Anleger?

Aus Wasser kann man keinen Wein machen. Wer sicher anlegen will wie in 2000, der muss in 2016 unweigerlich deutlich niedrigere Renditen akzeptieren. Jeder Versuch im Anleihemarkt heute auf ähnliche Renditen wie in 2016 zu kommen ist mit extremen Risiken verbunden – wie die herben Verluste im Markt für Mittelstandsanleihen zeigen.

Was also tun?

Eine seriöse Vermögensverwaltung setzt hier an drei Stellschrauben an:

  1. Finanzplan anpassen. Mehr sparen, weniger ausgeben, länger arbeiten. Das will zwar niemand hören, aber doch besser eine unbequeme Wahrheit als eine bequeme Lüge?
  2. Die Vermögensstruktur überdenken. Ca. 40% des durchschnittlichen Geldvermögens in Deutschland ist in Anleihen (viele Menschen werden sich hier nicht wiedererkennen, aber sie vergessen, dass des Deutschen liebstes Kind, die Lebensversicherung, zu ca. 90% in Anleihen anlegt). Fast 40% sind in unverzinslichem Bargeld und Bankeinlagen. Nur 10% sind in Aktien investiert. Doch bei Großanlegern wie dem Norwegischen Pensionsfonds oder der Englischen Kirche beträgt die Aufteilung eher 60% Aktien und 40% Anleihen.
  3. Kosten runter. Sie zahlen für ihren Mischfonds noch 1,5% jährliche Managementgebühr plus erfolgsabhängige Vergütung, obwohl die Hälfte des Fonds aus Anleihen besteht, die weniger als 2% Rendite bringen? Man muss kein Finanzgenie sein, um zu erkennen, dass für den Anleger bei dieser Kostenstruktur praktisch nichts übrigbleibt.

Wir erläutern Ihnen gerne in einem ausführlichen Gespräch wie man sein Vermögen optimal aufstellt.