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Ratschläge zur Geldanlage
April 15, 2016

Würden Sie in eine Anlage investieren, deren Erfolgschance unter 20% liegt?

Man sollte meinen, dass kein rationaler Anleger bei einer derart schlechten Erfolgswahrscheinlichkeit Interesse zeigen würde. Schließlich liegt selbst im Casino beim Roulett die Wahrscheinlichkeit mit „schwarz“ zu gewinnen bei immerhin 49%. Doch die Realität sieht anders aus: nach einer Ende März veröffentlichten Studie von S&P Dow Jones Indices, haben über die letzten 10 Jahre in Europa nur 14% der aktiv gemanagten Fonds es geschafft, ihren Vergleichsindex zu übertreffen.

Leser unserer Anlageratschläge können ahnen, worauf dieser Kommentar abzielt: auf den Vorteil von Indexfonds (=passive Fonds) gegenüber aktiv gemanagter Fonds. Da aber der traditionelle Finanzvertrieb über Ausgabeaufschläge und Retrozessionen (kick-backs) sich mit aktiven Fonds eine goldene Nase verdient, überrascht es nicht, dass trotz dieser Fakten die Mehrheit der Anleger in Europa noch ihr Geld in aktive Fonds steckt. Ob dies wirklich im Sinne des Endanlegers ist, darf bezweifelt werden.

Passiv Marktanteil2

Europa – nul points für aktive Fondsmanager

Zum ersten Mal hat S&P Dow Jones Indices 10-Jahres Performancezahlen für in Europa zugelassene Fonds veröffentlicht. Von 1-3 Jahres Vergleichen würden wir generell absehen, da kurzfristig zu sehr der Faktor Zufall eine Rolle spielt. Die wichtigsten Punkte der Studie:

  • Je länger der Betrachtungszeitraum, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass aktiv gemanagte Fonds ihren Vergleichsindex übertreffen.
  • Europäische Blue-Chip Aktien: 86% aller Fondsmanager liegen nach 10 Jahren hinter ihrem Vergleichsindex
  • Aktien aus der Euro-Zone (kleine, mittlere und große Unternehmen): 91% liegen hinter ihrem Vergleichsindex
  • Schwellenländer Aktien: 97% aller Fondsmanager liegen hinten dran
  • Weltweite Aktien: 98% aller Fondsmanager haben ihren Vergleichsindex nicht übertroffen

Spiva Table

Diese Zahlen zeigen wie schwer es ist für aktive Fondsmanager langfristig einen einfachen Index zu schlagen. Dies gilt auch für vermeintlich weniger effiziente Märkte wie den Schwellenländern – selbst dort können aktive Fondsmanager ihre Vorteile kaum ausspielen und nur 3% waren besser als der Index über die letzten 10 Jahre.

Sollten wir jetzt in die Fonds investieren, die zu den Gewinnern gehörten?

Lässt man die Frage beiseite, ob die wenigen Gewinner auf Glück oder Können zurückzuführen sind, dann stellen sich die nächsten beiden Probleme:

  • die durchschnittliche Verweildauer eines Fondsmanagers liegt in Europa bei ca. 4 Jahren.
  • nach 10 Jahren sind nur noch ca. 50% aller Fonds am Markt. Es ist ein beliebter Trick der Fondsgesellschaften ihre Erfolgsstatistik zu schönen, indem sie schlechte Fonds auflösen bzw. mit anderen verschmelzen. Wer sich die Liste der größten Mischfonds z.B. von 2004 heranzieht, der stösst auf Fonds wie den DWS PlusInvest (Wachstum), UBS Focused Equities Europe Flex, DWS PlusInvest (Balance), DWS Zürich Invest Global oder Pioneer PF Global Progressive. Diese Fonds gibt es aber längst nicht mehr! Sie wurden liquidiert oder auf andere Fonds verschmolzen. Sicherlich nicht, weil die Performance so toll war? Anleger, die langfristig investiert hatten und dann einen neuen Fonds suchen mussten, waren die Dummen.

Die meisten Leute legen für den Ruhestand an. Je nach Alter haben deswegen viele Anleger einen Anlagehorizont der weit über 10 Jahre hinausgeht. Wer also hier einen Fonds(-manager) nach der Vergangenheitsperformance der letzten 10 Jahre auswählt, der muss sich bewusst sein, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der gleiche Fondsmanager noch denselben Fonds weitere 10 Jahre leitet und auch dann noch zu den Gewinnern gehört, gegen 0% geht.

Zusammenfassung

Es ist sicherlich möglich für aktive Fondsmanager den Index zu übertreffen. Anleger müssen sich aber bewusst sein, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür sehr gering ist. Warum sich also auf eine Anlagestrategie einlassen, die von Anfang an so eine geringe Erfolgswahrscheinlichkeit hat? Es ist wie im Casino: der sicherste Weg zu gewinnen, ist, nicht daran teilzunehmen. Für Privatanleger wäre es viel wichtiger sich über die richtige Asset Allocation (Vermögensaufteilung) Gedanken zu machen, als zu versuchen, den ‘richtigen’ aktiven Fonds zu finden.

Traditionelle Finanzberater empfehlen aktive Fonds, weil sie damit besser verdienen als mit Indexfonds und weil sie versuchen den Eindruck zu erwecken, sie könnten die Gewinner für die Zukunft herauspicken. Wir hoffen mit den Fakten in diesem Artikel zeigen zu können, wie wenig plausibel dieses Versprechen ist.

Haben Sie in Ihrem Depot hauptsächlich aktiv gemanagte Fonds? Wir besprechen gerne mit Ihnen, wie man das Vermögen erfolgreicher aufstellen kann.